Wirtschaft

Gefahr für Boeing und Airbus Bombardier will in Phalanx einbrechen

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"Die C-Serie ist eine unglaubliche Macht."

(Foto: REUTERS)

Ist bald die Zeit, in der sich Airbus und Boeing den Verkehrsflugzeug-Markt aufteilen, vorbei? Bei beiden Konzernen schaut man argwöhnisch nach Kanada. Bombardier hat nämlich vor, auf dem globalen Markt mitzuspielen.

Seit nahezu zwei Jahrzehnten teilen sich die beiden Konzerne Boeing und Airbus den Markt für Verkehrsflugzeuge praktisch untereinander auf. Jetzt öffnet ein Auftrag der US-Fluggesellschaft Delta an die kanadische Bombardier die Tür ein klein wenig für einen potenziellen dritten Spieler auf diesem wichtigen globalen Markt. Die Fluggesellschaften hoffen schon seit langem auf eine Alternative zu den beiden dominierenden Konzernen, damit es bei Rumpfflugzeugen, die von Boeings 737 und Airbus' A320 dominiert werden, mehr Wettbewerb gibt.

Die C-Serie von Bombardier verspricht immense Kerosineinsparungen und kam schon bei kleineren Airlines wie der Lufthansa-Tochter Swiss International Air Lines zum Zug. Die Eidgenossen werden mit den neuen Maschinen ab Juli fliegen.

Delta-Auftrag kommt für Bombardier wie gerufen

Nach vielen Jahren der Kostenüberschreitungen und Verzögerungen kommt die Order des zweitgrößten Carriers in den USA für Bombardier wie gerufen. Dieser Auftrag könnte sich als Startbahn für weitere lukrative Geschäfte erweisen. "Wir sehen einige bedeutende Aufträge", für die C-Serie, erläutert CEO Willie Walsh von der British-Airways-Konzernmutter IAG. "Ich glaube, das wird einen erheblichen Unterschied machen und andere Fluggesellschaften dazu ermuntern, auf diese Maschinen zu schauen."

Der Delta-Auftrag ist ein großer Sieg für die in Montreal beheimatete Bombardier, die bereits 3,2 Milliarden US-Dollar auf ihr C-Serie-Programm abgeschrieben hat. Im Oktober musste die Provinzregierung von Quebec mit 1 Milliarde Dollar einspringen und hält inzwischen 49 Prozent an dem Programm.

Mittlerweile veritabler Airbus- und Boeing-Konkurrent

Für Boeing und Airbus macht der Delta-Deal die Kanadier zu einem veritablen Konkurrenten auf dem Markt für Rumpfflugzeuge. Delta erwarb die kleineren CS100-Jets, die direkt mit Airbus und Boeing im Wettbewerb stehen. Die US-Fluggesellschaft erklärte bereits, durchaus auch zu den größeren CS300-Maschinen überwechseln zu wollen. Mittlerweile sicherte sich Bombardier insgesamt 325 feste Order für die 100-sitzige CS100 und die 130-sitzige CS300. Das Unternehmen könnte auch noch eine feste Zusage für 45 Jets von Air Canada ergattern. "Die C-Serie ist eine unglaubliche Macht, die hierbleiben wird", meint Analyst Ron Epstein von Bank of America.

Doch Bombardier muss noch einen steinigen Weg zurücklegen. Boeing und Airbus, nach Flugzeugübergaben jeweils Nummer eins und zwei in der Welt, lassen seit langem weitaus mehr 737 und A320 aus den Montagehallen fahren als Bombardier. Aus diesem Grund können sie von ihren Zulieferern weitaus mehr Zugeständnisse erhalten, was in kräftige Rabatte an die Airlines mündet, mit denen Bombardier langfristig womöglich nicht mithält. So wollen Airbus und Boeing jeweils 690 Rumpfflugzeuge bis Ende der Dekade pro Jahr fertigen, wogegen Bombardier mit seinen 80 Maschinen kaum ankommt. Airbus sicherte sich vergangene Woche von Delta darüber hinaus mit 37 Bestellungen einen eigenen Deal.

Große Rückstellung nötig

Bombardier muss bei dem Delta-Deal allerdings eine 500 Millionen Dollar schwere Verlustrückstellung in seiner Bilanz verbuchen. Die Rückstellung berücksichtige den Verkaufspreis und die Produktionskosten, räumte Bombardier ein. Solche Maßnahmen seien bei den ersten Aufträgen für ein neues Jet ganz normal. Boeings Vertriebschef John Wojick zweifelt dagegen in dieser Hinsicht den betriebswirtschaftlichen Sinn des Delta-Auftrags an.

Nachdem Boeing im Jahr 1997 mit McDonnell Douglas fusionierte, konkurrierte der Luftfahrtkonzern fast schon exklusiv mit Airbus bei Rumpfflugzeugen. Boeing verkaufte seitdem Tausende seiner 737. Airbus stellt dem die ähnlich beliebte A320 entgegen. Beide Modelle bedienen vorwiegend Kurz- und Mittelstrecken. Sie sind in gewisser Hinsicht das Rückgrat der zivilen Luftfahrt und für die beiden Konzerne wichtige Cash Cows.

Boeing und Airbus verdeutlichen seit längerem, dass sie es Neueinsteigern auf dem lukrativen Markt schwer machen werden. So kündigte Airbus im Jahr 2008 eine "aggressive Antwort" auf das C-Serie-Programm von Bombardier an. Im Jahr 2010 ging Airbus dann mit Plänen für die A320neo an die Öffentlichkeit - mit einem neuen, spritsparenderen Triebwerk. Jetzt entwickelt Airbus die A319neo weiter, die kleinste aus der A320neo-Sparte, die direkt mit Bombardiers CS300 konkurrieren wird. Boeing setzte im Jahr 2011 mit der 737 Max ein eigenes Ausrufezeichen für ein spritsparendes Modell.

Quelle: n-tv.de, Robert Wall und Jon Ostrower, DJ

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