Wirtschaft

Folge von US-Sanktionen Frachter mit Nahrung stauen sich vor Iran

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Handelsschiff vor der Küste Irans (Archivbild),

(Foto: REUTERS)

Rund eine Million Tonnen Getreide liegt auf Frachtern vor der Küste des Iran. Insgesamt sitzen laut einem Insider mehr als 20 Schiffe vor Häfen des Landes fest und warten darauf, ihre Ladung zu löschen. Daran hindern sie allerdings Sanktionen der USA.

Vor den Häfen des Iran stauen sich Insidern zufolge mehr als 20 Schiffe mit insgesamt rund einer Million Tonnen Getreide an Bord. Die Frachter könnten ihre Ladung nicht löschen, weil US-Sanktionen die finanzielle Abwicklung der Geschäfte behinderten, sagten sechs mit der Situation vertraute Personen aus dem Iran und aus westlichen Ländern. Damit würden die Bemühungen der Führung in Teheran behindert, wichtige Rohstoffe ins Land zu importieren.

Zwar sind Lieferungen von Nahrungsmitteln, Medikamenten und anderen lebenswichtigen Gütern von US-Strafmaßnahmen ausgenommen. Doch die jüngst verschärften Sanktionen unter anderem gegen die Finanzbranche ließen ausländische Banken zunehmen von sämtlichen Geschäften im Iran zurückschrecken, so die Insider. Es gebe zwar keine Beschränkungen für Geschäfte mit humanitärem Hintergrund, sagte ein europäischer Kenner der Lage mit Blick auf Lebensmittellieferungen. Aber auf eine Bezahlung könne man Monate warten.

Mit solchen Verzögerungen hätten Handelshäuser wie Bunge aus den USA oder COFCO International aus China zu kämpfen, hieß es in Branchenkreisen. Dazu kämen zusätzliche Liegegebühren für die feststeckenden Frachter in Höhe von bis zu 15.000 Dollar pro Tag. Ein Bunge-Sprecher sagte, die Firma halte sich beim Export landwirtschaftlicher Rohstoffe an sämtliche rechtlichen Vorschriften. COFCO lehnte eine Stellungnahme ab.

Die wenigen Banken, die sich noch im Iran engagieren, haben den Informanten zufolge bei ihren Geschäften zahlreiche Hürden zu bewältigen. All dies führe dazu, dass die Frachter schon seit mehr als einem Monat vor den beiden größten iranischen Handelshäfen ausharren müssten. Die Schiffe hätten unter anderem Sojabohnen und Mais vor allem aus Südamerika an Bord.

Insider: Händler zögern mit neuen Iran-Geschäften

"Unter den Händlern herrscht Nervosität", sagte ein Insider. Sie zögerten wegen des Frachter-Staus mit neuen Iran-Geschäften. Iranische Regierungskreise bestätigten, dass die Schiffe auf die Löschung ihrer Ladung warteten. Das geht auch aus Daten und Bildern von Branchen- und Informationsdiensten hervor.

Ein Vertreter des Teheraner Landwirtschaftsministeriums erklärte, der Iran bemühe sich seit Jahrzehnten um ausreichende Getreidevorräte. Angesichts der Politik von US-Präsident Donald Trump und der Spannungen der vergangenen Monate seien die Lager noch einmal aufgestockt worden. Die Vorratshaltung werde aber wegen der Sanktionen immer schwerer.

Die UN schätzen die iranischen Getreidevorräte dieses Jahr auf 5,1 Millionen Tonnen. 2016 war es demnach noch fast das Doppelte. Trump hatte Strafmaßnahmen gegen den Iran wieder eingeführt, nachdem er den unter anderem von seinem Vorgänger Barack Obama und der Bundesregierung ausgehandelten Atomvertrag mit der Teheraner Führung einseitig aufkündigte.

Quelle: n-tv.de, kst/rts

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