Wirtschaft

Staatsfonds ausgebremst Brexit ärgert Norweger

RTR4YBWJ.jpg

Norwegen steckt einen Teil seiner Öl-Einnahmen in den Staatsfonds.

(Foto: REUTERS)

Der größte Staatsfonds der Welt erwirtschaftet wieder Gewinne. Doch die Investition in britische Immobilien zahlt sich für die Norweger derzeit nicht aus. Das liegt am Brexit.

Das Brexit-Votum hat die Bilanz von Norwegens Staatsfonds NBIM getrübt. "Nachdem sich die Märkte zu Beginn des Quartals zunächst relativ stabil entwickelt hatten, hat die britische Entscheidung, die EU zu verlassen, eine scharfe Negativentwicklung in Europa nach sich gezogen", sagte der Vizechef des weltgrößten Staatsfonds, Tron Grande. Und so korrigierte das Management den Wert des Immobilien-Besitzes in Großbritannien kräftig um fünf Prozent nach unten. Nach dem Votum hatten britische Immobilien an Wert verloren, das Pfund verlor zu Euro und Dollar rund zehn Prozent.

Das Ergebnis: Der Fonds erwirtschaftete im zweiten Quartal im Immobilienbereich einen Verlust von 1,6 Prozent. Er hat rund drei Prozent seiner Anlagen weltweit in Immobilien investiert. Mehr als ein Fünftel davon liegen in Großbritannien, der Löwenanteil davon in London.

Unter dem Strich warf der umgerechnet knapp 790 Milliarden Euro schwere Staatsfonds aber eine Rendite von 1,3 Prozent oder rund 10 Milliarden Euro ab. Im ersten Quartal hatte er noch ein Minus von 0,6 Prozent verzeichnet.

Grund für das Plus waren vor allem die Anleihen, in die der NBIM mit rund 37 Prozent seiner Anlagen investiert ist. Rund 60 Prozent stecken in Aktien.

Während die Aktien eine Rendite von lediglich 0,7 Prozent einfuhren, warfen die festverzinslichen Wertpapiere 2,5 Prozent ab. "Die Märkte haben sich zwar relativ schnell wieder [vom Brexit-Votum] erholt, allerdings je nach Sektor ganz unterschiedlich stark. So kam der Finanzsektor zum Beispiel eher verhältnismäßig schwach auf die Beine", sagte Vizechef Grande.

Kräftiges Wachstum

Dem Management zufolge verzeichnete der Ölfonds, der formal als globaler Rentenfonds der Regierung firmiert, einen Wertzuwachs für die von Japan, der USA und Frankreich begebenen Staatsanleihen und einen Wertverlust für die von Deutschland, Mexiko und Polen begebenen Papiere.

Der norwegische Staatsfonds hat seit 2011 keine negative Jahresrendite mehr verzeichnet. 2012 und 2013 lagen die Renditen sogar im zweistelligen Bereich, danach schwächten sich die Gewinne etwas ab auf 7,6 Prozent im Jahr 2014 und 2,7 Prozent im Jahr 2015.

Angelegt wurde der Ölfonds in den 90er Jahren, um Norwegens immensen Reichtum an Öl in globale finanzielle Anlagen zu überführen. Damit zielte das Land unter anderem auch darauf ab, seinen Staatshaushalt stärker gegen Ölpreisschwankungen zu immunisieren. In den vergangenen zehn Jahren ist der Fonds um das Siebenfache gewachsen.

Quelle: n-tv.de, jga/rts/DJ