Wirtschaft

Ufo: Weniger ist mehr bei Flügen Flugbegleiter begrüßen Klimasteuern

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Gemeinsam gegen Billigflieger: Während Schüler weltweit fürs Klima streiken, kämpfen Flugbegleiter seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Keine Branche steht so in der Kritik von Klimaschützern wie die Luftfahrt. Die Idee von "Flugscham" weist die Gewerkschaft Ufo entschieden zurück. Doch es gibt auch Überschneidungen der Anliegen von Klimaaktivisten und Beschäftigten in der Luftfahrt.

Beim Vorhaben, Flüge aus Gründen des Klimaschutzes höher zu besteuern, bekommen Umweltschützer und Politiker Unterstützung von unerwarteter Seite: den Mitarbeitern der Luftfahrtbranche. "Die Diskussion um die Klimafolgen des Flugverkehrs ist grundsätzlich richtig, das muss man auch als Vertreter der Branche nicht falsch finden", sagte Nicoley Baublies, Sprecher der Flugbegleitergewerkschaft Ufo, n-tv.de.

Am Freitag tritt das Klimakabinetts der Bundesregierung zusammen. Das Gremium soll einen Gesamtplan beschließen, mit dem Deutschland seine Ziele und Verpflichtungen beim Klimaschutz erreichen kann. Dabei zeichnet sich bereits eine Einigung der Großen Koalition auf einzelne Punkte ab, darunter eine drastisch höhere Besteuerung von Inlandsflügen. Die CDU will etwa die Ticketabgabe bei Inlandsflügen verdoppeln und für Kurzstrecken unter 400 Kilometern verdreifachen. Aus der CSU kam der Vorschlag für einen Mindestpreis für entsprechende Flüge.

Aus Baublies' Sicht überschneiden sich die Anliegen von Klimaschützern und Mitarbeitern teilweise. "Fliegen zu reduzieren, ist auch in unserem Interesse, wenn es darum geht, die durch das Dumping der Billigflieger entstandenen Überkapazitäten abzubauen", sagte der Gewerkschaftsvertreter. Davon würden "die hochwertigeren Anbieter, die auch Tariflöhne zahlen, profitieren. Weniger wäre in diesem Sinne mehr für die Beschäftigten". Als "sinnvollen Ansatz" bezeichnete Baublies die von der CSU vorgeschlagenen Mindestpreise.  

Laut Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, die Flugbegleiter, Piloten sowie Boden- und Flughafenangestellte vertritt, verfolgen die Mitarbeiter der Branche die Klimadebatte sowohl mit Hoffnung als auch mit Sorge. "Einerseits fürchten die Beschäftigten um die Sicherheit ihrer Jobs, sollte es zu drastischen Maßnahmen gegen den Luftverkehr kommen", sagte Mira Neumaier, Bundesfachgruppenleiterin für Luftverkehr bei Verdi, n-tv.de. "Andererseits gibt es die Hoffnung, dass der Begriff Nachhaltigkeit weiter gefasst wird und neben den ökologischen auch die sozialen Aspekte mit einbezogen werden." Denn die Deregulierung der europäischen Luftfahrt habe in den vergangenen 15 Jahren nicht nur zu einer Belastung des Klimas geführt, sondern auch zu "einem desaströsen Preiskampf auf Kosten der Beschäftigten und zu einer Prekarisierung der Arbeit etwa an den Flughäfen".

Seit Jahren kämpfen die Gewerkschaften für bessere Arbeitsbedingungen für das Personal der Airlines und Flughäfen. Aggressive Billigflieger wie Ryanair, die teils gar keine Tarifverträge abschließen, haben die etablierten Player unter Druck gesetzt. So hat etwa die Lufthansa den größten Teil ihrer Kurzstrecken an ihre Billigtochter Eurowings abgegeben, die nach Gewerkschaftsangaben schlechtere Arbeitsbedingungen bietet als die Lufthansa selbst.

Die vorgeschlagene höhere Besteuerung von Inlandsflügen sollte allerdings nicht als alleiniges Instrument zum Klimaschutz beim Luftverkehr eingesetzt werden, sagte Neumaier. Sonst werde die Wirkung beschränkt sein. Bei einem deutschen Alleingang drohe zudem die Verlagerung von Zubringerflügen von deutschen Drehkreuzen wie Frankfurt und München auf internationale Hubs in anderen europäischen Ländern oder in den Golfstaaten. "Das wäre ein Bärendienst für den Klimaschutz", so Neumaier. Entscheidend für eine verantwortungsvolle Regulierung sei die "europäische Ebene". Neumaier forderte, dass die Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer konsequent dafür eingesetzt werden, um das Fliegen - etwa mithilfe synthetischer, klimaneutraler Kraftstoffe - sauber zu machen.

Ufo-Sprecher Baublies begrüßte zwar ausdrücklich die von der Bewegung "Fridays for Future" angestoßene Debatte über den Klimaschutz. Die Überschneidung mit den Aktivisten hat jedoch Grenzen. Das Konzept von "Flugscham", dass sich Passagiere oder gar Mitarbeiter von Airlines für ihre Tätigkeit schämen sollten, wies er zurück. Eine sinnvolle Einschränkung etwa von Inlandsflügen habe "nichts mit populistischen Positionen zu tun, denen zufolge wir gar nicht mehr fliegen sollten. Schämen müssen sich die Mitarbeiter und auch die Kunden der Fluggesellschaften auf keinen Fall", sagte Baublies. "Ganz ohne Luftfahrt könnte unsere globalisierte Wirtschaft einpacken. Es geht um das Wie, nicht nur um das Wieviel."

Quelle: n-tv.de

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