Wirtschaft
Die Vereinigung Cockpit wirft Eurowings vor, einen regulären Betriebsübergang für Air-Berlin-Piloten umgehen zu wollen.
Die Vereinigung Cockpit wirft Eurowings vor, einen regulären Betriebsübergang für Air-Berlin-Piloten umgehen zu wollen.(Foto: picture alliance / Christoph Sch)
Dienstag, 07. November 2017

Kein Tarifvertrag: Eurowings schiebt Piloten nach Österreich

Nachdem die Verhandlungen um einen Tarifvertrag geplatzt sind, die Air-Berlin-Piloten beim Wechsel zu Eurowings absichern sollten, will die Fluggesellschaft nur noch in Österreich einstellen. Dort gibt es keinen Tarifvertrag, doch die Arbeitsplätze sind begehrt.

Nach den gescheiterten Tarifverhandlungen mit der Vereinigung Cockpit (VC) will die Fluggesellschaft Eurowings neue Piloten nun ausschließlich bei ihrer österreichischen Tochtergesellschaft einstellen. Für an deutschen Standorten eingesetztes Personal sollen dabei die deutschen Tarifbedingungen gelten, bekräftigten die beiden Geschäftsführer Michael Knitter und Jörg Beißel. Der dem Streit zugrundeliegende Tarifvertrag Wachstum gelte noch bis Ende 2019, sodass der Konflikt nicht in einen Streik münden könnte, erklärte Beißel zudem.

Für die 2015 in Wien gegründete Eurowings Europe, die inzwischen auch erste Jets in München betreibt, existiert bislang kein Tarifvertrag mit der dort zuständigen Gewerkschaft Vida. Das Entgeltniveau liegt unterhalb der deutschen Eurowings GmbH.

Am Vortag hatte die Vereinigung Cockpit eine bereits ausverhandelte Vereinbarung zu den Einstellungsbedingungen für neue Piloten der deutschen Eurowings GmbH überraschend vom Tisch gezogen. Damit sollte der individuelle Übergang von Air-Berlin-Piloten zur Eurowings geregelt werden. Der VC-Vorstand warf der Lufthansa-Tochter vor, bei der Air-Berlin-Insolvenz einen regulären Betriebsübergang umgehen zu wollen, bei dem die Arbeitsbedingungen des Personals unverändert geblieben wären.

Viele wollen zu Eurowings

Das hat auch Auswirkungen auf neue Flugbegleiter der Eurowings, die nun ebenfalls in Österreich und nicht wie bislang geplant bei der deutschen Gesellschaft angestellt werden sollen. Auch für sie sollen deutsche Tarifbedingungen gelten. Bei den Piloteneinstellungen erwartet Eurowings leichte Verzögerungen, weil nun nur noch in einen statt in zwei Betriebe eingestellt werden könne. Das geplante Wachstum auf 210 Flugzeuge im kommenden Sommer sei aber nicht gefährdet.

Das Fehlen eines kollektiven Vertrages schrecke die Interessenten nicht ab. "Der Bewerberstrom ist da", sagte Beißel. Auf die bis zu 350 zu besetzenden neuen Pilotenstellen gäbe es rund 1000 Bewerber.

Quelle: n-tv.de

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