Wirtschaft

Neue Tarifgespräche starten EVG droht mit Bahnstreiks

Mehrmals hat die Lokführergewerkschaft GDL mit Streiks für Unmut bei den Kunden gesorgt. Nun droht auch die Konkurrenzgewerkschaft mit einem Ausstand. Der Chef der EVG geht ohnehin nicht von einem schnellen Tarifabschluss mit der Deutschen Bahn aus.

Der Sprecher der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft (EVG), Uwe Reitz, hat im Tarifkonflikt mit der Deutschen Bahn mit Streiks gedroht. "Wir sehen, dass unsere Forderung nach einer sozialen Komponente nicht erfüllt worden ist", sagte er in Frankfurt mit Blick auf ein Angebot der Bahn. Im Augenblick berate die EVG-Verhandlungskommission das weitere Vorgehen. Streiks noch vor Weihnachten könnten nicht ausgeschlossen werden.

Auch EVG-Chef Alexander Kirchner glaubt nicht an eine schnelle Einigung. "Wir sind noch nicht so weit", sagte er im Deutschlandfunk. Zudem warf er der konkurrierenden GDL vor, die Tarifgespräche zu erschweren. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wolle "einfach nur ihren Machtbereich ausdehnen" und sei an einer Zusammenarbeit nicht interessiert, sagte Kirchner. Dies sorge in der Belegschaft für eine Polarisierung und Spaltung.

EVG fordert sechs Prozent

Für die EVG-Mitglieder bekräftigte Kirchner die Forderung nach sechs Prozent mehr Lohn und verlangte von der Bahn ein konkretes Angebot. Zudem will die Gewerkschaft mit einer sozialen Komponente - einer Einkommenserhöhung von mindestens 150 Euro - insbesondere die unteren Lohngruppen stärken.

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GDL und EVG streiten weiterhin darüber, wer für welche Angestellten verhandelt.

(Foto: dpa)

In dem Tarifkonflikt streiten sich GDL und EVG seit Monaten, wer für welche Berufsgruppe die Tarifverhandlungen führen darf. Bisher handelte die EVG für rund 140.000 Bahn-Angestellte die Arbeitsbedingungen aus, darunter Zugbegleiter, Lokrangierführer und Mitarbeiter im Bordservice. Die ungleich kleinere GDL war nur für die rund 20.000 Lokführer des Konzerns zuständig. Neuerdings will die GDL beispielsweise auch für Zugbegleiter verhandeln, die bei ihr organisiert sind.

Im Laufe des Tages wollte die Deutsche Bahn mit der EVG und der GDL in Frankfurt am Main Tarifgespräche führen - zunächst mit der EVG, dann mit der GDL. Die drei Seiten hatten sich bei einem Spitzentreffen am Dienstag nicht auf ein Verfahren für gemeinsame Verhandlungen verständigen können. Daher führt die Bahn die Gespräche nicht parallel, sondern nacheinander. Im Gegensatz zur GDL wollen EVG und Bahn unterschiedliche Tarifverträge für gleiche Beschäftigungsgruppen unbedingt verhindern.

Wirtschaft warnt vor Folgen

Die Bahn hofft auf eine Einigung bis Weihnachten. Personalvorstand Ulrich Weber sagte der ARD: "Was wir heute schaffen müssen, ist, so was wie einen Fahrplan zustande zu bringen, wie wir die nächsten Wochen gestalten." Der Manager verwies auf die Angebote der Arbeitgeberseite: "Wir bringen etwas mit an den Tisch. Den Gewerkschaften liegen Angebote vor - sehr umfänglich, auch angesichts der Forderungspakete."

Die Wirtschaft warnte derweil vor einem Scheitern der Tarifgespräche und neuen Streiks. Der Geschäftfsührer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, sagte der "Bild"-Zeitung, besonders in der Vorweihnachtszeit wären neue Ausstände "besonders bitter". Schon jetzt seien die jüngsten Streiks bei der Bahn ein "Bremsklotz für die Konjunktur", da wegen ausbleibender Lieferungen Engpässe entstünden. Würde es nun neue Streiks geben, werde der Weihnachtsmarkt- und Einkaufstourismus ausgebremst.

Quelle: n-tv.de, mli/AFP/dpa

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