Wirtschaft

Wiederwahl im Fokus Der Öl-Crash ist ein Desaster für Trump 

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US-Präsident Donald Trump.

(Foto: USA TODAY Sports)

Die Ölpreise stürzen ab, die Lage wird für US-Ölfirmen immer bedrohlicher. Für Präsident Donald Trump sind das ganz schlechte Nachrichten.

Die Öllager sind voll, die Nachfrage bricht ein, der Preis stürzt ins Bodenlose. Zeitweise bezahlen Händler am Terminmarkt sogar Geld, damit jemand ihnen das Öl abnimmt. Das ist nicht nur für Zocker an den Börsen ein Problem, sondern vor allem auch für einen Mann, dem die heimische Ölindustrie ans Herz gewachsen ist: Donald Trump.

Der US-Präsident ist ein enger Verbündeter der US-Energiekonzerne. Er bemüht sich nach Kräften, sie von Umweltauflagen und anderen Regulierungen zu befreien. Im Gegenzug darf er auf finanzielle Unterstützung im Wahlkampf zählen und darauf, dass die Beschäftigten in der Branche im November für ihn stimmen werden - und nicht für den wahrscheinlichen Herausforderer Joe Biden.

Der niedrige Ölpreis kommt Trump deshalb ungelegen. Denn er setzt den US-Förderern mächtig zu - vor allem den Fracking-Firmen. Sie fördern Öl, indem der Rohstoff durch den Einsatz von Wasser und Chemie aus Gestein im Boden gelöst wird. Diese Methode ist nicht nur aus ökologischen Gründen umstritten, sondern hat einen weiteren Nachteil: Sie ist teuer. Wegen des aufwendigen Verfahrens können die Firmen erst ab einem Preis von etwa 50 Dollar pro Fass profitabel arbeiten. Von diesem Niveau ist der aber schon seit Längerem weit entfernt. Mehrere Schieferölförderern droht deshalb die Pleite, einige haben bereits Gläubigerschutz beantragt.

"Großartiger Deal"

Durch die Fracking-Industrie sind die USA zum Öl-Exporteur geworden. Das ist für Trump aus zweierlei Gründen wichtig: Zum einen will er, dass sein Land weitgehend unabhängig von Ölimporten ist. Zum anderen ist die Ölindustrie für ihn ein Symbol der traditionellen, konservativen USA.

Und nun geht es dieser Branche schlecht. Sie steckte schon vor der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten, doch das Virus hat die Lage dramatisch verschlimmert. Da weltweit Fabriken stillstehen, Flugzeuge am Boden und Menschen zu Hause bleiben, ist die Nachfrage nach Öl eingebrochen. Die Lager sind voll. Experten schätzen, dass in ein bis zwei Monaten die Tanks weltweit zum Überquellen gefüllt sein werden. Immer mehr Tanker werden als schwimmende Lager genutzt.

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Um den Preisverfall zu stoppen, hat sich Trump mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin und Saudi-Arabiens Kronprinzen Mohammed bin Salman verbündet. Diese stoppten ihren Preiskrieg und der Opec+ genannte erweiterte Kreis der Förderländer einigte sich darauf, die Förderung deutlich zu drosseln. Trump klopfte sich dafür selbst auf die Schulter und twitterte, er sei an den Verhandlungen beteiligt gewesen. Der "großartige Öl-Deal" werde "Hunderttausende Energie-Jobs in den Vereinigten Staaten retten".

Danach sieht es derzeit nicht aus, denn den Preissturz konnte die Einigung nicht aufhalten. Das liegt vor allem daran, dass die Konjunktur weltweit gelähmt ist. Und genau das ist in diesem Zusammenhang das größte Problem für Trump: Je schlechter die Wirtschaft läuft, umso gefährdeter ist seine Wiederwahl.

Quelle: ntv.de

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