Technik

Funk-Breitband im ganzen Land Telekom enthüllt den Preis

Deutschland ist ein geteiltes Land - zumindest, was den Zugang zum Internet betrifft. Vor allem auf dem Land warten große Teile der Bevölkerung seit Jahren auf die Anbindung ans Informationszeitalter. Schlechte Verbindungen gelten als gravierender Standortnachteil. Der Anschluss bislang benachteiligter Regionen könnte die deutsche Wirtschaft stark verändern.

20612080.jpg

Unscheinbar sehen sie aus, die Masten für Mobilfunk der vierten Generation: Diese Anlage allerdings betreibt Telekom-Wettbewerber Vodafone.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Deutsche Telekom hat die Preise für einen Breitband-Zugang ins Internet für Regionen ohne DSL-Versorgung festgelegt. "Wir bieten unseren Kunden, die über die vierte Mobilfunk-Generation LTE ins Netz gelangen, ähnliche Konditionen wie bei einem DSL-Anschluss", sagte der Deutschland-Chef der Telekom, Niek Jan van Damme.

Der Service "Call & Surf via Funk" kostet zusammen mit einem Festnetz-Standardanschluss 39,95 Euro im Monat. Der Tarif soll vom April 2011 an in den Regionen angeboten werden, in denen es bislang noch keinen schnellen Internet-Anschluss via Festnetz (DSL) gibt ("weiße Flecken"). "Die frühe Veröffentlichung der Konditionen ist ein Signal an die Bevölkerung, dass wir es mit dem schnellen Ausbau des LTE-Netzes ernst meinen", sagte van Damme.

Das Ende der "digitalen Spaltung"?

Über die vierte Mobilfunk-Generation LTE sind theoretisch Höchstgeschwindigkeiten von 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) beim Herunterladen von Daten aus dem Netz möglich ("Downlink"). In der Praxis werden sich die Telekom-Kunden mit bis zu 3 MBit/s begnügen müssen, da sich mehrere Teilnehmer die Bandbreite der Funkzelle teilen.

Beim Uplink, also dem Hochladen von Daten in das Netz, soll eine Geschwindigkeit von 500 Kilobit pro Sekunde erreicht werden. Über einen Festnetz-DSL-Anschluss kann die Telekom Downlink-Raten bis zu 16 MBit/s anbieten, über VDSL sogar bis zu 50 Mbit/s.

Zu dem Angebot der Telekom gehört auch der WLAN-Router "Speedport LTE B390", der die Verbindung ins Internet herstellt. Mit dem Gerät, das vom chinesischen Hersteller Huawei produziert wird, können die Anwender dann auch in ihren Räumen ein drahtloses Netz (WLAN) aufbauen. Das Gerät werde zum Vermarktungsstart "zu einem günstigen Preis" erhältlich sein.

Internet im Haus am See

Bei der Versteigerung der LTE-Frequenzen hatten die Deutsche Telekom, Vodafone, E-Plus und O2 Telefónica zusammen 4,38 Mrd. Euro geboten. Die Telekom hatte 1,3 Mrd. für die Lizenzen ausgegeben. Bis Ende 2012 will die Telekom insgesamt 10 Mrd. Euro in den Ausbau ihrer Netze (Mobilfunk und Festnetz) investieren. Der erste LTE-Standort von Vodafone in Deutschland wurde Ende September offiziell in Betrieb genommen. Der Telekom-Konkurrent will das "Internet für alle" eigenen Angaben zufolge insbesondere für den bisher unterversorgten ländlichen Raum realisieren. Bundesweit sollten bis Dezember 2010 mehr als 1.000 Gemeinden und Kommunen mit der neuen Breitbandtechnologie versorgt werden, hieß es.

2uoz3233.jpg4781551694864505229.jpg

Made in China: Der WLAN-Router "Speedport LTE B390" könnte Bürohochburgen wie Frankfurt verändern.

(Foto: dpa)

Der Ausbau der Breitbandnetze wird seit Jahren unter dem Stichwort der "digitalen Spaltung" diskutiert. Netzexperten kritisierten die enormen Nachteile, die sich mittlerweile für Menschen ergeben, wenn sie an der neuen, digitalen Öffentlichkeit nur unzureichend teilnehmen können. Manche Beobachter halten es für möglich, dass die flächendeckende Anbindung an schnelle Datenleitungen Deutschland stark verändern könnten. Die alte Idee vom Telearbeitsplatz rückt plötzlich in Reichweite. Freiberufler können den Kontakt zum Kunden über Videokonferenzen halten.

Langes Frühstück statt Stau

Dienstleister wie Steuerberater, Buchhalter oder Disponenten sind damit nicht länger auf Büros in den Innenstädten angewiesen. Das spart nicht nur Büromiete, sondern auch reichlich Aufwand an Zeit, Geld und Geduld, den hunderttausende Pendler derzeit täglich aufbringen müssen. Setzt sich die Arbeit auf dem Lande durch, könnten nicht nur idyllisch gelegene Gemeinden von steigenden Gewerbesteuereinnahmen profitieren, auch Auswirkungen bis in die Preisentwicklung an den wichtigsten deutschen Bürohochburgen sind denkbar.

Bis zum Jahresende 2010 werde die Telekom in rund 1000 Gebieten ohne DSL-Anbindung ihre Kunden über Mobilfunktechnik breitbandig mit dem Internet verbinden können. Dabei wird der Konzern neben der vierten Mobilfunkgeneration LTE auch 3G-Technik einsetzen (HSPA). Mit beiden Systemen werde die Geschwindigkeit von drei Mbit/s erreicht. "Die Telekom will beim Ausbau des LTE-Netzes eine führende Rolle spielen, sagte van Damme.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

Mehr zum Thema
23.04.09
23.04.09
23.04.09