Wirtschaft

Fiat-Chrysler und Renault Ferdinand Piëch lässt grüßen

Die beiden Autohersteller Fiat-Chrysler und Renault denken ans Heiraten. Es entstünde der drittgrößte Autobauer. Markt- und kostenseitig macht das Sinn. Außerdem müssen Große Koalition und Größenwahn nicht immer Zwillinge sein.

Fiat-Chrysler und Renault wollen fusionieren. Noch ist nichts entschieden. Aber vieles spricht dafür. Ausgerechnet am Tag nach der Europawahl verkündeten die beiden Konzerne ihre Pläne. Gelingt das Vorhaben, ist das eine Attacke auf den Volkswagen-Konzern und Toyota. Mit jährlich 8,7 Millionen produzierten Autos würde der drittgrößte Autohersteller der Welt entstehen.

Doch weniger der Wunsch nach Größe als die Angst vor Kleinheit dürften die Fusionspläne treiben. Denn die Herausforderungen für Autobauer erscheinen vielfältiger denn je: autonomes Fahren, Elektromobilität, Prestigeverlust des Autos als Statussymbol, immer individuellere Kundenwünsche - die Automobilbranche fährt in eine schwer planbare Zukunft.

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Ulrich Reitz leitet die Wirtschaftsredaktion bei n-tv.

In der Politik dienen Große Koalitionen dazu, im Nachhinein eine Antwort zu geben auf die Fragmentierung von Wahlergebnissen. In der Wirtschaft gilt Ähnliches: Fusionen sollen im Vorhinein eine Antwort geben auf eine erwartete Zersplitterung des Marktes.

Weder Fiat-Chrysler noch Renault scheinen sich stark genug zu fühlen, die Milliardeninvestitionen in Elektroantriebe, autonomes Fahren und weltweiten Vertrieb alleine stemmen zu können. Gemeinsam stärker, so die Devise.

Schwachstellen ausgleichen

Tatsächlich macht ein Zusammenschluss kaufmännisch Sinn. Ganz konkret könnten die beiden Autobauer Schwachstellen ausgleichen: Fiat-Chrysler ist in Nordamerika vertreten, Renault hat bislang kein US-Geschäft. Dafür sind die Franzosen sowohl in Schwellenländern als auch mit ihren Elektroautos erfolgreich - letzteres zumindest gemessen an Stückzahlen. Fiat-Chrysler fehlt das bis jetzt.

USA einerseits, Schwellenländer und Elektro-Autos andererseits - gegenseitig erfolgreicher Lückenfüller zu sein, ist offenbar der strategische Wunsch hinter dieser Groko der Autobauer.

Aber die Angebote der beiden Konzerne überlappen sich auch an vielen Stellen. Wenn sich in fernerer Zukunft nur noch Karosserieformen und Logos unterscheiden, die darunter liegende Technik aber baugleich ist, dann spart das Arbeitsplätze und Kosten. Zigtausende Jobs dürften wegfallen. Die Quittung werden die Unternehmen und deren Arbeitnehmer deshalb erst mit zeitlichem Abstand von ein paar Jahren bekommen.

Magere Profitabilität

Kühle Rechner werden die Pläne freuen. Denn beim operativen Gewinn pro Fahrzeug gibt es noch Luft nach oben. Während der VW-Konzern knapp 1300 Euro pro Auto verdient, sind es bei Fiat-Chrysler knapp 850 Euro. Auch Renault liegt mit 930 Euro pro Fahrzeug deutlich unter dem Wert der Wolfsburger Konkurrenten.

Lange haben die Franzosen versucht, Synergien im Verbund mit den japanischen Autobauern Nissan und Mitsubishi zu heben. Für mehr als eine mehr oder weniger starke Überkreuzbeteiligung reichte es jedoch nicht. Eine komplette Fusion wollen die Japaner bis dato vermeiden. Fiat-Chrysler scheint da deutlich aufgeschlossener zu sein.

Durch die neuerlichen Fusionspläne in der Automobilbranche dürfte sich ein einstiger PS-Patriarch bestätigt sehen: der legendäre VW-Manager Ferdinand Piech. Er schmiedete schon vor Jahren mit Volkswagen ein Auto-Reich mit bis zu 13 Marken. Oft wurde ihm dafür Größenwahn vorgeworfen. Inzwischen kopiert man seine Strategie. Größenwahn und Große Koalition müssen nicht immer Zwillinge sein.

Quelle: n-tv.de

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