Wirtschaft

"Große Sorge" um Griechenland Eurogruppe berät Schuldenerleichterungen

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Bundesfinanzminister Schäuble mit Eurogruppen-Chef Dijsselbloem (M) und dem belgischen Finanzminister Van Overtveldt.

(Foto: picture alliance / dpa)

Bei IWF und dem Euro-Rettungsfonds ESM gibt es Zweifel, dass Griechenland seine Schulden künftig schultern kann. Die Finanzminister sprechen nun laut einem Bericht zum ersten Mal über konkrete Zugeständnisse. Es gibt eine Reihe von Vorschlägen.

Längere Kreditlaufzeiten, eine Deckelung der Tilgung und niedrigere Zinsen: Die Euro-Finanzminister haben einem Medienbericht zufolge erstmals über konkrete Vorschläge zur Erleichterung der griechischen Schuldenlast diskutiert. Grundlage sei ein Vorschlag des Euro-Rettungsfonds ESM gewesen, in dem die langfristige Schuldentragfähigkeit Athens mit "ernster Sorge" betrachtet werde, berichtet das "Handelsblatt". Die Euro-Finanzminister hatten am Montag über den weiteren Kurs in der Schuldenkrise beraten und neue Hilfsmilliarden in Aussicht gestellt.

In dem Papier werden den Angaben zufolge folgende mögliche Zugeständnisse genannt: Die durchschnittliche Laufzeit für die Kredite aus dem Rettungsprogramm II wird um fünf Jahre verlängert; die Tilgung dieser Kredite wird bis 2050 auf maximal ein Prozent vom griechischen Bruttoinlandsprodukt begrenzt; die Euro-Zone sichert Griechenland zu, für diese Darlehen bis 2050 nicht mehr als zwei Prozent Zinsen zu verlangen. Die drei Maßnahmen würden auf Kredite in Höhe von 130,9 Milliarden Euro angewandt.

ESM könnte IWF-Kredite übernehmen

In dem ESM-Vorschlag werde überdies angeregt, Griechenland weiterhin die Zinsgewinne zu überweisen, die die Notenbanken mit griechischen Staatsanleihen erzielen, heißt es im "Handelsblatt". Außerdem werde darüber nachgedacht, dass der ESM die vergleichsweise hoch verzinslichen IWF-Kredite an Griechenland übernehme, und dem Land dafür dann niedrigere Zinsen berechne. Der IWF hatte seine finanzielle Beteiligung am laufenden Hilfsprogramm davon abhängig gemacht, dass Griechenland seine Verbindlichkeiten in Zukunft schultern kann.

Möglicherweise müssten alle Maßnahmen kombiniert werden, um die Schuldentragfähigkeit Griechenlands wiederherzustellen, heiße es in dem ESM-Papier. Der Euro-Rettungsschirm gibt damit dem IWF Recht, der die Schuldentragfähigkeit Athens schon lange anzweifelt und sich nur finanziell weiter an der Rettung Griechenlands beteiligen will, wenn die Eurozone dem Land beim Schuldendienst Erleichterungen gewährt. Die Euro-Finanzminister haben festgelegt, dass Möglichkeiten für Schuldenerleichterungen bis zum 24. Mail ausgearbeitet werden sollen. Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem hofft, dass dadurch auch der IWF beim dritten Hilfsprogramm an Bord bleiben wird.

Die Euro-Staaten hatten Griechenland im vergangenen Sommer mit einem dritten Hilfsprogramm von bis zu 86 Milliarden Euro erneut vor dem Bankrott gerettet. Bisher ist rund ein Fünftel des Geldes ausgezahlt. Athen braucht spätestens bis Juli frisches Geld, wenn es rund 2,3 Milliarden Euro an die Europäische Zentralbank zurückzahlen muss. Sonst droht erneut die Pleite.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/rts