Wirtschaft

Dongfeng gewinnt bei Übernahme Auch China greift nach Opel

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Bei einer Fusion zwischen Opel und PSA bekäme China erstmals Zugriff auf deutsche Autotechnik.

(Foto: picture alliance / Martin Goldha)

Bei der geplanten Fusion von Opel und PSA ist Chinas Autobauer Dongfeng der heimliche Gewinner: Pekings Staatskonzern werkelt schon lange daran, Europas Autoindustrie zu erobern. Für Opel muss das nicht mal schlecht sein.

Im Ringen um die Zukunft von Opel beschäftigen momentan vor allem mögliche Jobverluste die Politik. Der französische Autobauer PSA will sich die Marke mit dem Blitz einverleiben. Wie es nach der Fusion mit den Werken in Eisenach, Kaiserslautern und Rüsselsheim weitergeht ist unklar. PSA-Chef Carlos Tavares hat Kanzlerin Angela Merkel inzwischen versichert, dass die Jobs an den deutschen Standorten bis Ende 2018 erhalten bleiben sollen.

Ein weiterer Aspekt wird weniger beachtet: Die strategische Bedeutung des Deals nicht nur für PSA, sondern die europäische Autobranche insgesamt. Sollte die Fusion gelingen, würden nicht nur französische Manager künftig über das Schicksal der deutschen Opel-Mitarbeiter entscheiden. China würde erstmals Zugriff auf deutsche Automobiltechnik erhalten.

China erobert den europäischen Markt

Denn hinter dem französischen Autobauer PSA steckt auch ein chinesischer Investor: der staatliche Autokonzern Dongfeng. Er hält rund 14 Prozent der PSA-Anteile - genauso viele wie jeweils der französische Staat und die Familie Peugeot, deren Firma später in dem Konzern aufging. Dongfeng ist seit 2014 PSA-Aktionär. Damals war GM gerade bei den Franzosen ausgestiegen, es drohte die Pleite. Der französische Staat rettete PSA und beteiligte sich. Da kamen die Chinesen als weitere Geldgeber wie gerufen.

Mit dem Einstieg beim zweitgrößten europäischen Autobauer PSA bekam Dongfeng erstmals auf dem europäischen Markt einen Fuß in die Tür. Die Übernahme von Opel wäre für Dongfeng nun ein weiterer Schritt zur Eroberung der europäischen Autobranche. Ein chinesischer Hersteller bekäme damit quasi durch die Hintertür erstmals Zugang zur deutschen Industrie. Anders als den Scheichs aus Katar und Kuwait, die bei Volkswagen und Daimler investiert haben, geht es den Chinesen nicht bloß ums Geldverdienen. Sie wollen sich günstig in einen Markt mit Spitzentechnologie einkaufen.

"Ostwind" wirbelt die Branche durcheinander

Peking hat die weltweite Expansion seiner nationalen Champions inzwischen offiziell zum Ziel erklärt. Bislang ist China vor allem die Werkbank der Welt: Westliche Großkonzerne wie VW bauen dort ihre Fabriken und verkaufen ihre Produkte. Chinas Hersteller sind zwar lokale Größen, spielen aber auf dem Weltmarkt kaum eine Rolle. Zur wirtschaftlichen Großmacht wird das Land erst werden, wenn es internationale Großkonzerne aufbaut. Entweder, indem seine Staatsfirmen Produkte entwickeln, die auch westliche Verbraucher kaufen wollen. Oder indem sie gezielt bei schwächelnden westlichen Industriekonzernen wie PSA einsteigen.

Die Strategie klingt bei Dongfeng auch im Namen an: "Ostwind" heißt der Autobauer aus Wuhan auf Chinesisch, der sich anschickt, Europas Autoindustrie durcheinanderzuwirbeln. Noch verkauft Dongfeng auch über PSA keine chinesischen Autos in Europa. Aber künftig ist das nicht ausgeschlossen. Eine Traditionsmarke wie Opel wäre ideal geeignet, in China hergestellte Billigautos unter einem vertrauten Label an europäische Kunden zu verkaufen.

Opel könnte endlich in China verkaufen

Die Fähigkeiten hätte Dongfeng dazu jedenfalls: Die chinesische Firma arbeitet schon lange mit vielen ausländischen Herstellern zusammen. Dongfeng ist der internationalste chinesische Autobauer. Schon seit mehr als zehn Jahren unterhält er Joint Ventures mit Nissan, Honda, Kia, Volvo und PSA. 2013 kam auch Renault dazu. Bei all diesen Kooperationen geht es auch darum, Knowhow und Marktzugang zu gewinnen: "Die gesunde Entwicklung von Joint-Venture-Geschäften und strategischen Allianzen bietet Dongfeng reichliche Möglichkeiten für die Entwicklung von Eigenmarken", schreibt Dongfeng in seinem aktuellen Geschäftsbericht.

Die Partnerschaft ist aber keine Einbahnstraße. Dongfeng will langfristig eigene Autos in Europa verkaufen. Aber auch PSA verdient in China über das Joint Venture kräftig. Genau das könnte nach der Fusion mit PSA auch Opel: Die Autos aus Rüsselsheim bekämen mit dem Deal womöglich endlich Zugang zum chinesischen Riesenmarkt. Den versperrt bisher GM: Die Bosse in Detroit wollen den Absatz ihrer eigenen Cadillacs, Chevrolets und Buicks in China nicht untergraben.

Dongfeng will in Europa Autos verkaufen, PSA und Opel in China - eigentlich hört sich das nach einem Win-Win-Geschäft für beide Seiten an. Doch das Problem ist, dass der Standortwettbewerb zwischen China und Europa nicht fair läuft. Anders als Opel, PSA oder Volkswagen gehören chinesische Konzerne wie Dongfeng dem Staat. Peking managt den Autobauer nicht nur, sondern schützt ihn auch vor Konkurrenz. Von solch mächtigen Schutzherren können die Opelaner in Eisenach und Rüsselsheim nur träumen.

Quelle: ntv.de

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