Wirtschaft

Chinesischer Flughafen-Investor Hahn-Käufer lässt Alarmglocken schrillen

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Der letzte chinesische Käufer für den Flughafen Frankfurt-Hahn war wohl noch undurchschaubarer als HNA.

(Foto: dpa)

Was haben der Flughafen Hahn und der Hedgefonds von Anthony Scaramucci gemeinsam? Beide sollen an den chinesischen Investor HNA verkauft werden. Rheinland-Pfalz und Trumps Ex-Sprecher vertrauen einem Partner, von dem andere lieber ihre Finger lassen.

In wenigen Tagen soll es nun so weit sein: Nachdem auch die EU den Deal abgesegnet hat, kann der Regionalflughafen Frankfurt-Hahn endgültig aus dem mehrheitlichen Besitz des Landes Rheinland-Pfalz in den des chinesischen Investors HNA übergehen. Die peinliche Pleite mit dem ebenfalls aus China stammenden Käufer SYT, der sich als reine Briefkastenfirma entpuppte, soll damit vergessen sein. Schließlich ist HNA ein globaler Konzern, unter anderem größter Aktionär der Deutschen Bank, mit Wurzeln in der Luftfahrtbranche.

Ein seriöser Partner und finanzkräftiger Investor für den angeschlagenen Provinzflughafen also? Während Rheinland-Pfalz gerade durch den Deal mit HNA den Reinfall vom vergangenen Jahr ausbügeln will, häufen sich Berichte, die geeignet sind, grundlegende Zweifel an dem nahezu unüberschaubaren Konglomerat zu wecken. Letztlich ist nicht einmal klar, wem das Unternehmensgeflecht mit Beteiligungen im Wert von 145 Milliarden Dollar weltweit überhaupt gehört.

Zuletzt beschloss die Bank of America Berichten zufolge, keine Geschäfte mehr mit HNA zu machen. In internen E-Mails der Bank sei der Schritt vor allem mit der undurchsichtigen Aktionärs- und Konzernstruktur, dem unklaren Geschäftsmodell sowie den angeblichen politischen Verbindungen und der Vetternwirtschaft erklärt worden - während zugleich die chinesischen Aufsichtsbehörden das Unternehmen verstärkt in den Fokus genommen hätten.

Chinesische Aufsicht warnt vor Systemrisiko

Unter anderem hatte die "New York Times" berichtet, dass HNA regelmäßig Geschäfte mit Verwandten oder Bekannten der eigenen Topmanager mache, ohne Investoren über Interessenkonflikte aufzuklären. "Wir wissen einfach nicht, was wir nicht wissen, und deshalb sind wir nicht bereit das Risiko einzugehen", zitiert die Zeitung den Asien-Chef der Bank of America.

Nicht nur diese Bank hinterfragt derzeit die Verlässlichkeit des Investors. Auch die Europäische Zentralbank prüft derzeit, ob HNA geeignet ist, die Verantwortung als Großaktionär einer systemrelevanten europäischen Großbank wie der Deutschen Bank zu tragen. Die US-Behörden hatten im vergangenen Jahr bereits die Übernahme eines großen Technologieunternehmens durch HNA abgelehnt. Geprüft wird derzeit noch der Antrag von HNA, den Hedgefonds Skybridge vom frisch entlassenen Kommunikationschef des Weißen Hauses, Anthony Scaramucci, zu kaufen.

Die Ratingagentur S&P bezeichnete jüngst anlässlich einer Herabstufung von HNA das Geschäftskonzept des Investors als "hochriskant". So finanziert HNA viele seiner Übernahmen, indem es Anteile seiner Beteiligungen als Sicherheiten für Kredite einsetzt. Teilweise sollen dabei sogar Aktien von noch gar nicht in Firmenbesitz befindlichen Übernahmezielen verwendet worden sein. Im Fall einer Schieflage des Konzerns könnten daher auch die Tochterunternehmen Probleme bekommen.

HNA soll Berichten zufolge Schulden von weit mehr als 100 Milliarden Dollar haben. Chinas Finanzaufsicht warnte kürzlich, dass HNA und weitere hochverschuldete Investoren zu einem Risiko für die Banken des Landes werden könnten. Diese haben ihre Kreditvergabe für die betroffenen Unternehmen daraufhin stark eingeschränkt.

Phantom-Großaktionär residiert im Spa

Das größte Mysterium ist aber, wem HNA überhaupt gehört. Bis vor Kurzem war ein gewisser Guan Jun der mit Abstand größte Aktionär. Doch kaum jemand hat den angeblich milliardenschweren Investor je gesehen. Manchen Berichten zufolge ist er Geschäftsführer einer HNA-Tochterfirma. Nach anderen Angaben soll er gar keine Verbindungen zum Unternehmen haben. Auf der Suche nach seiner Geschäftsadresse stießen Journalisten der "Financial Times" in Peking lediglich auf einen Schönheitssalon namens "Oriental Aphrodite Beauty Spa".

Vergangene Woche plötzlich tischte HNA-Vorstandschef Adam Tan in einem Interview eine neue, für einen globalen Finanzinvestor höchst ungewöhnliche Erklärung auf: Anders als in allen offiziellen Erklärungen des Unternehmens sei Guan nie Eigentümer der Anteile gewesen, sondern habe sie "nur für uns gehalten". Was das genau bedeuten soll, führte Tan nicht aus. Inzwischen sei der gesamte 29-Prozent-Anteil von Guan auf eine neugegründete, gemeinnützige Stiftung in New York übertragen worden, die sich "Armutsbekämpfung, Bildung und vielleicht einigen innovativen Sachen" widmen soll.

Damit wirft HNA allerdings nur noch mehr Fragen auf. Unklar ist etwa, ob für die Übertragung Geld floss und gegebenenfalls an wen. Neben der neuen Stiftung in den USA gibt es bereits eine Schwesterstiftung in China, der angeblich ein 22-Prozent-Anteil an HNA gehört. Laut der "FT" gibt es dabei Ungereimtheiten. Dem offiziellen Geschäftsbericht zufolge wies die "Hainan Province Cinhang Wohltätigkeitsstiftung" ein Vermögen von weniger als ein Prozent dessen aus, was ihr HNA-Anteil damals eigentlich wert war.

Wer die beiden Stiftungen und damit die Mehrheit an dem Konzern letztlich kontrolliert, bleibt unklar. Dem Vorstandschef zufolge ist auf jeden Fall sichergestellt, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Dafür würden bei der New Yorker Stiftung die US-amerikanischen Behörden schon sorgen. Der Nachrichtenagentur Reuters sagte Tan, HNA habe nichts zu verbergen. "Ich denke, wir führen unser Unternehmen legal."  

Quelle: n-tv.de

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