Wirtschaft

Auswirkung der Viruskrise Chinesen bangen um Jobs und Löhne

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Die Virus-Epidemie schürt Angst vor Massenentlassungen in China.

(Foto: REUTERS)

In China droht besonders kleinen Firmen wegen der Coronaviruskrise das Geld auszugehen. Um sich über Wasser zu halten, müssen sie Gehälter kürzen oder Mitarbeiter entlassen. Dabei ist jeder Anstieg der Arbeitslosigkeit eine Herausforderung für die politische Führung.

Einkaufszentren und Restaurants bleiben leer, Vergnügungsparks und Theater sind geschlossen. Um die Ausbreitung des Coronavirus in China einzudämmen, ermutigen Behörden und Arbeitgeber die Menschen, zu Hause zu bleiben.

Was als Maßnahme gegen die Ausbreitung der Epidemie sinnvoll ist, beeinträchtigt in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt viele Geschäfte. Privatunternehmen müssen Löhne kürzen, Gehälter zurückhalten oder Zahlungen an Mitarbeiter ganz einstellen. Viele Beschäftigte werden außerdem gezwungen, unbezahlten Urlaub zu nehmen. Rein rechtlich müssten Unternehmen im Februar noch volle Gehälter bezahlen, bevor sie die Löhne auf ein Minimum senken könnten, sagte Edgar Choi, Buchautor und Administrator einer Rechtsberatungsgruppe, auf dem Sozialen Netzwerk WeChat dem Finanzportal Bloomberg.

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Für Unternehmen, die nicht genug einnehmen, um Mitarbeiter zu bezahlen, sei es allerdings zulässig, Gehälter aufzuschieben. Choi sagte, er habe von Tausenden ausländischen Arbeitnehmern gehört, die berichteten, dass ihre Löhne im Februar halbiert oder ganz eingestellt worden seien. Dabei sei das illegal. "Viele dieser Angestellten sind Ausländer, die kein Chinesisch können. Was immer ihre Chefs ihnen sagen, sie müssen es hinnehmen."

Neben kleinen Firmen, die ohnehin kaum rentabel sind, tragen Unternehmen im ausufernden Dienstleistungssektor die Hauptlast der Krise, sagen Wirtschaftswissenschaftler. Und noch gibt es keine Anzeichen dafür, dass die Epidemie ihren Höhepunkt erreicht hat. Laut einer kürzlich von der Tsinghua-Universität und der Universität Peking durchgeführten Umfrage könnten 34 Prozent von fast 1000 befragten kleinen und mittleren Unternehmen mit dem derzeitigen Cashflow nur einen Monat lang überleben. Ein Drittel betonte, zwei Monate überleben zu können, 18 Prozent dürften drei Monate durchhalten.

Wenn der Unterricht an der Schule für Kodierung und Robotik in Hangzhou ausfalle, würden die Angestellten zwischen 30 und 50 Prozent ihres Gehalts verlieren, berichtet Bloomberg. "Was wir unterrichten, ist für viele Eltern nicht zwingend erforderlich, sodass Ausgaben wie diese in schwierigen Zeiten in der Regel als Erstes wegfallen", sagt der Mitbegründer der Akademie Pei Binfeng. Der Ausbruch des Coronavirus zwang die Bildungseinrichtung, ihr gesamtes Angebot für Schüler vom Kindergarten bis zur 12. Klasse einzustellen.

In der südöstlichen Stadt Fuzhou berichtet Hotelmanager Robert Zhang Bloomberg, von seinen 100 Zimmern seien nur zwei oder drei belegt. Zwei Drittel seiner Angestellten hätten Urlaub und erhielten nur einen Bruchteil von ihrem üblichen Gehalt. Für ein oder zwei Monate seien die Auswirkungen nicht sofort bemerkbar. "Aber wenn die Epidemie andauert und sich der Tourismus nicht wieder erholt, werden unsere Mitarbeiter die Krise zu spüren bekommen", sagt Zhang.

Hilfe naht

Doch die Regierung ist zur Stelle. Im Kampf gegen die Folgen der Virusepidemie hat Chinas Notenbank die Zinsen weiter gekappt. Sie senkte den einjährigen Referenz-Zinssatz auf 4,05 Prozent von 4,15 Prozent. Insider erwarten zudem, dass auch die Reserveanforderungen für die Banken weiter gelockert werden. Damit soll mehr Geld für die Kreditvergabe losgeeist werden.

Volkswirt Julian Evans-Pritchard vom Analysehaus Capital Economics verweist im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters allerdings darauf, dass die Notenbankmaßnahmen das Los von Millionen kleinerer Firmen, die unter den Auswirkungen der Viruskrise leiden, wohl kaum lindern werde. "Studien lassen darauf schließen, dass einem Drittel dieser Firmen in den kommenden beiden Wochen das Geld ausgehen könnte, falls sich die Geschäfte nicht normalisieren."

Jeder rasche Anstieg der Arbeitslosigkeit ist eine zusätzliche Herausforderung für Chinas stabilitätsbesessene Führung. Die Zentralregierung in Peking sicherte bereits zu, Massenentlassungen verhindern zu wollen. "Die Beschäftigungssituation ist im ersten Quartal in Ordnung, aber wenn das Virus bis Ende März nicht eingedämmt ist, dann werden wir ab dem zweiten Quartal eine große Runde von Entlassungen erleben", sagt Dan Wang, ein Analyst der Economist Intelligence Unit der Nachrichtenagentur Reuters. Er prognostiziert, dass bis zu 4,5 Millionen Jobs verloren gehen könnten.

Quelle: ntv.de, jki