Wirtschaft

Keine Lösung in Sicht Darum streiken die Lufthansa-Piloten

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Die meisten Lufthansa-Flieger bleiben am Boden. Die Aussicht auf ein schnelles Ende des Dauerstreits sind gering.

(Foto: picture alliance / Arne Dedert/d)

Seit mehr als zwei Jahren tobt bei der Lufthansa ein Arbeitskampf. Schon 14 Mal haben die Piloten gestreikt. Diesmal bleiben rund 100.000 Passagiere am Boden. Was sind die Knackpunkte des Dauerkonflikts?

Der Tarifkonflikt bei der Lufthansa will einfach kein Ende nehmen. Seit fast zweieinhalb Jahren stehen sich das Management und die Piloten unversöhnlich gegenüber. Die Leidtragenden des Arbeitskampfs sind vor allem die Passagiere. Schon zum 14. Mal seit Beginn der Auseinandersetzung streiken die Lufthansa-Piloten. Fast 900 Flüge fallen allein am Mittwoch aus, auch am Donnerstag geht der Ausstand weiter. Rund 100.000 Menschen werden nicht befördert. Es sieht nicht danach aus, dass sich daran bald etwas ändert. Eine schnelle Lösung der Konfliktpunkte ist nicht in Sicht.

Sinkende Gehälter

Im Krieg der Lufthansa mit ihren Piloten gibt es viele Fronten. Eine ist das Gehalt: Auf einen neuen Tarifvertrag konnten sich beide Seiten bisher nicht einigen. Schon seit 2011 haben die Piloten deshalb keine Gehaltserhöhung mehr bekommen. Rückwirkend fordern sie deshalb nun für den gesamten Zeitraum einen Zuschlag von 22 Prozent, im Schnitt 3,7 Prozent pro Jahr: "Wir sind abgekoppelt worden von der Lohnentwicklung in Deutschland in den letzten fünf Jahren und da möchten wir nicht länger zuschauen", sagt Jörg Handwerg von der Vereinigung Cockpit (VC), die die Lufthansa-Piloten vertritt.

Die Gewerkschaft hält die Forderung für vertretbar, weil Lufthansa in den letzten fünf Jahren etwa fünf Milliarden Euro Gewinn gemacht hat. Die Lufthansa argumentiert, dass die Gehälter der Piloten inzwischen zu hoch sind, um der wachsenden Konkurrenz von Billigfliegern wie Easyjet und Ryanair oder staatlich subventionierten Golf-Airlines wie Etihad Airways, Emirates und Qatar Airways standzuhalten. Das Lufthansa-Einstiegsgehalt liegt bei etwa 70.000 Euro im Jahr.

Auslagerung in Billigtochter Eurowings

Mit solchen Traumgehältern können neue Piloten allerdings schon lange nicht mehr rechnen. Sie werden nicht mehr nach dem Konzerntarifvertrag eingestellt, sondern zu deutlich schlechteren Bedingungen. Für viele ist das ein Riesenproblem: In der Hoffnung auf lukrative Gehälter haben sie ihre Ausbildung bei der Lufthansa zum Großteil selbst bezahlt. Viele haben deshalb hohe Schulden - und sollen nun auf Gehalt verzichten.

Denn Lufthansa-Chef Carsten Spohr macht beim Ausbau der Lufthansa-Billigtochter Eurowings Druck, um die Lufthansa gegen die doppelte Konkurrenz von Billigfliegern und Golf-Airlines aufzustellen. Dort verdienen Piloten rund 40 Prozent weniger. Inzwischen wird nur noch rund die Hälfte der Piloten im Lufthansa-Konzern nach dem großzügigen Konzerntarifvertrag bezahlt.

Die Angst vor der Auslagerung bei den Piloten ist groß. Auch Tuifly und Air Berlin stricken inzwischen an Plänen für eine Billigtochter wie bei Lufthansa. Der Streik richtet sich also auch gegen die Konzernstrategie, die aus ihrer Sicht das Gehaltsgefüge insgesamt bedroht.

Abbau der Alterssicherung

Und noch einen dritten Streitpunkt gibt es: Auch den Vertrag zur sogenannten Übergangsversorgung hat die Lufthansa 2013 gekündigt. Bis dahin konnten alle Lufthansa-Piloten mit 55 in Frührente gehen. Mit spätestens 60 Jahren mussten sie das Cockpit räumen. Bis zum Eintritt in das gesetzliche Rentenalter bekamen sie dann vom Konzern bis zu 60 Prozent ihres Gehaltes weiter bezahlt. Alte Piloten seien ein Sicherheitsrisiko, hatte es zur Begründung bisher immer geheißen.

Doch die üppige Regelung ist der Lufthansa inzwischen zu teuer. Aus den Eurowings-Verträgen wurde sie längst gestrichen. Und aus Sicht der Lufthansa hat sie auch im Konzerntarifvertrag keine Grundlage mehr: 2011 klagte ein Pilot, der länger im Cockpit arbeiten wollte, erfolgreich vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die starre Altersgrenze.

Die Piloten fürchten nun, dass die Lufthansa Rückstellungen von über einer Milliarde Euro, die der Konzern für die Übergangsversorgung gebildet hat, auflösen will um sie woanders zu investieren oder an die Aktionäre auszuschütten.  Zudem sei die Übergangsversorgung für die Lufthansa nahezu kostenneutral, argumentiert die VC: Ältere Piloten mit höheren Gehältern gingen früher in Rente, dafür würden jüngere mit niedrigeren Gehälter eingestellt.

Quelle: ntv.de

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