Wirtschaft

Manuelle Messung in Tschernobyl Hacker greifen weltweit Konzerne an

Weltweit haben Hacker zum Teil folgenschwere Angriffe auf Netzwerke verübt. Maersk, Milka, die Deutsche Post, Metro - viele internationale Konzerne sind betroffen. Die Auswirkungen sind auch an der Ruine von Tschernobyl zu spüren.

Vom ukrainischen Flugzeugbauer Antonov über den russischen Ölkonzern Rosneft, den Schweizer Milka-Hersteller Mondolez, Metro, der Deutschen Post bis zur dänischen Reederei Maersk: Zahlreiche Unternehmen sind Opfer von Hackerangriffen geworden. Am stärksten betroffen war die Ukraine. Neben dem Staatskonzern Antonov meldeten auch Banken, Telekom, Post, ein Stromnetzbetreiber, der Kiewer Flughafen und die Regierung Probleme mit ihren Computer-Netzwerken. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sprach von einer globalen "Cyber-Angriffswelle mit einer Verschlüsselungssoftware". Und die war anscheinend mit einfachen Mitteln zu verhindern.

Auch Computer des 1986 havarierten Kernkraftwerks Tschernobyl sind von dem Cyberangriff auf Netzwerke in der Ukraine betroffen worden. "Aufgrund der temporären Abschaltung der Windows-Systeme findet die Kontrolle der Radioaktivität manuell statt", teilte die Agentur für die Verwaltung der Sperrzone mit. Alle technischen Systeme der Station funktionieren aber normal, hieß es. Die Website des abgeschalteten Kraftwerks war allerdings nicht erreichbar.

Ukraine schwer getroffen

Es handele es sich um die bislang schwersten Hackerangriffe in der Geschichte des Landes, erklärten Berater des Innenministeriums in Kiew. Nach Einschätzung der Melde- und Analysestelle Informationssicherung der Schweizer Regierung sind die Ukraine, Russland, England und Indien betroffen.

Auch die dänische Unternehmensgruppe A.P. Moller-Maersk hat mit der Cyberattacke zu kämpfen. Wie Moller-Maersk mitteilt, ist das Computersystem in Folge dieser Attacke zusammengebrochen. Moller-Maersk betreibt unter anderem die weltgrößte Container-Reederei Maersk Line. Nach den Worten einer Unternehmenssprecherin nimmt Moller-Maersk derzeit eine Bestandsaufnahme vor. Weitere Details sind derzeit nicht bekannt.

Auch die Systeme der Deutschen Post sind betroffen. "Unsere DHL-Systeme sind zum Teil von dem heutigen Cyberangriff auf verschiedene Organisationen in der Ukraine betroffen", sagte ein Post-Sprecher. Getroffen habe es die Express-Sparte, andere Unternehmensteile seien nicht betroffen. Die Post habe Maßnahmen eingeleitet, um Sendungen weiter bearbeiten zu können. Der Konzern arbeite daran, das Problem zu beheben. Kunden würden informiert. Auch die Großmärkte des Düsseldorfer Metro-Konzerns in der Ukraine seien von Cyberangriffen betroffen, sagte eine Metro-Sprecherin.

Möglicherweise Variante von WannaCry

Laut BSI-Präsident Arne Schönbohm handelt es sich ersten Erkenntnissen zufolge "um eine Angriffswelle mit der Schadsoftware Petya". Diese nutze unter anderem die gleiche Schwachstelle wie die Ransomware WannaCry. "Das Patchen dieser Schwachstelle mit dem seit Monaten verfügbaren Microsoft-Patch hätte in vielen Fällen eine Infektion verhindert", sagte Schönbohm weiter.

Die Erpressungs-Software Petya verschlüsselt Computer und verlangt "Lösegeld". Berichtet wurde aber auch von einer WannaCry-Variante. Eine Firma teilte mit, der Virus heiße Petya. Berichten zufolge fordern die Erpresser für die Wiederherstellung der Systeme die Zahlung von jeweils 300 Dollar in der Cyberwährung Bitcoin.

Der russische Ölkonzern Rosneft berichtete ebenfalls von Angriffen gegen seine Computersysteme. "Die Unternehmensserver machten einen schlagkräftigen Hackerangriff durch", erklärte das Unternehmen via Twitter. Die Ölproduktion sei aber nicht betroffen. Der russische Stahlriese Evraz räumte technische Probleme in mehreren Regionen ein. Auch hier sei die Produktion jedoch nicht gefährdet.

Der Schweizer Nahrungsmittelkonzern Mondelez International erklärte, Mitarbeiter in verschiedenen Regionen hätten technische Probleme. Es sei unklar, ob dafür Cyber-Angriffe verantwortlich seien. "Wir untersuchen die Sache", erklärt eine Firmensprecherin. Der französische Baukonzern Saint Gobain erklärte ebenfalls, Opfer eines Angriffs geworden zu sein, ebenso der britische Werberiese WPP.

Mitte Mai hatte die WannaCry-Attacke Hunderttausende Computer in mehr als 150 Ländern mit dem Betriebssystem Windows betroffen. Dabei sorgte eine seit Monaten bekannte Sicherheitslücke im veralteten Windows XP für eine schnelle Ausbreitung. Betroffen waren vor allem Verbraucher - aber auch Unternehmen wie die Deutsche Bahn und Renault.

Quelle: n-tv.de, bdk/jwu/AFP/dpa/DJ

Mehr zum Thema