Wirtschaft

Niedrige Kautschukpreise Conti strotzt vor Kraft

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(Foto: picture alliance / dpa)

Der Autozulieferer Continental hebt nach der Hälfte des Jahres die Prognose an. Grund sind günstige Rohstoffpreise und eine stabile Autokonjunktur. Optimismus verbreiten die Hannoveraner auch für einen Markt, der bei anderen für graue Haare sorgt.

Niedrige Rohstoffpreise und eine robuste Autokonjunktur: Beim Autozulieferer Continental sprudeln die Gewinne. Im zweiten Quartal legte das operative Ergebnis auf Jahressicht um ein fast ein Viertel auf 1,25 Milliarden Euro zu, wie das Unternehmen mitteilte. Der Umsatz belief sich auf zehn Milliarden Euro - fast ein Fünftel mehr. Unterm Strich und nach Anteilen Dritter erzielte der Hannoveraner Konzern einen Gewinn von 792 Millionen - gut zehn Prozent mehr. In der Folge hoben die Hannoveraner das Renditeziel erneut an.

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Im Gesamtjahr erwartet der Reifenhersteller nun eine Marge von elf Prozent, nachdem die Prognose vor drei Monaten auf 10,5 Prozent nach oben geschraubt worden war. Die Zahlen übertrafen die Schätzungen von Analysten. Die Aktie legte um mehr als vier Prozent zu.

Auch die Prognose für die frei verfügbaren Mittel vor Akquisitionen hob er an auf mindestens 1,8 Milliarden Euro. Die beiden Firmenzukäufe Veyance und Elektrobit sowie die Dividende konnten die Hannoveraner aus eigenen Mitteln und bestehenden Kreditzusagen finanzieren. Eine Anleihe im Volumen von 950 Millionen Dollar will Continental im September zurückzahlen, vier Jahre vor Ablauf.

Niedriger Ölpreis spart 200 Millionen

Ins dritte Quartal sei man gut gestartet, sagte Finanzchef Wolfgang Schäfer. Das zweite Halbjahr werde sich auf dem Niveau des ersten bewegen. Wobei er durchaus mit weiterem Wachstum rechne. Das ergebe sich schon rein rechnerisch.

Bei der Einschätzung der Rohstoffpreise ist Conti gleichermaßen noch einmal optimistischer geworden, vor allem auf Grund des niedrigen Rohöl-Preises, wie Schäfer sagte. Nun geht Conti von einer Entlastung von rund 200 Millionen Euro, anstatt zuvor 150 Millionen Euro aus.

Zuversicht für Asien

Doch auch operativ lief es bei dem Automobilzulieferer sehr gut. Dazu hat laut Konzern auch ein zweistelliges Umsatzwachstum in Asien beigetragen. "Für das verbleibende zweite Halbjahr rechnen wir trotz einer Abschwächung der Wachstumsrate der Fahrzeugproduktion in Asien mit einer stabilen Geschäftsentwicklung auf dem erreichten hohen Niveau", sagte Konzernchef Elmar Degenhart.

Zuletzt waren Vorstandschefs westlicher Automobilkonzerne zurückhaltender geworden, was die Entwicklung des chinesischen Marktes anbelangt. Eine Abschwächung der Wirtschaft und strengere Anti-Korruptionsregularien führen dort seit einigen Monaten zu schwächeren Verkäufen. Conti sieht sich jedoch gut aufgestellt; auch weil der Konzern nicht nur auf das Geschäft mit westlichen Autoherstellern, sondern auch lokalen chinesischen Autokonzernen setzt. In China wachse Conti daher erfreulich, sogar überproportional, sagte Schäfer.

US-Markt hat Höhepunkt erreicht

In den USA habe der Pkw-Markt dagegen seinen Höhepunkt erreicht, glaubt der Manager. Das bedeute nicht, dass der Markt nun einbreche, aber er werde sich normalisieren. Während es auf dem brasilianischen und russischen Markt weiter kriselt, könnten dagegen Asean-Staaten zukünftig noch interessanter werden, sagte Schäfer.

Wachsen will der Automobilzulieferer zukünftig auch weiter durch Akquisitionen. "Im Moment ist nichts in der Pipeline", es würden keine engeren Gespräche geführt, sagte Schäfer. Generell sei man aber immer offen für weitere Akquisitionen, gerade im nicht-automobilen Bereich. Interessant seien derzeit eher kleinere Unternehmen in einer Größenordnung von bis zu 200 Millionen Euro Umsatz.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts