Wirtschaft

700 Leiharbeiter müssen gehen Bombardier kündigt Sozialplan an

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Bahntechnik aus Deutschland: Am Standort von Bombardier Transportation in Bautzen entstehen unter anderem Doppelstockwagen für die Deutsche Bahn.

(Foto: picture alliance / Patrick Pleul)

Von der Straßenbahn bis zum ICE: Bombardier arbeitet an Zügen aller Größenordnungen, verdient in Deutschland aber kein Geld. Es kommt zu schmerzhaften Einschnitten. Ein Sozialplan soll den Stellenabbau abmildern.

Der Zugbauer Bombardier will in gut zwei Monaten einen Sozialplan für die 2200 Beschäftigten aushandeln, die im Zuge der Umstrukturierung ihren Arbeitsplatz verlieren. "Wir wollen bis September fertig sein", sagte Michael Fohrer, Deutschland-Chef von Bombardier Transportation, dem Berliner "Tagesspiegel".

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Das Unternehmen will bis 2020 etwa jede vierte der 8500 Stellen in Deutschland abbauen. "Wir müssen uns neu aufstellen", hatte Fohrer nach einer Aufsichtsratssitzung vor wenigen Tagen erklärt. Das Kontrollgremium billigte einvernehmlich Eckpunkte für einen Konzernumbau.

Die sieben deutschen Standorte sollen demnach erhalten bleiben, sich aber künftig stärker spezialisieren. Vom Stellenabbau sind zunächst vor allem etwa 700 Leiharbeiter betroffen. Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2019 ausgeschlossen.

"Mit dieser Aufstellung werden wir Innovationen fördern und uns fit für die Zukunft machen", sagte Fohrer. Die beteiligten Arbeitnehmervertreter sprachen von schmerzlichen Schritten. Aufsichtsratschef Wolfgang Tölsner betonte, je nach Auftragslage könnten die Zahlen auch kleiner ausfallen.

Klar ist jedoch, dass der größte Standort Hennigsdorf in Brandenburg sowie Görlitz in Sachsen am stärksten betroffen sein werden. Hennigsdorf müsse 2019 die Großserienproduktion von Zügen und damit auch 400 bis 500 Arbeitsplätze abgeben, heißt es. Görlitz soll sich auf Wagenkästen spezialisieren und könnte bis zu 800 Arbeitsplätze verlieren.

Dagegen könnte in Bautzen die Beschäftigtenzahl sogar steigen, sagte Fohrer. Der Standort in der Kreisstadt im Osten Sachsen ist auf Stadt- und Straßenbahnen spezialisiert und verfügt über eine eigene Teststrecke. Bombardier Transportation ist vor Ort einer der wichtigsten Arbeitgeber. Das Unternehmen beschäftigt dort etwa 1200 Mitarbeiter.

"Wir müssen handeln"

Bombardier Transportation mit seiner weltweiten Zentrale in Berlin ist die Zugsparte des kanadischen Bombardier-Konzerns, der auch Flugzeuge baut. Wegen Problemen im Flugzeuggeschäft steckt der Konzern in den roten Zahlen. Der Versuch, mit einem eigenen Jet-Modell, der sogenannten C-Serie, im Markt für Passagiermaschinen zu punkten, schlug bislang fehl. Bombardier Transportation schreibt insgesamt zwar schwarze Zahlen, macht in Deutschland aber Verlust.

"Wir haben eine Milliarde Verlust bei zehn Milliarden Umsatz in den vergangenen fünf Jahren gemacht", erklärte Bombardier-Deutschland-Chef Fohrer mit Blick auf die Konzernzahlen. "Wir müssen handeln." Bombardier hatte erst im vergangenen Jahr 1430 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen, darunter die Stellen Hunderter Leiharbeiter.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa