Wirtschaft

Von Alkohol bis Ziegel fürs Dach China im "Ivanka"-Markenfieber

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Ivanka Trump

(Foto: imago/Xinhua)

Die US-amerikanische Präsidententochter verdreht den Chinesen den Kopf. Reihenweise wollen Unternehmen ihre Produkte nach ihr benennen. Diese Art der Sympathiebekundung dürfte Ivanka Trump nicht gefallen.

Dass die Beziehungen zwischen den USA und China seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump angespannt sind, hält die chinesische Wirtschaft nicht davon ab, aus der Popularität der "first family" der USA Profit schlagen zu wollen. Vor allem der Name der Präsidententochter Ivanka gilt als Kassenschlager. Dutzende Anträge bei der Pekinger Industriebehörde SAIC belegen das. Ob Schnaps, Damenbinden oder Dachziegel - Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen wollen sich und ihre Produkte gerne mit dem glamourösen Namen schmücken.

Wie die "South China Morning Post" schreibt, gibt es derzeit über 60 Anträge von Firmen, die den englischen Namen und 40 weitere, die das chinesische Schriftzeichen für Ivanka für ihre Produkte benutzen wollen. Die meisten Unternehmen stammen aus den Bereichen Kosmetik, Bekleidung und Unterwäsche.

Eine Pekinger Firma, die Produkte zur Gewichtsreduzierung vertreibt, soll allein zehn Anträge auf Nutzung des Namens Ivanka gestellt haben. Einen weiteren stellte die Firma Fujian Yingjie Commodity. Sie beantragte nur eine Woche nach Trump Sieg, ihre Slip-Einlagen so benennen zu dürfen.  Die meisten Anträge würden noch bearbeitet, heißt es. Ob und wann die Handelsbehörde grünes Licht geben wird, ist offen.

Dass glamouröse westliche Namen hoch im Kurs stehen, ist in China nichts Neues. Im Fachjargon nennt sich das "brand squatting". Es ist nicht nur beliebt, sondern bisher auch völlig legal - nicht immer zum Gefallen der eigentlichen Namensträger. Eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten war bereits die Folge. Der chinesische Name des US-Basketball-Stars Michael Jordan zum Beispiel musste zu dessen großem Leidwesen jahrelang für einen chinesischen Schuhmacher herhalten. Erst im Dezember entschied ein Gericht, dass dieser Schuhmacher kein Recht an dem Namen hat. Vier Jahre dauerte der Rechtsstreit.

Auch Donald Trump hat bereits Bekanntschaft mit dem Markennamen-Wildwuchs gemacht. Sein Name muss unter anderem für Kondome und ein Hotel herhalten. Erst jüngst setzte sich der US-Präsident gegen einen chinesischen Unternehmer durch, der Toiletten mit dem Namen vertrieb. Als Präsident des mächtigsten Staates der Welt dürfte es inzwischen leichter fallen, seinen Willen durchzusetzen. Ein älterer Rechtsstreit streckte sich noch über zehn Jahre hin.

Im Jahr 2006 musste Trump eine Niederlage einstecken, als er seinen eigenen Namen für Bauprojekte in China verwenden wollte. Den Namen Trump durfte nicht er, sondern ein Mann namens Dong Wie verwenden. Dong hatte nur zwei Wochen vor Trump einen ähnlichen Antrag eingereicht. Der US-amerikanische Immobilien-Tycoon ging mehrmals in Berufung. Erst im vergangenen September entschieden die Aufseher, dass Dongs Marke ungültig sei. Auch wenn Trump nicht gerade bekannt ist für seinen guten Umgang mit China, sein Name scheint dem Geldverdienen trotzdem keinen Abbruch zu tun.

"Americas first granddaughter Arabelle"

Das alles ist jedoch kein Vergleich mit der Ivanka-Markenmaschinerie. Anders als ihr Vater ist Ivanka in China beliebt. Die Welle der Sympathie begann mit ihrem Besuch in der chinesischen Botschaft in Washington aus Anlass des chinesischen Neujahrsfestes. An ihrer Seite war ihre fünfjährige Tochter Arabella, die im Kindergarten Chinesisch lernt. Ivanka zeigte ein Video, auf dem das Kund das chinesische Kinderlied "Frohes neues Jahr" sang. Die Chinesen reagierten verzückt - zumal sich Vater Donald Trump im Unterschied zu seinen Amtsvorgängern keinen Neujahrsgruß abgerungen hatte. Während Trump dem größtem Gegenspieler der USA die rote Karte zeigt und dabei ist, einen Handelskrieg vom Zaun zu brechen, wird Ivanka als Insiderin aus dem Weißen Haus gefeiert, die sich um Völkerverständigung bemüht.

Die Ivanka-Welle rollt. Etliche Firmen haben bereits ihre Rechte legal registrieren lassen. Darüber hinaus gibt es aber auch jede Menge Trittbrettfahrer, die den Namen Ivanka in abgeänderter Form verwenden. Bei der Internetsuche auf der chinesischen Einkaufsplattform Taobao, die zum Alibaba-Imperium gehört, spuckt die Suche nach "Ivanka" gleich eine ganze Reihe von Firmen aus, die Anlehnungen an Ivanka in ihrem Firmennamen genommen haben.

Kunden können so Hosen und Blusen sogar aus der Modelinie von Ivanka Trump als Fälschung erwerben - für ungerechnet fünf Euro. Der Präsidententochter wird das nicht gefallen. So sehr sie sich in der Sympathie sonnen mag, sie wird die Rechte ihres eigenen Unternehmens, Ivanka Trump Marks LCC, verteidigen.  Schon vor Jahren hat sie ihren Namen für Schuhe und Kleidung aus ihrer Kollektion registrieren lassen. Anträge für weitere Produkte laufen. 

Laut einer gerichtlichen Auslegung durch Chinas Oberstes Gericht im vergangenen Monat ist es Unternehmen inzwischen untersagt, die Namen öffentlicher Personen zu verwenden. Dem derzeitigen Wildwuchs wird das so schnell wohl aber keinen Abbruch tun. Vielleicht könnte Arabella den chinesischen Unternehmern zwitschern, dass dies keine gute Idee ist.

Quelle: ntv.de, ddi

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