Wirtschaft
Die deutsche Bank steckt in einer tiefen Krise.
Die deutsche Bank steckt in einer tiefen Krise.(Foto: REUTERS)
Samstag, 01. Oktober 2016

Geldhaus in der Krise: Dax-Chefs werben für die Deutsche Bank

Seit Jahren schleppt sich die Deutsche Bank von einer Krise zur anderen. Milliardenstrafen müssen gezahlt werden, Staatshilfen sind im Gespräch. Jetzt schaltet sich die Industrie in den Existenzkampf ein und betont die Bedeutung der Bank für die deutsche Wirtschaft

Die dramatische Lage der Deutschen Bank ruft die Industrie im Land auf den Plan. Führende Manager großer Dax-Konzerne haben in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" die Bedeutung der Bank für die Volkswirtschaft bekräftigt. "Die deutsche Industrie braucht eine Deutsche Bank, die uns in die Welt hinaus begleitet", sagte der BASF-Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Hambrecht der Zeitung.

Die Nationalität des Finanziers zähle auch in der globalisierten Wirtschaft: "Die Machtspiele draußen im Markt sind nicht transparent, aber sie sind da", sagte Hambrecht. Daimler-Chef Dieter Zetsche ergänzte: "Starke deutsche Banken sind wichtig für eine starke deutsche Wirtschaft". Diese Verbindung sei eng und das werde so bleiben. Die Deutsche Bank habe eine große Tradition, ein solides Fundament und darauf aufbauend auch eine gute Zukunft. "Davon bin ich überzeugt", sagte Zetsche.

Für ein so großes Exportland wie Deutschland wäre es schlecht, "wenn wir den Zugang zu den weltweiten Kapitalmärkten nur noch über Banken in anderen Ländern sicher stellen könnten", ergänzte Eon-Chef Johannes Teyssen. Peter Terium von RWE betonte: "Eine starke Wirtschaft braucht starke Banken. Wenn wir auch in Zukunft im weltweiten Wettbewerb bestehen wollen, ist es für uns wichtig, einen Global Player wie die Deutsche Bank an unserer Seite zu haben."

"Deutschland braucht die Deutsche Bank"

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Der Tourismuskonzern Tui verwies auf die eigenen "sehr herausfordernden Zeiten", in denen die Deutsche Bank sich als "verlässlicher Partner" bewiesen habe. Nikolaus von Bomhard, Vorstandsvorsitzender der Munich Re, räumte ein, dass sein Konzern die aktuelle Diskussion aufmerksam verfolge und ständig prüfe, ob er die Zusammenarbeit zurückfahren muss: "Bei der Deutschen Bank gaben uns die letzten Entwicklungen keinen Anlass, unser Geschäftsvolumen zurückzunehmen."

Siemens-Chef Joe Kaeser lobte: "Das Management verfolgt die richtigen Ziele und hat unser vollstes Vertrauen. Die Deutsche Bank ist für uns ein langjähriger, stets zuverlässiger und enger Geschäftspartner." Ausdauer und Ruhe empfahl auch Carsten Kengeter, Vorstandschef der Deutschen Börse: "Deutschland braucht die Deutsche Bank."

Die Deutsche Bank steckt infolge mehrerer Prozesse und milliardenschwerer Strafzahlungen in einer tiefen Krise. Erst am Freitag konnte sich das Geldhaus mit dem US-Justizministerium wegen Tricksereien auf dem amerikanischen Immobilienmarkt auf eine Strafe von 5,4 Milliarden Dollar einigen. Entgegen aller öffentlichen Stellungnahmen soll die Bundesregierung bereits an einem Notfallplan arbeiten, sollte die Bank die Krise allein nicht stemmen können.

Neuer Ärger in Italien

Die schlechten Nachrichten reißen allerdings nicht ab. In Italien droht der Deutschen Bank ein neuer Prozess. Ein Mailänder Richter soll Anklage gegen 13 ehemalige und noch beschäftigte Manager der Deutschen Bank sowie der Banken Monte dei Paschi di Siena und Nomura zugelassen haben.

Hintergrund sind demnach Transaktionen der Banca Monte dei Paschi. Das Geldhaus soll seine finanzielle Lage mithilfe von Nomura und der Deutschen Bank falsch dargestellt haben. Konkret lautet der Vorwurf auf Manipulation des Aktienkurses und Bilanzfälschung. So sollen die Gewinne der Bank zwischen 2008 und 2012 um bis zu 88 Prozent niedriger gewesen sein, als sie öffentlich ausgewiesen wurden.

Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, man werde sich vor Gericht verteidigen und wolle darüber hinaus keine Stellungnahme abgeben.

Quelle: n-tv.de