Technik

Pixel 6 kommt im Herbst Google greift iPhone mit eigenem Chip an

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Der Tensor-Chip soll das Pixel 6 zum ersten "echten Google Phone" machen.

(Foto: Google)

Im Herbst werden das Pixel 6 und das Pixel 6 Pro die ersten Smartphones sein, in denen Google seinen eigenen Chipsatz einsetzt. Der Tensor soll lokale KI auf ein neues Level heben. Damit könnte das Pixel-Duo eine echte Herausforderung für Apples kommende iPhones darstellen.

Im Oktober 2016 hat Google das erste Pixel vorgestellt, sein erstes selbst entwickeltes Smartphone. Zwar gab es vorher schon die Nexus-Reihe, aber diese Geräte wurden von HTC und anderen Auftragsherstellern produziert. Seit damals hat Google immer Chips des US-Marktführers Qualcomm verwendet, doch diese können jetzt die Ansprüche des Konzerns offenbar nicht mehr erfüllen. Deshalb wird der Konzern im Herbst mit dem Pixel 6 und dem Pixel 6 Pro die ersten Smartphones mit eigenem Chipsatz vorstellen.

Der "Tensor" ist ein sogenanntes System on a Chip (SoC). Das heißt, alle wichtigen Komponenten von Haupt- und Grafik-Prozessor bis zum Modem sind auf dem Chip vereint. In jüngster Zeit wurden Neuralprozessoren (NPU) immer wichtiger, die Funktionen der Künstlichen Intelligenz beziehungsweise des maschinellen Lernens (ML) auf Smartphones bringen. Das heißt, die Geräte benötigen keine Cloud-Unterstützung, beispielsweise um Sprache in Text zu verwandeln oder Objekte zu erkennen.

KI soll den Unterschied machen

Auch Qualcomm-Chips haben NPUs, aber Google will höher hinaus. Bei der Entwicklung des Tensor-Chips habe man über jedes Detail nachgedacht, heißt es im Blogpost zu den kommenden Pixel-Smartphones. Wie genau der Chip aufgebaut ist, verrät Google bisher nicht. Es geht aber ganz klar vor allem um Sprach- und Bilderkennung.

Google wird den Tensor-Chip beziehungsweise dessen Komponenten nicht selbst herstellen. "9to5Mac" vermutet, dass Samsung ein enger Kooperationspartner sein könnte. "Aber dies ist unser Design und es wurde speziell entwickelt, um unsere ML und KI voranzutreiben", sagte Googles Hardware-Chef Rick Osterloh dem Tech-Magazin "The Verge", das bereits einen ersten Blick auf das Pixel-6-Duo werfen durfte.

Die Standard-Komponenten seien sehr wettbewerbsfähig, der KI-Bereich sei völlig anders als bei bisherigen Chips, so Osterloh. Google geht damit einen ähnlichen Weg wie Apple mit seiner NPU (Neural Core) in seinen Chips der A-Serie, die iPhones und iPads antreiben.

Rechenleistung alleine genügt nicht mehr

Googles Hardware-Chef weist darauf hin, dass es künftig immer weniger um herkömmliche Rechenpower gehen werde, da das Mooresche Gesetz seine Gültigkeit verliere. Dieses besagt, dass sich die Anzahl an Transistoren, die in einen integrierten Schaltkreis festgelegter Größe passen, sich etwa alle zwei Jahre verdoppelt. Obwohl es nicht wirklich gleichzusetzen ist, wurde daraus die Regel, dass sich die Prozessorleistung alle zwei Jahre verdoppelt.

"Es wird viel mehr spezialisierte Unterelemente für das Design geben, um Dinge auf spezifische Weise tun zu können. Dies ist eine Folge davon, dass die reine Rechenleistung keinen Spielraum mehr hat oder langsamer wächst als die Verarbeitungsarten, die wir mit KI machen wollen", so Osterloh.

Was KI betrifft, ist Google schon lange ein Big Player, der Name Tensor für das neue SoC kommt nicht von ungefähr. Der Konzern nutzt Tensor Processing Units (TPUs) schon seit fast sechs Jahren in seinen Servern, die für seine sehr leistungsfähigen KI-Dienste zum Einsatz kommen.

Neue Offline-Qualitäten

Sie stehen auch jetzt schon Smartphone-Besitzern zur Verfügung. Allerdings haben Cloud-Anwendungen den großen Nachteil, dass Nutzer ihre Fotos, Videos oder Sprachaufnahmen Google anvertrauen müssen. Außerdem verbrauchen sie unterwegs mobiles Datenvolumen und kosten Zeit. Apple ist offline schon wesentlich weiter.

Was mit der mobilen TPU auf den Pixel-6-Geräten genau möglich sein wird, hat Google noch weitgehend offengelassen. "The Verge" wurde eine Demo gezeigt, bei der die KI-Software die verwackelte Aufnahme eines rennenden Kindes in ein scharfes Bild verwandelte. Außerdem demonstrierte Google die Möglichkeiten von Echtzeit-HDR-Videoaufnahmen. Dafür führten Mitarbeiter mit dem Pixel 6, älteren Pixel-Geräten und einem iPhone 12 Pro Max einen Kameraschwenk gegen die untergehende Sonne durch. Die Tensor-TPU errechnete das natürlichste Ergebnis.

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Das Pixel-6-Duo sieht definitiv anders aus als die Konkurrenz.

(Foto: Google)

Vielversprechend scheinen auch die neuen Spracherkennungs-Möglichkeiten des Tensor-Chips zu sein. Google demonstrierte, dass das Pixel 6 in der Lage ist, ein französisches Video in Echtzeit mit englischen Untertiteln zu versehen - lokal, ohne Internetverbindung.

Mit dem Tensor-Chip sei das Pixel 6 jetzt ein echtes Google Phone, sagt Osterloh. Er sei bereit, Marktanteile zu gewinnen, wo immer er sie bekommen kann - sei es von Apple oder Samsung.

Endlich deutsche Offline-Transkription?

Inwiefern deutsche Nutzer davon profitieren werden, bleibt allerdings abzuwarten. Denn schon seit dem Pixel 4 warten sie darauf, dass Googles Rekorder onboard Sprache in Text verwandeln kann. Bisher muss man dafür online sein und einen Umweg über "Automatische Transkription" nehmen, was ein Bestandteil der Smartphone-Bedienungshilfen ist.

KI schön und gut, aber ob der Tensor-Chip auch leistungsmäßig mit Apples kommenden iPhone-Chip A15 mithalten kann, bleibt abzuwarten. Osterloh sagte lediglich, dass Haupt- und Grafikprozessor durch die TPU entlastet würden. Fest steht, dass der Tensor mit einem neuen Sicherheitskern und dem Sicherheitschip Titan M2 Hackern das Leben noch schwerer als seine Vorgänger machen wird.

Außergewöhnliches Design

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Hier kann man erkennen, dass das Pro-Modell ein an den Seiten gebogenes Display hat.

(Foto: Google)

Kein Geheimnis macht Google aus dem außergewöhnlichen Design seiner neuen Smartphones. Offizielle Fotos zeigen beide Pixels in verschiedenen Farben, wobei man gespannt sein darf, welche Namen der Hersteller den interessanten Pastelltönen geben wird.

Es wird eine Standard-Variante und ein größeres Pro-Modell geben. Die Rückseiten beider Geräte werden wie beim Pixel 5 aus Aluminium bestehen, beim kleineren Gerät ist sie matt, beim Pro poliert. Eine mächtige Kameraeinheit reicht von Längs- zu Längsseite. Das Display des Pixel 6 ist flach, die größere Variante hat gebogene Seiten.

Besser ausgestattetes Pro-Modell

Weitere Spezifikationen sind bisher nur aus diversen Leaks bekannt. So soll das OLED-Panel des Standard-Modells 6,4 Zoll groß sein und mit 1080p auflösen. Die Bildwiederholfrequenz soll maximal 90 Hertz (Hz) betragen. Das Display des Pixel 6 Pro misst vermutlich 6,7 Zoll und bietet voraussichtlich eine 1440p-Auflösung und bis zu 120 Hz.

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Das einfache Pixel soll neben einer Hauptkamera mit 50 Megapixeln (MP) auf der Rückseite nur noch eine 12-MP-Ultraweitwinkel-Kamera haben. Dazu kommt eine 8-MP-Frontkamera. Das Pro-Modell hat den Leaks zufolge zusätzlich noch eine 48-MP-Tele-Kamera mit vierfacher optischer Vergrößerung, die Frontkamera soll mit 12 MP auflösen.

Voraussichtlich hat der Akku des Pixel 6 eine Kapazität von 4614 Milliamperestunden (mAh) und der Arbeitsspeicher (RAM) ist 8 Gigabyte (GB) groß. Beim Pro fasst die Batterie vermutlich 5000 mAh und das Gerät verfügt über 12 GB RAM. Der Flash-Speicher ist den Infos nach 128 oder 256 GB groß, vom Pro soll es auch eine 512-GB-Variante geben.

Quelle: ntv.de

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