Wirtschaft

"Wohlstandsniveau von 2000" Ifo-Chef warnt vor italienischem Euro-Aus

Italien steht nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi wirtschaftlich und politisch auf wackeligen Beinen. Ifo-Chef Fuest fürchtet bereits das Schlimmste und warnt vor unabsehbaren Folgen für die deutschen Steuerzahler.

Ifo-Chef Clemens Fuest befürchtet, dass Italien langfristig aus der Euro-Zone austreten könnte. "Das Wohlstandsniveau in Italien liegt auf dem Niveau von 2000. Wenn sich daran nichts ändert, werden die Italiener irgendwann sagen: Wir wollen diese Eurozone nicht mehr", sagte Fuest dem Berliner "Tagesspiegel".

Probleme gäbe es seiner Ansicht nach auch, wenn Italien einen Antrag beim Rettungsschirm ESM stellen sollte. "Mit seiner Zustimmung zu einem Rettungsprogramm für Italien würde der Bundestag den Steuerzahlern Risiken aufbürden, deren Höhe er nicht kennt und nicht kontrollieren kann", warnt Fuest.

Die Europäische Zentralbank hat angekündigt, unbegrenzt italienische Staatsanleihen zu kaufen, sollte es ein Rettungsprogramm für Italien geben. Hinter der EZB stehen jedoch über die nationalen Notenbanken die Steuerzahler. "Man würde also der EZB die Entscheidung darüber überlassen, wie viel Kredit Deutschland Italien gewährt", sagte Fuest. "Unter diesen Voraussetzungen dürfte der Bundestag dem ESM-Programm eigentlich gar nicht zustimmen."

Die USA als Vorbild

Sorgen macht sich der Ökonom auch um das Bankensystem. Die europäischen Banken seien noch nicht krisenfest, befürchtet Fuest. "Die Politik hat in Europa nach der Finanzkrise nicht genug getan hat, um die Banken zu stabilisieren." Zwar seien durchaus Maßnahmen ergriffen worden, aber nicht die richtigen.

"Die Aufsicht greift mit ihren Vorgaben inzwischen stark in das Geschäftsmodell der Banken ein - wobei man sich schon fragen muss, ob sie das überhaupt richtig beurteilen kann", sagte Fuest. "Stattdessen wäre es besser, wenn sie mehr Eigenkapital von den Banken verlangen würde." Als Vorbild nennt er die USA, wo sich die Banken sehr viel schneller von der Finanzkrise erholt haben.

Quelle: ntv.de, chr/DJ