Wirtschaft

Signal der Bereitschaft EZB greift Banken stärker unter die Arme

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Die Notenbank hält ihr Pulver noch trocken.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Euro-Wächter justieren bei den bisherigen Hilfen nach - verzichten aber auf grundlegend neue Aktionen. Im Kern bleibt es bei der Sorge um eine ausreichende Versorgung der Banken mit Liquidität. Die EZB hatte bereits zuletzt deutlich auf die EU-Staaten gezeigt, die ebenfalls im großen Stil aktiv werden müssten.

Die Europäische Zentralbank (EZB) reagiert vorerst moderat auf die sich zuspitzende Wirtschaftskrise im Euroraum und konzentriert sich auf die Versorgung der Banken mit Liquidität. Zugleich versicherten die Notenbanker aber, für den Notfall bereitzustehen und bei Bedarf einzugreifen. "Die Eurozone ist mit einem Schrumpfen der Wirtschaft in einem Umfang und in einer Geschwindigkeit konfrontiert, die in Friedenszeiten bislang beispiellos ist", sagte EZB-Chefin Christine Lagarde.

Damit erfüllten die EZB die Minimalerwartungen der Finanzexperten. Allerdings hatten einige von ihnen Hoffnungen auf eine Ausweitung des EZB-Anleihenkaufprogramms. Derweil zeigen erste Daten das Ausmaß der Corona-Krise: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im Währungsraum sank in den ersten drei Monaten um 3,8 Prozent - der stärkste Rückgang seit Beginn der Aufzeichnungen 1995. Die Inflation im April betrug nur noch 0,4 Prozent.

Die Notenbanker konzentrieren sich zunächst zur Unterstützung der Kreditvergabe auf ein neues Programm mit besonders günstigen Langfristfinanzierungen. Zudem werden die Bedingungen für bereits laufende Kreditprogramme weiter gelockert. Das soll Banken in die Lage versetzen, angesichts der wirtschaftlichen Verwerfungen infolge der Pandemie Unternehmen mit ausreichend Geld zu versorgen. Am Aktienmarkt reagierten die Anleger zunächst verstimmt. Der Dax weitete sein Minus aus.

Kreditvergabe erleichtern

Am Leitzins rütteln die Zentralbanker erwartungsgemäß nicht. Den Schlüsselzins zur Versorgung der Institute mit Geld beließ die EZB bei 0,0 Prozent. Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März 2016. Auch den Einlagensatz hielten sie auf dem bisherigen Niveau von minus 0,5 Prozent. Damit müssen Banken weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie bei der Euro-Notenbank überschüssige Gelder parken. Inzwischen gibt es allerdings Freibeträge.

Unverändert stecken die Währungshüter über ein Notkaufprogramm 750 Milliarden Euro in Staats- und Unternehmenspapiere. Das Programm "Pandemic Emergency Purchase Programme" (PEPP) soll solange laufen, bis der EZB-Rat die Corona-Krise für bewältigt hält - in jedem Fall mindestens bis zum Ende dieses Jahres, hieß es. Hier allerdings hatten einige Anleger mit mehr gerechnet. Auch die Regeln für Sicherheiten, die Geldhäuser für den Erhalt von Notenbank-Krediten einreichen müssen, wurden gelockert. Damit will die EZB Liquiditätsengpässe in der Finanzbranche verhindern.

EZB-Vertreter hatten zuletzt mehrfach signalisiert, dass sie jetzt vor allem die Regierungen am Zug sehen. EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte nach Angaben aus Teilnehmerkreisen beim jüngsten EU-Gipfel davor gewarnt, dass die Reaktion auf die Krise zu klein und zu langsam ausfallen könnte. Gefordert sei eine schnelle, entschlossene und flexible Antwort. Die Notenbank befürchtet im Extremfall einen Wirtschaftseinbruch um 15 Prozent in der Eurozone. Die EZB ist bereits seit Jahren im Anti-Krisenmodus. Innerhalb der EU wird nach dem Beschluss eines 500-Milliarden-Sofort-Programms inzwischen auch über einen wahrscheinlich billionenschweren Wiederaufbau-Fonds debattiert.

Ökonom erwartet BIP-Minus von 15 Prozent

Für Ökonom Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank belegen die BIP-Zahlen des Euroraum "die Heftigkeit des wirtschaftlichen Einbruchs bereits in den ersten drei Monaten des Jahres. Das gerissene Wachstumsloch dürfte so schnell nicht wieder kompensiert werden können." Die Wirtschaft in Frankreich und Spanien, aber auch in Italien wurde hart getroffen: Das italienische BIP brach um 4,7 Prozent ein. Für Deutschland lässt sich aus den Zahlen ein Minus von rund 2,5 Prozent ableiten, wie Commerzbank-Experte Christoph Weil mitteilte.

Für KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib sind die Zahlen aus dem ersten Quartal "nur ein Vorgeschmack auf das, was uns im zweiten Quartal erwartet. Wir rechnen mit einem Einbruch um rund 15 Prozent und einer langsamen Erholung nach diesem Tiefpunkt".

Mit Blick auf die EZB-Entscheidung sowie die Konjunkturzahlen rechnen Analysten mit weiteren Schritten der EZB: "Angesichts der großen Konjunkturrisiken, insbesondere hinsichtlich einer zweiten Infektionswelle, scheinen neue Maßnahmen auch nicht weit weg zu sein" hieß es vom Bankhaus Lampe

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Vom ZEW-Institut hieß es, dass dass PEPP-Programm derzeit eine Schlüsselrolle spiele. Hinter den niedrigen Risikoaufschlägen südeuropäischer Staatsanleihen steckt die Erwartung der Investoren, dass die EZB bereit ist, italienische Anleihen ohne Limit zu kaufen und das PEPP auch um Billionen aufzustocken, solange die Corona-Rezession wütet.

Kritik kommt derweil von der LBBW: "Was wir jetzt haben, kommt einer weiteren Zinssenkung gleich", sagte Chefökonom Uwe Burkert. Für ihn sehe es "ein wenig nach Panik aus, wo es eigentlich gar nicht am Platze war". Die heutigen Maßnahmen werden die Schuldenaufnahme der Euro-Staaten nochmals verbilligen. "So gesehen ist dies eher eine Steilvorlage für die Finanzminister als für die Finanzmärkte. Bedenklich auch, wie das Prinzip abgeräumt wurde, nach Kapitalschlüssel zu kaufen."

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa/DJ