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Mate 30 mit oder ohne Google Huawei zieht sein Ding durch

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"Slashleaks" hat ein Bild eines Hüllen-Herstellers veröffentlicht, das das Huawei Mate 30 Pro zeigen soll.

(Foto: @Slashleaks)

In etwas mehr als zwei Wochen stellt Huawei seine neue Mate-30-Serie in München vor. Aktuell sieht es so aus, als müssten die Chinesen die neuen Top-Smartphones ohne Google Android auf den Markt bringen. Oder gibt es noch Hoffnung?

Nur ein paar Tage nach der iPhone-11-Premiere stellt Huawei am 19. September das Huawei Mate 30 Pro und dessen Abkömmlinge in München vor. Nachdem der Vorgänger bereits Apples Flaggschiffe etwas alt aussehen ließ, war der große Showdown in diesem September mit Spannung erwartet worden. Schließlich glaubte - oder hoffte - man bis vor Kurzem noch, das neue Huawei-Flaggschiff könne nach einer erneuten Verlängerung der Schonfrist noch mit Googles Android an den Start gehen. Doch dann platzte die Bombe: Ein Google-Sprecher sagte am 28. August, die Schonfrist gelte lediglich für Geräte, die bereits mit Android auf den Markt gekommen sind. Lizenzen für neue Smartphones wie das Mate 30 Pro dürfe Google aber nicht erteilen.

Stapellauf mit Schlagseite

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Gekniffen wird nicht: Am 19. September stellt Huawei die Mate-30-Serie vor - mit oder ohne Google-Android.

(Foto: Huawei)

Aus dem Showdown wird also nichts, obwohl Huawei an der Premiere in München festhält - die deutschen Einladungen gingen heute raus. Das liegt nicht am Mate 30 Pro an sich, das bisherigen Gerüchten zufolge wieder ein würdiger iPhone-Gegner wäre - vor allem von der Kamera sind erneut Bestmarken zu erwarten. Doch ohne Google-Lizenz läuft das neue Huawei-Smartphone bereits mit Schlagseite vom Stapel. Zumindest in Westeuropa hätte das Gerät ohne Play Store, Maps, Drive  und die anderen Google-Dienste und Apps so gut wie keine Chance, ein Verkaufsschlager zu werden.

Grundsätzlich könnte Huawei die Mate-30-Serie aber mit Android ausstatten, da der Großteil der Software Open Source ist. Einige Nutzer würden dies sogar begrüßen, da sie ein Top-Smartphone ohne "Google-Krake" ab Werk kaufen könnten. Für sie wäre es wahrscheinlich auch kein Problem, Anwendungen aus Huaweis eigenem oder aus alternativen App-Stores zu installieren. Wie schwer es ist, ein mit offiziellem Android ausgeliefertes Gerät "Google-frei" zu bekommen, beschreibt beispielsweise der Sicherheitsexperte Mike Kuketz in seiner Artikel-Serie "Take back control!".

Kuketz weist allerdings auch auf mögliche Sicherheitsrisiken hin, unter anderem durch verzögerte Sicherheits-Updates. Außerdem wäre ein Huawei-Smartphone mit alternativem Android nicht unbedingt ein Open-Source-Leuchtturm, da die Chinesen wohl kein pures Android ohne eigene Dienste installieren würden. Außerdem benötigten sie Zugriff für Aktualisierungen, beispielsweise für Sicherheits-Updates, Verbesserungen oder Fehlerkorrekturen.

HarmonyOS als letzter Ausweg

Noch kritischer würden europäische Nutzer vermutlich ein Mate 30 mit Huaweis eigenem Betriebssystem HarmonyOS  sehen. Allerdings hat Huawei bis vor wenigen Tagen immer wieder betont, keine Pläne für ein HarmonyOS-Smartphone zu haben. Eigentlich ist es dafür auch gar nicht gedacht, es soll vor allem ein Betriebssystem für das Internet der Dinge sein. So war das erste Gerät mit HarmonyOS auch ein Fernseher der Unternehmenstochter Honor.

Ausgeschlossen ist ein Mate 30 mit der hauseigenen Android-Alternative aber nicht. Laut "Cnet" sagte Huaweis Europa-Chef Vincent Pang zwar vor rund einer Woche in New York, es sei unwahrscheinlich, dass man ein Smartphone mit HarmonyOS auf den Markt bringe. Bevor es so weit komme, wolle man bis zum letzten Moment versuchen, eine Google-Lizenz zu bekommen. Aber im Falle eines Falles bliebe Huawei nichts anderes übrig. "Man kann nie wissen", sagte Pang.

Inzwischen wird der Ernstfall immer wahrscheinlicher. Google hat der "Frankfurter Allgemeinen" bestätigt, dass die Chinesen für die Mate-30-Serie keine Lizenz bekommen werden. Vermutlich wird trotzdem auf verschiedenen Ebenen hinter den Kulissen fieberhaft weiterverhandelt. Ein Deal in letzter Minute ist nicht ausgeschlossen, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Mehr wird man wohl am 6. September erfahren, wenn Huawei-Chef Richard Yu auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin den neuen Smartphone-Chip Kirin 990 vorstellt. n-tv.de wird vor Ort sein.

Quelle: n-tv.de

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