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Wer kaufte der CDU FakeFollower? Pimp my Nutzerzahl

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Der Statistikdienst twittercounter.com zeigt die Entwicklung der Followerzahlen von @cdu_news (rot) und @spdde (blau).

(Foto: Screenshot n-tv.de)

Womöglich wird man die ganze Wahrheit nie erfahren, Anonymität im Internet und so. Fest steht, dass die Nutzerzahl des Twitter-Kontos @cdu-news erst sprunghaft anstieg und dann wieder steil abfiel. Dazwischen lag eine Veröffentlichung des Blogs Hyperland, in dem über gekaufte Follower spekuliert wurde. Die sind heutzutage erstaunlich billig.

Der Twitter-Account der CDU Bundesgeschäftsstelle @cdu_news hat innerhalb weniger Tage Ende April 5000 Abonnenten dazugewonnen, sprang von 20.000 auf 25.000 Follower und überholte damit en passant den Account @spdde. Als das dem @popkulturjunkie Jens Schröder auffiel und er im Auftrag des ZDF-Blogs Hyperland nachfragte, begann man offenbar auch in der Union, sich über die prestigeträchtige Zahl zu wundern.

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In einem Tweet distanziert sich die CDU-Onlineredaktion vom Vorwurf, sie habe Follower gekauft.

Die Online-Redaktion der Parteizentrale beeilte sich, in einem Tweet klarzustellen: "Die CDU Deutschlands hat zu keinem Zeitpunkt und für keines ihrer Angebote den Kauf von Followern beauftragt". Ein Schelm, wer über die doppelte Verneinung stolpert; vermutlich ist das aber nur gespreizter Politiker-Sprech, der "klare Kante" signalisieren soll: "Es bestand zu keiner Zeit keinerlei Gefahr".

Guttenberg lässt grüßen

Wir sind dagegen geneigt, zu glauben, dass selbst in der Union inzwischen verstanden wurde, dass einerseits Followerzahlen nicht automatisch Reichweite in der Zielgruppe bedeuten (und natürlich schon gar nicht Wählerinnen und Wähler) und dass andererseits selbst kleinere Betrügereien im Netz besonders kurze Beine haben - und bei Entdeckung verschärfte Häme zur Folge. Guttenberg lässt grüßen. "Alte Tante" twitterte denn auch postwendend: "So. Gehe shoppen. Soll ich jemandem Follower mitbringen? #CDU".

5000 Interesse-Heuchler für 31 Dollar

Was dazwischen kam, ist schnell erzählt: Die Follower, die Ende April so plötzlich verschärftes Interesse an den Verlautbarungen aus der Berliner Klingelhöferstraße verspürten, zeigten in der großen Mehrzahl eindeutige Merkmale von massenhaft hergestellten Fake-Accounts - wie sie nach Hyperland-Recherchen etwa bei der Firma Social Media Combo für kleines Geld zu mieten sind. 5000 Twitter-Follower gibt es dort für 31 US-Dollar, auch Facebook-Freunde oder Interesse-Heuchler auf Google+ oder Pinterest sind im Angebot.

Ob vielleicht ein Freund christlich-demokratischer Politik in seine Privatschatulle gegriffen hat, um dem Twitter-Account seiner Träume auf die Sprünge zu helfen? Ob es gar ein netzaffiner Sozialdemokrat oder ein besonders niederträchtiger Pirat war, der die Order erteilte - um die Unionschristen samt CNetz bloßzustellen? Man wird es auch bei brutalstmöglicher Aufklärung womöglich nie erfahren.

Übrigens kann man sich gar nicht so einfach dagegen wehren, von Fake-Accounts "verfolgt" zu werden. Man kann sie zwar mühsam einzeln blockieren, dabei läuft man allerdings Gefahr, doch auch mal den einen oder anderen wirklichen Interessenten zu vergrätzen. Und da es auch keinen wirklichen Nachteil bedeutet, nimmt man normalerweise nolens volens die solchermaßen aufgehübschte Followerzahl einfach stillschweigend in Kauf.

Der CDU-Führung war aber offenbar bereits der Verdacht des Follwer-Kaufs überaus peinlich. Jedenfalls hat  man, wie die Geschäftsstelle Hyperland verriet, "Twitter damit beauftragt, die Anmeldungen im betreffenden Zeitraum zu überprüfen und ggf. zu löschen" -  was inzwischen offenbar auch geschehen ist: @cdu_news dümpelt nun wieder mit deutlichem Abstand hinter @spdde (derzeit immerhin rund 27.000 Follower). Zum Vergleich: Regierungssprecher Steffen Seibert hat knapp 67.000, @Piratenpartei 108.000. Man darf auf den Wahlkampf 2013 gespannt sein.

Quelle: n-tv.de

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