Wirtschaft

Streit um Klatschportal "Gawker" Drei Milliardäre und Hulk Hogans Sex-Tape

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Weil er sich für die "weniger vermögenden Opfer" von Gawker einsetzt, bezahlte Peter Thiel Hulk Hogans Anwälte.

(Foto: dpa)

Zunächst ging es um ein Sex-Tape von und mit Hulk Hogan. Dann kam ein schwuler Tech-Investor ins Spiel, dann ein russischer Oligarch und nun der Gründer von Ebay.

Im Nachhinein war es vielleicht der Anfang vom Ende von "Gawker.com": Am 19. Dezember 2007 veröffentlichte das US-amerikanische Klatsch-Blog einen Artikel über einen der Stars des Silicon Valley in Kalifornien. "Peter Thiel ist so was von schwul, Leute", lautete die Überschrift über dem Eintrag, der einerseits von der sexuellen Orientierung des bekannten Technologie-Investors und andererseits von der Verklemmtheit der Technologiebranche handelt, in der Schwule sich angeblich nicht outen könnten.

In Wortwahl und Inhalt unterscheidet sich der Artikel über Thiel kaum von Hunderten anderen "Enthüllungen". Es ist nicht erstaunlich, dass Rechtsstreitigkeiten aller Art daher Alltag für "Gawker" sind. Der Artikel über Thiel war im Übrigen positiv gemeint und endete mit den Worten "Peter Thiel, der schlauste Risiko-Investor der Welt, ist schwul. Bravo!" Dem Gepriesenen gefiel es allerdings nicht. Er verglich den Blog öffentlich mit Al-Kaida, schickte aber immerhin zunächst keinen Anwalt - seine Rache kam später. Heimlich baute er ein Team von Anwälten auf, die Opfer von "Gawkers" Berichterstattung geworden waren und das Unternehmen verklagen wollten.

Als der als Hulk Hogan bekannte ehemalige Wrestlingstar Terry Bollea im März 2016 die Rekordentschädigung von 140 Millionen Dollar für die Veröffentlichung eines Sex-Videos durch "Gawker" zugesprochen bekam, kamen erste Gerüchte auf, ein reicher Geldgeber - möglicherweise Thiel - könnte Hogans Anwälte finanziert haben, um das unliebsame Klatschportal in den Ruin zu treiben. Wenig später erklärte Thiel, dass er in der Tat Millionen investiert habe, um "Gawker" und andere von dieser Art der Berichterstattung abzuhalten, die das "Leben von Leuten ohne Grund" ruiniere und keinem öffentlichen Interesse diene.

Oligarch gibt "Gawker" Geld 

Die Entschädigung für Hogan hat "Gawker" tatsächlich in Schwierigkeiten gebracht. Das Unternehmen kann zwar in Berufung gehen, muss aber schon 50 Millionen Dollar als Sicherheit hinterlegen. Geld dafür bekam "Gawker"-Gründer Nick Denton von einem anderem Milliardär, dem russischen Oligarchen Wiktor Wekselberg, dessen New Yorker Investmentfirma Denton "Gawker"-Anteile verkaufte.

Die Empörung über Thiels geheimes Engagement gegen "Gawker" ließ nicht lange auf sich warten. Denton warf Thiel vor, wie ein "dünnhäutiger Milliardär" aufzutreten, der seine Gegner mit Intrigen und Prozessen bekämpfe, die diese sich nicht leisten könnten - genau der Vorwurf, den Thiel auch gegen "Gawker" erhoben hatte. In einem Interview hatte er erklärt, sein Anti-"Gawker"-Anwaltsteam aufgebaut zu haben, da sich das Portal "routinemäßig darauf verließ, dass seine weniger vermögenden Opfer sich selbst bei klaren Verstößen nicht rechtlich wehren könnten".

Inzwischen hat sich noch ein weiterer Milliardär in den "Gawker"-Prozess eingeschaltet. Pierre Omidyar ist nicht irgendein Silicon-Valley-Kollege von Thiel, sondern der Gründer von Ebay, der 2002 Paypal übernahm und dessen Mitbegründer Thiel damit zum Multimillionär machte. Mit ihren Milliarden setzen sich Omidyar und Thiel inzwischen allerdings für sehr unterschiedliche Zwecke ein: So bezahlt etwa ein Fonds Thiels College-Studenten, die ihr Studium abbrechen, um ein Start-up zu gründen. Zudem unterstützt Thiel regemäßig Rechtsaußen-Kandidaten der Republikaner - zuletzt Donald Trump. Omidyars großes Thema ist dagegen die Pressefreiheit. Er baute unter anderem die Enthüllungsplattform "Intercept" mit auf, die unter anderem Geheimdokumente von Edward Snowden veröffentlichte.

Omidyar bringt zunächst allerdings nicht seine Milliarden in Stellung, sondern kündigte an, einen Unterstützerkreis für "Gawker" aufbauen zu wollen. Der könne etwa mit Briefen an die Gerichte versuchen, Einfluss zu nehmen. Die Sorge Omidyars gilt dabei in erster Linie nicht den Klatsch-Berichten auf "Gawker", sondern dass Thiels Methode, ein unliebsames Medium mit einem millionenschweren Anwaltsteam zum Schweigen zu bringen, Schule machen und für politische oder wirtschaftliche Zwecke missbraucht werden könnte.

Quelle: n-tv.de

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