Wirtschaft

Ifo-Institut korrigiert nach oben Flüchtlinge kosten 21 Milliarden Euro

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Mehr als 40 Prozent der vom Ifo-Institut befragten Industriebetriebe aus Westdeutschland halten die Flüchtlinge demnach nur als Hilfsarbeiter für potenziell gut einsetzbar.

(Foto: dpa)

Forscher des Ifo-Instituts berechnen die Kosten der Flüchtlingskrise neu. Die geschätzten Berechnungen sind nun mehr als doppelt so hoch als bisher angenommen. Allerdings sorgen diese Mehrausgaben auch für einen Konjunkturimpuls.

Die Kosten für die Bewältigung der Flüchtlingskrise sind für den deutschen Staat dem Ifo-Institut zufolge höher als bisher angenommen. Allein in diesem Jahr summierten sie sich auf 21,1 Milliarden Euro. "Das schließt nun Unterbringung, Ernährung, Kitas, Schulen, Deutschkurse, Ausbildung und Verwaltung ein", sagte Ifo-Experte Gabriel Felbermayr. Bislang hatten die Forscher die Kosten auf zehn Milliarden Euro für die ersten zwölf Monate geschätzt - allerdings nur für die Unterbringung und Ernährung von 800.000 Menschen.

"Die Schlüssel für die Kosten und die Integration sind die Qualifikation und der Arbeitsmarkt", ergänzte Felbermayr. Viele Flüchtlinge seien schlecht ausgebildet. Mehr als 40 Prozent der vom Ifo-Institut befragten Industriebetriebe aus Westdeutschland halten sie demnach nur als Hilfsarbeiter für potenziell gut einsetzbar, in Bau und Handel seien es weniger als 40 Prozent.

Viele Unternehmen würden den erst zu Jahresbeginn eingeführten gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro je Stunde als Einstellungshindernis ansehen. Das Ifo-Institut fordert daher, diesen komplett abzuschaffen - nicht nur für Flüchtlinge, sondern für alle jungen Arbeitnehmer ohne Qualifikation. Flüchtlinge sollten zudem sofort arbeiten dürfen und parallel Deutschkurse belegen.

OECD widerspricht bei Mindestlohn

Nach Angaben der Industriestaaten-Organisation OECD kann Deutschland langfristig von der starken Zuwanderung profitieren. "Das ist ein Gewinn", sagte OECD-Experte Christian Kastrop kürzlich angesichts der alternden Bevölkerung. Voraussetzung dafür sei allerdings, dass die Flüchtlinge möglichst rasch einen Job erhalten.

Notwendig seien eine schnelle Anerkennung ausländischer Ausbildungsabschlüsse und eine gute Bildung für die Kinder von Asylbewerbern. Eine Abschaffung des Mindestlohns hält die OECD für falsch. "Man sollte nicht Eckpfeiler des Sozialsystems aushebeln. Das bringt Unsicherheit in den Arbeitsmarkt." Kurzfristig sorgten die Mehrausgaben des Staates wegen der Flüchtlingskrise für einen Konjunkturimpuls.

Quelle: n-tv.de, lda/wne/rts

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