Wirtschaft

Liveticker zur Schuldenkrise +++ 22:35 Banker: "Wenn es keine Übereinkunft am Montag gibt, dann ..." +++

"Wenn es keine Übereinkunft am Montag gibt, weiß Gott wie dann der Dienstag aussieht. Nicht einmal die EZB ist sich sicher, wie es dann weitergehen würde", sagt ein führender Banker, der an einem Treffen von Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras einberufenen Treffen teilgenommen hat zur Nachrichtenagentur Reuters. Bei dem Treffen, das bereits am Freitag stattgefunden hat, wurde über die eskalierende Schuldenkrise beraten. Zuvor waren die Geldabflüsse von den Banken auf mehr als eine Milliarde Euro am Tag gestiegen

+++ 21:55 Griechische Notenbank warnt vor "schwierigem Dienstag" +++
Der Chef der griechischen Notenbank, Yannis Stournaras, hat Insidern zufolge führende Banker von Kreditinstituten gewarnt, sie sollten sich auf einen schwierigen Dienstag einstellen, wenn am Montag keine Einigung auf dem EU-Sondergipfel erreicht werde. Zuvor waren die Geldabflüsse von den Banken auf mehr als eine Milliarde Euro am Tag gestiegen.

Von Kapitalverkehrskontrollen sei aber bei dem von Stournaras selbst einberufenem Treffen nicht die Rede gewesen, hieß es. Stattdessen sei es auch um logistische Fragen wie die Bargeldversorgung und die Bestückung von Geldautomaten gegangen.

+++ 21:21 Oettinger: Spielräume gegenüber Griechenland weitgehend ausgereizt +++
EU-Kommissar Günther Oettinger sieht in der griechischen Schuldenkrise kaum noch Möglichkeiten für weitere Zugeständnisse der Geldgeber gegenüber Athen. "Unsere Spielräume sind weitgehend ausgereizt", sagte er im ZDF. "Alles in allem haben wir ein sehr solides Paket zugunsten Griechenlands aufgebaut." Die Länder der Eurozone seien zudem sehr flexibel hinsichtlich der in Griechenland notwendigen Einsparungen. "Ich glaube, damit zeigen wir, dass wir wirklich einen Kompromiss wollen und nicht von den Griechen erwarten, dass sie zu Kreuze kriechen", sagte Oettinger.

+++ 20:30 EZB kommt zu Sondersitzung zusammen+++
Die Europäische Zentralbank kommt am Montag in Frankfurt am Main zu einer Sondersitzung zusammen, um sich erneut mit einer möglichen Erweiterung der Kreditrahmen für griechische Banken zu befassen. Wie aus Bankenkreisen verlautete, trifft sich der EZB-Rat auf Bitten der griechischen Nationalbank. Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt.

Griechische Bankkunden hatten in den vergangenen Tagen Milliarden von ihren Konten abgehoben und damit das Bankensystem unter Druck gesetzt. Erst am Freitag hatte die EZB zum zweiten Mal binnen einer Woche den Rahmen für die sogenannten ELA-Notkredite erweitert.

+++ 19:40 "Nein-zum-Sparen"-Proteste in Athen +++
Unser n-tv.de-Kollege Jan Gänger ist zur Stunde auf dem zentralen Syntagma-Platz und schickt uns von dort ein Foto.

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Auf dem Platz hat eine Kundgebung gegen die Austeritätspolitik begonnen. Etwa 3000 Menschen sind bereits versammelt, erwartet werden etwa 5.000. Auf den Plakaten ist zu lesen: "Unsere Leben gehören nicht den Kreditgebern", "Das Land ist nicht zu verkaufen " und "Das Volk kann man nicht erpressen."

In den vergangenen Tagen lösten sich in Athen Anti-Austeritätsproteste mit Pro-Euro-Demos ab.

+++ 19:10 Tsipras und Juncker treffen sich vor Krisengipfel +++
Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras wird nach Angaben eines EU-Diplomaten vor dem Krisengipfel am Montag mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker zusammenkommen. Das Treffen sei für Montagvormittag geplant, hieß es.

+++18:25 Varoufakis: "Sind auf dem Weg zu einer Übereinkunft" +++
Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis gibt sich optimistisch, dass eine Vereinbarung mit den Kreditgebern möglich ist. Auf die Frage, ob er davon überzeugt sei, sagte Varoufakis: "Immer, wir sind auf dem Weg zu einer Übereinkunft." Details zu den neuen Lösungsvorschlägen aus Athen nannte er nicht.

+++ 18:00 Französische Regierungskreise: "Einigung am Montag möglich" +++
Medienberichten zufolge kursiert in französischen Regierungskreisen die Einschätzung, dass eine Einigung auf dem EU-Sondergipfel am Montag möglich sei. Die Griechen hätten in Brüssel zum ersten Mal Vorschläge vorgelegt, "die einer ernsthaften Basis ähneln", zitiert das "Handelsblatt" die Insider. Zuvor hatte Frankreichs Präsident Francois Holland erklärt, das Griechenland einen Vorschlag an die Kommission und soweit er wisse auch an die Institutionen übergebe habe.

Athen hatte zuvor mitgeteilt, Deutschland, Frankreich und die Kommission hätte die neuen Vorschläge erhalten, ohne Angaben über den Inhalt zu machen.

+++ 16:45 Kreise: Geldgeber beraten noch am Sonntag +++
Griechenlands Geldgeber treten nach Angaben von Insidern noch am Sonntag zu Beratungen über eine Lösung der Schuldenkrise zusammen. Allerdings liege der dafür benötigte neue Vorschlag der Athener Regierung noch nicht vor, sagten EU-Diplomaten vor dem Beginn des Treffens.

Ohne die Vorlage können die Gespräche der Institutionen Internationaler Währungsfonds , Europäische Zentralbank und EU-Kommission keine Ergebnisse erzielen. Frankreichs Präsident Francois Holland erklärte in Mailand, Griechenland habe einen Vorschlag an die Kommission übergeben und soweit er wisse auch an die Institutionen. Die griechische Regierung hatte erklärt, Deutschland, Frankreich und die Kommission hätten die neuen Vorschläge erhalten.

+++ 15:50 Griechenland-Tourismus fehlen Investitionen +++
Schätzungsweise rund 1,5 Milliarden Euro an Investitionen in die griechische Tourismus-Industrie werden derzeit auf Eis gelegt. Viele ausländische Unternehmen hätten wegen der stockenden Gespräche zwischen Athen und der Eurozone, IWF und EZB bereits geplante Investitionen in neue Hotels oder touristische Infrastruktur wie Flughäfen aufgeschoben, sagte der Chef des griechischen Tourismusverbandes SETE, Andreas Andreadis, gegenüber dem Anlegermagazin "Börse Online".

Statt der erwarteten Projekte "im Volumen von über 2 Milliarden Euro" dürften sich die Auslandsinvestitionen in den Tourismus-Sektor im laufenden Jahr auf "rund 500 Millionen Euro" beschränken.

+++ 14:29 Athen: Tsipras hat einen neuen Vorschlag +++
Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras präsentiert seine Vorschläge für eine "endgültige Lösung" der Schuldenkrise. Tsipras habe seine Position am Sonntag in Telefonaten mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Staatspräsident François Hollande und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erläutert, hieß es in einer Erklärung der Regierung in Athen. Ob Tsipras auf die Forderungen der Gläubiger zu weiteren Spar- und Reformmaßnahmen einging, blieb zunächst offen.

+++ 14:20 "Phalanx" gegen Europa +++
In dem sozialen Netzwerk Twitter wird unter dem Hash-Tag "Last-ditch" (letzter Versuch) bereits überlegt, wie die Hellenen sich am Besten in ihrer letzten Schlacht gegen Europa verteidigen können - vielleicht mit Helm und Schild? "Problem ist, dass (EZB-Chef) Draghi aus Rom kommt", weiß ein Twitterer. "Und wenn man sich die Bilanz einer Phalanx gegen die Römer anschaut - na ja."

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Die griechischen "Krieger" sind übrigens Teil einer Performance, die am Sonntag vor dem Parlamentsgebäude in Athen stattfand.

+++ 13:35 Juncker und Tsipras telefonieren +++
Vor dem Sondergipfel zur Schuldenkrise in Griechenland halten die hochrangigen Beteiligten nach Angaben von Insidern engen Kontakt. So habe EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Samstag mit dem griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras telefoniert, sagte ein EU-Vertreter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Ein weiteres Gespräch sei für Sonntag geplant.

+++ 12:50 Schelling rechnet nicht mit Banken-Schließungen +++
Österreichs Finanzminister Hans Jörg Schelling rechnet nicht damit, dass die griechischen Banken wegen des massiven Kapitalabflusses der vergangenen Tage zu Wochenbeginn geschlossen sein werden. Er gehe davon aus, dass die Institute in den nächsten Tagen ihre Schalter ohne Probleme öffnen, sagte Schelling im ORF. Es sei wichtig, dass die Europäische Zentralbank (EZB) den griechischen Geldhäusern Notfall-Liquidität bereitstelle, solange diese solvent seien. Denn keine Bank in Europa könne einen solchen Abzug von Einlagen verkraften, den es in Griechenland über die vergangenen Monate gegeben habe.

+++ 11:42 Pimco: Grexit keine direkte Gefahr für Euro +++
Der Vermögensverwalter Pimco sieht in einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone keine "unmittelbare existentielle Gefahr für den Euro selbst". Es werde eine ungemütliche, nicht aber bedrohliche Zeit für die Gemeinschaftswährung, sagte Pimco-Deutschland-Chef Andrew Bosomworth der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Zugleich müsse man sich aber vor Augen halten, dass der Rückzug eines Landes aus der Währungsunion deren Natur fundamental verändere. "Die Europäische Währungsunion wurde als eine unauflösliche Gemeinschaft gegründet. Dies ist ihr Fundament. Wenn nun diese Unauflöslichkeit nicht mehr gegeben ist und ein einzelnes Land ausscheidet, ist dies ein Präzedenzfall, an den sich Investoren in Zukunft erinnern dürften", so der Pimco-Deutschland-Chef.

+++ 10:08 Athen: "Renten und Löhne werden gezahlt" +++
Athen dementierte einen Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", nach der die griechische Regierung akute Liquiditätsprobleme hat: "Die Renten sind gesichert und werden an dem Tag gezahlt, an dem sie ausgezahlt werden müssen", sagte der Chef der größten griechischen Rentenkasse IKA, Yanis Theonas, im griechischen Fernsehen MEGA. "Die deutschen Zeitungen betreiben ihre eigene Politik." Vize-Finanzminister Dimitris Mardas sagte im Staatsfernsehen ERT1: "Ich weiß nicht, woher diese Fakten kommen. Wir werden die Renten und Löhne normal zahlen."

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+++ 09:46 Tsipras trommelt sein Kabinett zusammen +++
Die Uhr tickt und in Athen herrscht rege Betriebsamkeit. Am Mittag tage das Kabinett, Alexis Tsipras habe die Minister einberufen, heißt es aus Regierungskreisen. Er wolle die Kollegen über seine Positionen unterrichten. Am Vortag hatte es mehrere Stunden lang Beratungen zu den von den Gläubigern geforderten Sparmaßnahmen im Regierungssitz gegeben. Insider schlossen nicht aus, dass Tsipras bereits am Sonntagabend nach Brüssel reist.

+++ 08:48 CSU-Mann sieht keine Chance für Einigung+++
Wenn es nach Hans Michelbach geht, lohnt es sich kaum, am Montag noch einmal mit Griechenland über eine Lösung der Krise zu sprechen. Der CDU/CSU-Obmann im Finanzausschuss des Bundestags und Chef der CSU-Mittelstandsunion sieht keine realistische Chance auf einen Verhandlungserfolg mehr. Er warnte vor "faulen politischen Kompromissen". "Nur eine ökonomisch nachhaltige Lösung ist vertretbar", sagte er. Der griechischen Regierung warf er vor, ihr gehe es um eine Zerstörung der Euro-Stabilitätspaktes und eine Vergemeinschaftung der griechischen Schulden. Er forderte die EZB auf, die Nothilfekredite für Griechenland sofort zu stoppen.

+++ 07:43 Sapin: Grexit muss vermieden werden +++
Frankreichs Finanzminister Michel Sapin will alles tun, um das Szenario eines Grexit zu vermeiden. Der Zeitung "Le Journal du Dimanche" sagte er, die Konsequenzen eines solchen Schritts seien nur schwer abschätzbar. Athen müsse zur Lösung der Schuldenkrise "solide" und "ernsthafte" Vorschläge präsentieren. "Wir müssen eine Einigung finden, die es Griechenland ermöglicht, zu Wachstum und Investitionen zurückzukehren", ergänzte Sapin.

+++ 06:14 Bericht: Athen kann Gehälter und Renten nicht zahlen +++
Rentner und Staatsbedienstete in Griechenland müssen womöglich mit gekürzten Bezügen für Juni auskommen. Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Wegen stark gesunkener Steuereinnahmen dürften bis Monatsende 2 bis 3,6 Milliarden Euro fehlen - so gehe es aus internen Berechnungen der internationalen Geldgeber hervor. Damit wäre auch die Zahlung der fälligen IWF-Rate in Höhe von 1,6 Milliarden Euro mehr als zweifelhaft. Selbst wenn sich Athen am Montag mit den Gläubigern einigen sollte, gibt es Probleme: Denn bevor neues Geld fließt, müssten zunächst die angemahnten Reformen verabschiedet und neue Zahlungen von fünf nationalen Parlamenten abgesegnet werden.

+++ 05:05 MS-Chef: Grexit-Risiken "überschaubar" +++
Der Chef der Investmentbank Morgan Stanley, James Gorman, hält die wirtschaftlichen Folgen eines Euro-Austritts Griechenlands für "überschaubar", warnt aber vor unkalkulierbaren politischen Risiken. "Ich würde es nicht geschehen lassen", sagt er der "Welt am Sonntag". Es gebe zu wenig Erfahrungen damit. Eine Systemkrise wie nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers 2008 hält Gorman für "sehr, sehr unwahrscheinlich". Gorman plädiert für eine Restrukturierung der griechischen Schulden. "Ich glaube nicht, dass Griechenland den Euro verlässt. Es wird einen Kompromiss geben, das Risiko ist zu groß."

+++ 04:40 Gipfelchef kontaktiert Athen-Geldgeber +++
EU-Gipfelchef Donald Tusk steht EU-Kreisen zufolge in Kontakt mit Spitzenvertretern der Geldgeber Griechenlands. Ein Diplomat teilt in Brüssel mit, es gebe Kontakte mit dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und IWF-Chefin Christine Lagarde. Auch mit Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem stehe Tusk in Verbindung.

+++ 03:15 US-Finanzminister schaltet sich ein +++
Im Schuldenstreit zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern warnt US-Finanzminister Jacob Lew die Regierung in Athen vor einem Ausscheiden aus dem Euro. Ein solcher Schritt wäre mit einem "entsetzlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung verbunden", sagt Lew im US-Fernsehsender CNN. Vor allem aber werde er die griechische Bevölkerung hart treffen. "Ich rufe alle Seiten zur Flexibilität auf", so Lew.

+++ 01:10 Treffen der Eurogruppe vorverlegt +++
Das für Montag geplante Treffen der Finanzminister der Eurozone zur Griechenland-Krise soll zweieinhalb Stunden früher stattfinden. Die Beratungen werden nun bereits um 12.30 Uhr (MESZ) beginnen anstelle von 15.00 Uhr, wie Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem mitteilt. Für die Änderung nennt er zunächst keine Gründe. Die Ministerpräsidenten und Staatschefs der 19 Eurostaaten sollen im selben Gebäude später am Montag um 19.00 Uhr zusammenkommen.

+++ 00:15 Gabriel: Grexit wäre "fatales Signal" +++
SPD-Chef Sigmar Gabriel warnt vor dramatischen Folgen für Europa, wenn das Schuldendrama in Griechenland nicht gelöst werde. "Ein Ausscheiden Griechenlands aus dem Euro wäre ein fatales Signal", sagt der Vizekanzler nach Teilnehmerangaben bei einem nicht-öffentlichen SPD-Konvent in Berlin. Der Nationalismus sei ohnehin bereits überall in Europa auf dem Vormarsch. Ein Scheitern der Verhandlungen im Schuldendrama würde diese Tendenzen verstärken.

Was bisher geschah, lesen sie hier.

Quelle: n-tv.de, sla/jog/bad/dpa/rts/AFP

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