Wirtschaft

Politik in der Immobilienkrise "Das ist nur noch Wohnungskampf!"

imago89131364h.jpg

Symbol des "Wohnungskampfs": Berliner Politiker haben gefordert, Häuser des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen in der Karl-Marx-Allee zu enteignen.

(Foto: imago/IPON)

Mit Gesetzesverschärfungen und Forderungen nach Enteignung von Hausbesitzern reagieren Politiker in Berlin und andernorts auf Wohnungsmangel und steigende Mieten. Der Chef des Verbands der Immobilienwirtschaft sieht seine Branche dabei zu Unrecht "verteufelt". Würde man die Unternehmen nur lassen, könnten sie ausreichend Wohnraum schaffen, sagt Andreas Mattner im n-tv.de-Interview.

n-tv.de: Sie beklagen, der Ton in der Debatte über den Wohnungsbau sei rauer geworden. Ihre Branche werde unter Generalverdacht gestellt. Woran machen Sie das fest?  

Andreas Mattner: Beispielweise an der nicht mehr zu überbietenden Zuspitzung, wenn man ernsthaft Enteignungen fordert. Es gab hier in Berlin beispielsweise eine stellvertretende Landesvorsitzende einer Regierungspartei, die gesagt hat: 'Enteignen ist doch kein Wegnehmen.' Dazu kauft das Land mittels seines Vorkaufsrechts Wohnungen, die im Schnitt eher mäßige Mieten haben, nur um dann sagen zu können: 'Wir nehmen diesen Investoren jetzt was weg'. Das kann ich nicht als eine partnerschaftliche Debatte auf Augenhöhe empfinden. Das ist im Grunde einfach nur noch Wohnungskampf.

Überrascht Sie diese Zuspitzung der Debatte angesichts der teils dramatischen Verhältnisse in Berlin und andernorts?

Vielleicht ist das ein Zeichen der Zeit. Wenn man einmal überlegt, wo die Demokratien, wo wir nach der Wende etwa im Jahr 1990 standen: Wie viel Einvernehmen und Konsens gab es damals! Bei der Uno, in Europa, im deutsch-amerikanischen Verhältnis und auch in Deutschland haben wir politische Diskussionen auf hohem Niveau geführt. Doch auch in Deutschland haben seitdem populistische Tendenzen in vielen Politikfeldern zugenommen. Die Ränder, rechts wie links, sind aktiver geworden. In diesen Kontext mit dazu noch einer aufkommenden Mangelsituation, nämlich Wohnungsmangel in den Ballungsräumen - den ganz bestimmt nicht die Investoren verschuldet haben -, ist diese Debatte hineingeraten. Es ist ein Überbietungswettbewerb des kurzfristigen, aber nicht nachhaltigen Denkens geworden. Darüber, was man mit immer mehr Regulierung in vielleicht fünf oder sechs Jahren anrichtet, wird gar nicht diskutiert, sondern man hofft bloß nur noch, die allernächste Wahl zu gewinnen.

Welche Auswirkungen hat die Form der Debatte für die Immobilienbranche?

Es nützt niemandem, wenn jemand so verteufelt wird. Und es hilft auch nichts, wenn sich einzelne aus der Branche nicht verantwortungsvoll verhalten. Das sind alles Irrwege. In solchen Zeiten muss man sich gemeinsam an einen Tisch setzen und gemeinsame Strategien verfolgen, um mehr Wohnraum zu schaffen.

Gibt es aus Ihrer Sicht auch berechtige Kritikpunkt an der Branche oder ist das alles nur Populismus?

107958187.jpg

Die Wohnungsdebatte in Deutschland sei zum "Überbietungswettbewerb im kurzfristigen Denken" geworden, klagt ZIA-Präsident Andreas Mattner.

(Foto: picture alliance/dpa)

Da kommen wir zu den berühmten schwarzen Schafen. Die gibt's in jeder Branche und sicher auch bei uns. Wenn es da Fehlverhalten gibt, muss man das kritisieren und auch ausmerzen. Aber zu glauben, man müsse auf eine Mangelsituation, die ohne Zutun unserer Branche entstanden ist, vor allem durch Regulierung reagieren, ist sicher nicht der richtige Weg.  

Sie haben Ihrerseits als Immobilienbranche eine Reihe von Forderungen an die Politik. Wenn diese tatsächlich erfüllt würden, wären die Unternehmen denn wirklich in der Lage, den Wohnraummangel schnell merklich zu beheben? Oder arbeitet die Branche nicht ohnehin an ihrer Kapazitätsgrenze?

Ein Heilsbringer sind wir natürlich nicht. Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, dass 375.000 Wohnungen pro Jahr in dieser Legislaturperiode gebraucht werden. Das ist eine ganze Menge und damit könnte man sicher auch die Probleme in den Ballungsräumen abdämpfen. Wenn man uns ganz kurzfristig Baugenehmigungen gibt, wenn man uns hilft, schnell Bauland zu bekommen, wenn man die Grunderwerbssteuer senkt, wenn man davon ablässt, Investoren auf dem Weg zu dem dringend zu schaffenden Bauland durch sogenannte Wertabschöpfungsmodelle vermeintliche Entwicklungsgewinne wegzunehmen, dann kann man so ein Ziel tatsächlich erreichen.

Mit Andreas Mattner sprach Max Borowski

*Datenschutz

 

Quelle: n-tv.de

Mehr zum Thema