Wirtschaft

"Das ist ein großer Knall" China senkt die Zinsen

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Das Epizentrum des Börsenbebens: Die Zentrale der chinesischen Zentralbank in Peking.

(Foto: imago/Kyodo News)

Die Aussicht auf eine "harte Landung" der chinesischen Wirtschaft alarmiert Peking: Mit einem Zinsschritt nach unten stemmen sich die Wirtschaftslenker gegen eine unkontrollierbare Abschwächung des Wachstums.

Die chinesische Notenbank ergreift energische Maßnahmen, um eine unkontrollierbare Abkühlung der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft zu verhindern. Im Rahmen einer offenbar kurzfristig angesetzten Maßnahme haben die Währungshüter in Peking die Zinsen gesenkt.

Der Leitzins werde um 0,25 Prozentpunkte auf 4,6 Prozent herabgesetzt, teilte die chinesische Zentralbank mit. Die Währungshüter begründeten ihr Vorgehen mit den jüngsten "Schwankungen" am Finanzmarkt, die eine "höhere Flexibilität" der Geldpolitik erforderten. Zudem halte der Abwärtsdruck auf die chinesische Wirtschaft an.

Anhaltender Abwärtsdruck

Westliche Beobachter werteten den Schritt als Ausdruck einer Art Panik. "Das ist ein großer Knall", sagte zum Beispiel Volkswirt Andrew Polk vom US-Forschungsinstitut Conference Board. China kämpfe damit gegen fallende Aktienkurse und gegen eine ungeplant starke Abschwächung der Konjunktur.

Die Zinsentscheidung erreichte die Märkte nach Handelsschluss an den chinesischen Handelsplätzen. Wie die Anleger in China auf das Signal aus Peking reagieren, ist damit noch offen.

An den großen Börsenplätzen rund um die Welt löste die Maßnahme umgehend starke Kursreaktionen aus: Der deutsche Leitindex Dax zum Beispiel kletterte unmittelbar nach der Ankündigung über die Marke von 10.000 Punkten. Am frühen Nachmittag (Ortszeit Frankfurt am Main) notierte der Dax gut vier Prozent im Plus bei 10.041 Punkten.

Die übrigen Börsen in Europa bauten ihre anfänglichen Kursgewinne ebenfalls aus. Der Eurostoxx50 stieg um bis zu 4,7 Prozent auf 3216 Zähler. Viele europäische Börsenbarometer konnten damit einen Teil ihrer herben Vortagesverluste teilweise wieder ausgleichen. Da mit einer Beruhigung der Märkte auch die Chancen auf eine Zinswende in den USA wieder zunehmen, büßte der Euro zum Dollar an Wert ein. Die Gemeinschaftswährung fiel unter 1,15 Dollar.

Weltbörsen ziehen an

Die Notenbank reagiere mit der Zinsentscheidung auch auf die Stimmungslage am Markt, erklärten Analysten. Nach den weltweiten Kurseinbrüchen vom Wochenbeginn war es im Handel am Dienstag an den Börsen in Fernost weiter nach unten gegangen. Dem Einbruch von acht Prozent am Montag war am Dienstag ein Minus von sieben Prozent gefolgt.

Die chinesische Zentralbank People's Bank of China (PBoC) hatte die weltweiten Finanzmärkte bereits vor rund zwei Wochen mit einer Abwertung der Landeswährung in Aufruhr versetzt. Die Volksrepublik erhofft sich dadurch Vorteile im Welthandel. Denn durch die Abwertung werden chinesische Waren im Ausland billiger. Das Wachstum in China lag zuletzt bei nur noch 7 Prozent - das ist so wenig wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

Um zu verhindern, dass sich das Wachstum weiter abbremst, hatte Chinas Zentralbank im laufenden Jahr bereits mehrfach den Geldhahn aufgedreht. Der Zinssatz für Einlagen der Geschäftsbanken wurde am Dienstag ebenfalls um 0,25 Prozentpunkte auf 1,75 Prozent gesenkt.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

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