Wirtschaft

Startup will jetzt doch an Börse Airbnb traut sich aus der Deckung

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Airbnb ist eines von mehreren Unternehmen, die nun an die Börse streben, da sich der IPO-Markt wieder belebt.

(Foto: picture alliance / Jens Kalaene/)

Die Pandemie hat Airbnb wie die gesamten Reise- und Tourismusbranche hart getroffen. Über Nacht sind die Buchungen zunächst versiegt. Inzwischen erholt sich das Geschäft des Wohnraumvermittlers langsam wieder - und auch die Pläne für einen Börsengang werden konkreter.

Der Wohnraumvermittler Airbnb treibt seine Pläne für einen Börsengang voran. Bei der US-Börsenaufsicht SEC habe das Unternehmen vertraulich Unterlagen für einen Börsengang eingereicht, teilte Airbnb mit. Das ist eine überraschende Wende für ein Unternehmen, dessen Geschäft stark unter der Coronavirus-Pandemie gelitten hat.

Die Anzahl der Aktien und die Preisspanne für die geplante Emission seien noch nicht festgelegt worden, teilte das Unternehmen mit Sitz in San Francisco mit. Airbnb tendiere dazu, seine Aktien an der Technologiebörse Nasdaq zu notierten, sagten Personen, die mit der Angelegenheit vertraut sind. Dies stehe aber noch nicht fest, und das Unternehmen könne sich stattdessen immer noch für die New Yorker Börse entscheiden.

Airbnb hatte Ende vergangenen Jahres bekannt gegeben, an die Börse zu wollen - doch die Pläne wurden durchkreuzt, als die Corona-Pandemie den globalen Reiseverkehr zum Erliegen brachte. Das Unternehmen hatte ursprünglich geplant, sein weithin erwartetes Debüt in diesem Jahr über eine direkte Börsennotierung zu geben, womit kein zusätzlicher Erlös erzielt worden wäre, plant nun aber, sich durch einen traditionellen Börsengang Geld zu beschaffen.

Airbnb ist eines von mehreren Unternehmen, die nun an die Börse streben, da sich der IPO-Markt wieder belebt, der durch die Coronavirus-Pandemie praktisch zum Erliegen gekommen war. Die Emission wird dennoch zum Testfall für die öffentlichen Märkte, insbesondere vor dem Hintergrund einer erhöhten Vorsicht gegenüber verlustreichen Startups. Unternehmenschef Brian Chesky steht unter dem Druck der Mitarbeiter, dieses Jahr an die Börse zu gehen, da viele ihrer wertvollen Aktienoptionen demnächst verfallen.

Geschäft hat sich überraschen schnell erholt

Airbnb wurde 2008 gegründet, nachdem die Mitgründer damit begonnen hatten, Gästen eine Luftmatratze in ihrer Wohnung in der Innenstadt von San Francisco zu vermieten, und entwickelte sich zu einem der am höchsten bewerteten Startups der vergangenen zehn Jahre. In einer privaten Finanzierungsrunde wurde Airbnb 2017 mit mehr als 30 Milliarden Dollar bewertet und es erzielte im vergangenen Jahr Einnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Dollar, wie aus den vom Wall Street Journal geprüften Jahresabschlüssen hervorgeht. Aber auch die Verwaltungskosten sind in den vergangenen Jahren rasant gestiegen, da das Unternehmen viel Geld für eine trendige Firmenzentrale ausgab und sich bemühte, gegen Kriminalität vorzugehen und für Sicherheit zu sorgen. Dies führte dazu, dass das Unternehmen in den ersten neun Monaten des Jahres 2019 einen Nettoverlust verzeichnete, während es im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch einen Gewinn erzielt hatte.

Dann kam die Pandemie in diesem Jahr. Die Buchungen versiegten über Nacht, und das Unternehmen geriet in das Fadenkreuz verärgerter Gastgeber, die ebenfalls mit ansehen mussten, wie ihre Einnahmen sich in Luft auflösten, während das Unternehmen den Gästen die Kosten erstattete.

Seit dem Frühjahr hat sich Airbnb jedoch überraschend schnell erholt, auch wenn die Menschen nicht mehr so weit wegreisen, suchen sie weiterhin ihre Mietwohnungen und Zimmer auf der Airbnb-Plattform. Während die Buchungen im Jahresvergleich weltweit immer noch rückläufig sind, stiegen sie in den USA im Juni und Juli um 22 Prozent bzw. 6,7 Prozent im Jahresvergleich, berichtet AirDNA, eine Analysefirma, die den Markt für Kurzzeitvermietung beobachtet.

Quelle: ntv.de, jki/DJ