Wirtschaft

1270 Euro für jeden ab 2072 Ifo fordert: Staat soll Rente spendieren

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Der Staat soll einen Teil der Rente künftig am Kapitalmarkt erwirtschaften.

(Foto: imago/Waldmüller)

Die Sicherung im Alter ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die Politik. Experten regen nun an, dass der Bund Geld am Kapitalmarkt anlegt und so einen Fonds aufbaut. Dafür soll sich der Staat neu verschulden.

Der Bund soll nach dem Willen des Ifo Instituts mit einem über Schulden finanzierten Fonds eine weitere Säule zur Sicherung der Rente aufbauen. Dieser sogenannte Deutsche Bürgerfonds soll das Geld für die Bevölkerung am Aktienmarkt anlegen. Finanziert würde dies durch die Aufnahme von Schulden, was angesichts niedriger Zinsen und geringer Staatsschulden durchaus vertretbar sei.

"In großem Umfang neue Staatsschulden aufzunehmen und die Mittel am Kapitalmarkt zu investieren, erscheint schwer vereinbar mit der Einsicht, dass die Bürger am besten selbst für ihre Altersvorsorge sorgen sollten. Aber aus ökonomischer Sicht ist es sinnvoll, eine allgemeine Pflicht zur Altersvorsorge vorzugeben, um zu verhindern, dass sich Einzelne auf sozialstaatliche Unterstützung im Alter verlassen", sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Da die Bürger selbst keine zusätzlichen Einzahlungen aus ihrem Einkommen leisten müssten, wäre der Deutsche Bürgerfonds vor allem für Menschen interessant, die wenig verdienen, erklärt Fuest weiter.

Dem Vorschlag zufolge soll der Bund ab sofort 0,5 Prozent der Wirtschaftsleistung pro Jahr investieren. Die Differenz zwischen Schuldzinsen und Anlageertrag fließt in die Kapitalleistung – wie bei einer Lebensversicherung.

Schuldenabbau nicht mehr optimale Politik

Dann bekämen alle Menschen, die 2005 geboren sind, ab 2072 jährlich 1270 Euro ausgezahlt. "Wegen des seit Jahren niedrigen Zinsniveaus fällt es vielen Menschen schwer, privates Vermögen aufzubauen", so Fuest. "Gleichzeitig werden bei Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien die Leistungen der Rentenversicherung nicht ausreichen, um eine gute Versorgung im Alter zu sichern."

Aus Sicht der Autoren gäbe es Spielraum für ein solches Projekt: Der öffentliche Haushalt hat sich seit der Finanzkrise stetig erholt, die Arbeitslosigkeit ist gesunken. Die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit sind derzeit sogar negativ. Dadurch konnte der Bund seine Schulden deutlich senken, derzeit auf rund 60 Prozent. Deswegen sei ein weiterer Schuldenabbau nicht mehr "die optimale Politik". Der Bund könnte also Geld international breit gestreut anlegen. Aktien und Immobilien erzielten weiterhin ansehnliche Renditen, so die Autoren. "Die Verwaltung des Deutschen Bürgerfonds sollte dem politischen Tagesgeschäft entzogen sein und beispielsweise durch die Bundesbank erfolgen", so Fuest.

Angesichts schrumpfender Renditen an den Kapitalmärkten, den Problemen der Riester-Rente und sinkenden Erträgen im Alter ist ein staatlich organisiertes Standardprodukt in der Rente schon länger in der Debatte. Im Frühjahr 2018 hatte das Land Hessen zuerst seine Pläne einer Deutschland-Rente veröffentlicht. Im April dieses Jahres stellte die Verbraucherzentrale Bundesverband mit der "Extrarente" ein ähnliches Produkt vor.

Quelle: n-tv.de, jwu/DJ

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