Wirtschaft

Ifo-Index fällt erneut "Deutsche Wirtschaft verliert an Kraft"

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Manager deutscher Unternehmen schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die internationalen Krisen drücken auf die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen. Der Ifo-Geschäftsklimaindex geht im August bereits zum vierten Mal in Folge zurück. Ein Comeback der deutschen Wirtschaft wird damit unwahrscheinlicher.

Die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im August den vierten Monat in Folge eingetrübt. Der Rückgang war stärker als erwartet. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel auf 106,3 von 108,0 Punkten im Vormonat, wie das Münchner Ifo Institut mitteilte. Das ist der tiefste Stand seit Juli 2013. Volkswirte hatten lediglich einen Rückgang auf 107,0 Punkte erwartet.

Der Ifo-Index beruht auf einer monatlichen Umfrage des gleichnamigen Instituts unter rund 7000 Managern. Die Führungskräfte schätzten die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt.

Der Index zur Beurteilung der aktuellen Lage der befragten Unternehmen fiel im August auf 111,1 von 112,9 Punkte im Vormonat. Die Prognose der Ökonomen hatte auf einen Stand von 112,1 gelautet. Der Index für die Geschäftserwartungen sank auf 101,7 von 103,4 Zähler im Vormonat, während die befragten Volkswirte einen Rückgang auf 102,2 Punkte erwartet hatten.

Wirtschaftswachstum von zwei Prozent erwartet

"Die deutsche Wirtschaft verliert weiter an Kraft", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Die Firmen seien erneut weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage, vor allem blickten sie aber deutlich skeptischer auf die kommenden Monate. Bereits nach drei Veränderungen in eine Richtung sprechen Volkswirte von einer möglichen Trendwende in der Stimmungsentwicklung.

Angesichts der Verunsicherung durch die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten war die deutsche Wirtschaft im Frühjahr überraschend um 0,2 Prozent geschrumpft. Auch die anderen beiden großen Euro-Volkswirtschaften Frankreich und Italien schwächelten im Zeitraum April bis Juni. Mit dem erneuten Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers schwinden die Chancen auf ein starkes Comeback in der zweiten Jahreshälfte.

Dennoch sind Fachleute für die Entwicklung in Deutschland weiter im Grundsatz zuversichtlich. Das Minus im zweiten Jahresviertel sei auch angesichts des starken ersten Quartals eher ein Ausrutscher. Für das gesamte Jahre rechnen die meisten Wirtschaftsforscher nach wie vor mit einem deutlichen Plus. Das Ifo-Institut etwa hatte im Juni die Wachstumsprognose für 2014 noch ein klein wenig auf 2 Prozent erhöht. Ob sich diese Vorhersagen halten lassen, ist offen. Insgesamt aber ist die Stimmung in den Unternehmen weiter auf hohem Niveau.

Schwäche Europas das Hauptproblem?

Das erneute Minus beim Geschäftsklima-Index hatten die meisten Experten erwartet, im Schnitt aber mit einem weniger deutlichen Rückgang gerechnet. Aus Sicht von VP-Bank-Experte Thomas Gitzel besteht kein Zweifel: "Die deutsche Wirtschaft hat vorerst ihren Zenit überschritten", sagte der Chefvolkswirt der Bank. Ein großer Teil der Verunsicherung gehe auf das Konto der weltweiten Krisen, etwa in der Ukraine, dem Irak oder Israel. "Doch auch ohne die Konfliktherde wäre für die deutsche Wirtschaft nicht mehr Wachstum möglich gewesen", sagte Gitzel. Dafür sei die Weltwirtschaft zu schwach. Die starke deutsche Binnenkonjunktur könne das nicht mehr ausgleichen. Gefahr bestehe aber nicht. "Wir unterhalten uns über schmalere Wachstumsraten und nicht über eine Rezession."

Auch andere Volkswirte warnen davor, nun allzu schwarz zu sehen. Aus Sicht von KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner zeigen die Ergebnisse vor allem, dass sich Deutschland nicht von der anhaltenden Schwäche in vielen europäischen Ländern isolieren kann. "Zudem wirken die geopolitischen Spannungen verunsichernd, Hauptursache ist allerdings das weiterhin enttäuschende Wachstum in Europa." Er gehe aber nicht von einer grundätzlichen Trendwende aus. "Nichtsdestotrotz erwarten wir, dass sich die Lage wieder beruhigt und Deutschland wegen der funktionierenden Binnenwirtschaft in diesem und im nächsten Jahr ordentlich vorankommen wird."

Quelle: ntv.de, kst/DJ/rts/dpa

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