Wirtschaft
Braunkohletagebau der Vattenfall AG in Brandenburg. "Keiner braucht Kohle", sagt die Klimaexpertin Claudia Kemfert.
Braunkohletagebau der Vattenfall AG in Brandenburg. "Keiner braucht Kohle", sagt die Klimaexpertin Claudia Kemfert.(Foto: dpa)
Samstag, 29. April 2017

"Krieg der Energie-Welten": Die verkappte Wende von der Wende?

Nicht nur in Amerika unter Trump, auch in Deutschland verbreiten Lobbyisten viele "Fake News" über das Energiesystem, beklagt die deutsche Ökonomin Kemfert. Das fossile Imperium schlage zurück.

Vor einem "Rollback" bei der Energiewende hat die Berliner Klimaexpertin Claudia Kemfert gewarnt. Vertreter der traditionellen Energiewirtschaft sowie sogenannte Klimaskeptiker nutzten Propaganda und "Fake News", um die öffentliche Meinung umzupolen, warnte Kemfert in der "Frankfurter Rundschau". "Es herrscht Krieg zwischen der alten und der neuen Energiewelt, das fossile Imperium schlägt zurück", sagte die Wissenschaftlerin.

Dies gelte nicht nur für die USA, wo Präsident Donald Trump eine Regierung aus Klimaskeptikern, Atomlobbyisten und Öl-Industriellen um sich geschart habe, sondern auch für Deutschland, sagte Kemfert weiter. Der Kampf erfolge nur verdeckter.

So werde hierzulande zwar so getan, als seien alle Maßnahmen im Sinne der Energiewende, doch "dann werden genau gegenteilige Entscheidungen gefällt, etwa die Begrenzung des Ausbaus erneuerbarer Energien, die Einführung eines Kohlevorrangs, Kohleabwrackprämien oder überdimensionierte Netze".

"Gezielte Falschinformationen"

Zudem würden Falschbehauptungen zum Umbau des Energiesystems verbreitet, die sich in den Köpfen der Menschen festsetzten, warnte die Leiterin der Energieabteilung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung" (DIW). Immer dreister würden "alle möglichen Falschbehauptungen" in die Welt gesetzt.

So heiße es beispielsweise, "mit der Energiewende drohten Blackouts, wir bräuchten Kohlekraftwerke für die Grundlast, es bedürfe eines umfangreichen Netzausbaus, damit der Strom von der Nordsee nach Bayern gelangen könne".

Um solche Behauptungen zu verbreiten, werde eine "professionelle Lobbyarbeit betrieben". Tatsächlich würden aber zwei von drei der Stromtrassen dafür gebaut, um Kohlestrom zu transportieren, argumentierte Kemfert. In Wahrheit sei die Energiewende nicht nur aufgrund des Klimawandels geboten, sondern auch "volkswirtschaftlich notwendig und vernünftig".

Bekämpft werde diese gerade wegen ihres Erfolgs von denjenigen, "die mit herkömmlichen Energien ihr Geld verdienen und das noch möglichst lang weiter tun wollen".

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Quelle: n-tv.de