Technik

"Programmieren für die Menschlichkeit" Hacker greifen Weltprobleme an

Für die meisten sind Hacker dunkle Gestalten, die in fremde Computernetze eindringen. Dass dieses Klischee nicht zutrifft, zeigen Hacker, die sich zwei Tage lang beim "Programmieren für die Menschlichkeit" engagierten.

Draußen strahlt die Sonne, drinnen rauchen die Köpfe. Viel Zeit gibt es nicht für rund 70 Hacker, die in Berlin zu einem besonderen Programmierwettbewerb zusammengekommen sind. Am Samstag und Sonntag entwickelten sie Software-Lösungen für einen guten Zweck - zur gleichen Zeit wie einige hundert weitere Entwickler in Basel oder Aarhus, Melbourne oder Seattle.

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In diesem Jahr suchen die Hacker nach Lösungen für den Klimaschutz.

(Foto: picture alliance / dpa)

Ihre Angriffsziele sind nicht Sony oder Regierungsrechner, sondern die Probleme der Welt: 80 konkrete Aufgaben listet die Website der Initiative "Random Hacks of Kindness" (RHOK) auf, was mit "Programmieren für die Menschlichkeit übersetzt wird. Dazu gehört etwa die Entwicklung eines Frühwarnsystems für Dürrephasen oder einer Software zur Bekämpfung der Korruption.

"Hacken bedeutet, innovative, besonders intelligente Lösungen für besonders komplexe Probleme zu finden", erklärt Anke Domscheit-Berg vom Organisationsteam des Wettbewerbs. In den Medien werden Hacker allerdings meist mit "Crackern" gleichgesetzt, wie diejenigen genannt werden, die ohne Erlaubnis in fremde Computernetze eindringen.

Bisher lag der Schwerpunkt der 2009 gegründeten RHOK-Initiative darin, humanitäre Einsätze in Katastrophengebieten zu unterstützen. So hat Shoaib Burq im vergangenen Jahr eine Karten-Anwendung für die Hilfsorganisation Caritas mitentwickelt, die Katastrophenhelfern schnelle Informationen über den Bedarf in Einsatzgebieten bereitstellt. Jetzt soll sie um neue Funktionen ergänzt werden.

"Es muss einfach funktionieren"

In diesem Jahr liegt ein besonderer Schwerpunkt der RHOK-Wettbewerbe in aller Welt auf Lösungen für den Klimaschutz. Künftig soll es aber ganz allgemein um humanitäre Projekte gehen.

Der englische Hacker David Owens hat sich in Berlin eine Aufgabe des Projekts Wheelmap ausgesucht - diese Web-Anwendung zeigt auf einer Karte an, an welchen Orten Rollstuhlfahrer mit Hindernissen rechnen müssen und wo sie gut zurechtkommen. Owens will die Anwendung für den Internet Explorer anpassen, und da gibt es noch ein paar Probleme. "Es muss einfach funktionieren", sagt er. Außerdem, so wünscht es sich der Initiator Raúl Krauthausen vom Berliner Verein "Sozialhelden", soll es die Wheelmap nicht nur fürs iPhone, sondern auch auf anderen Handys als App geben.

Zur gleichen Zeit erklären Bernd Meding und Michael Wiegand von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport einer Gruppe von sechs Hackern, wie die von ihnen gewünschte App zur Alarmierung von Team-Mitgliedern in Notfällen funktionieren soll: "Eigentlich ist die Anforderung recht simpel." Die Anwendung soll es möglich machen, die Mitglieder des Teams in einem Alarmfall gleichzeitig anzurufen. Diese sollen dann durch Eingabe einer Nummer auf dem Handy reagieren und mitteilen, ob sie sofort verfügbar sind und kommen können.

Zusammenarbeit mit großem Potential

Die Hacker haben viele Fragen - schließlich steht die genaue Eingrenzung der Funktionen am Anfang jeder Programmierarbeit. Aber schließlich haben sie eine genaue Vorstellung und die beiden Mitarbeiter der Verwaltung verabschieden sich: "Viel Erfolg und vielen Dank schon mal!"

In dieser ungewöhnlichen Zusammenarbeit sieht Domscheit-Berg ein Beispiel für neue Perspektiven im Verhältnis zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft. Analog zur bewährten "Public Private Partnership" zur Zusammenarbeit mit der Wirtschaft sei auch die Entwicklung einer "Public Community Partnership" nötig. "Wir haben so viele Probleme und so wenig Geld. Ohne dieses kreative Potenzial werden wir das nicht lösen können." Allerdings sei dafür auch eine andere Kultur in der Verwaltung erforderlich, die erst noch entwickelt werden müsse.

"Wir sind neugierig und sehr offen", sagt Wiegand, der für Krisenmanagement, Zivil- und Katastrophenschutz zuständig ist. In der ungewohnten Zusammenarbeit sieht er ein großes Potenzial. "Hier gibt es sehr kurze Wege, alle sind sehr interaktiv, schnell und kreativ."

Quelle: ntv.de, Peter Zschunke, dpa