Wirtschaft

Deutsche Großbank von Pleite betroffen Imtech will weiter am BER bauen

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Imtech ist am BER für Elektroarbeiten, Heizung, Sanitär und Lüftung zuständig.

(Foto: dpa)

Der Insolvenzantrag von Imtech hat vielleicht doch keine gravierenden Folgen für das Hauptstadtflughafen-Projekt. Dafür treffen die Probleme der deutschen Imtech und ihrer niederländischen Mutter eine deutsche Großbank empfindlich.

Die Bautechnikfirma Imtech Deutschland will trotz der Insolvenz ihre Arbeiten am Berliner Großflughafen BER fortsetzen. Dies geschehe mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters, Peter-Alexander Borchardt, teilte das Unternehmen mit. "Die Mitarbeiter sämtlicher Gewerke sowie die Subunternehmer haben zugesagt, den Flughafenbau bis auf weiteres unverändert fortzuführen." Imtech liege im Zeitplan der vom BER vorgegebenen Meilensteine.

Die Flughafengesellschaft äußerte sich zu den Angaben zunächst nicht. Am Freitag hatte sie allerdings erklärt, es sei klar, dass nun der Zeitplan für die Bauarbeiten nicht mehr einzuhalten sei. Ein Teil der Imtech-Mitarbeiter sei schon nicht mehr auf der Baustelle erschienen. Eine Arbeitsgruppe soll jetzt prüfen, ob der Starttermin für den Flughafen in der zweiten Jahrshälfte noch zu halten ist.

Imtech-Mutter ebenfalls in Schwierigkeiten

Die deutsche Tochter des niederländischen Imtech-Konzerns mit rund 4000 Mitarbeitern hatte am Donnerstag Insolvenzantrag gestellt. Gegen die Firma und frühere Mitarbeiter laufen auch Ermittlungen wegen Korruption und Kartellvergehen. Inzwischen droht auch dem Amsterdamer Mutterkonzern das Geld auszugehen: Die Gespräche mit möglichen Kreditgebern hätten zu keinem Ergebnis geführt, teilte das Unternehmen mit.

Nach einem Bericht der holländischen Zeitung "De Telegraaf" sind die Imtech-Angestellten angewiesen worden, Rechnungen von Lieferanten nicht mehr zu bezahlen. Imtech-Aktien fielen am Montag zeitweise um rund 40 Prozent auf ein Rekordtief von 42 Cent. Das ist der vierte Tag in Folge mit Kursverlusten von mehr als 25 Prozent.

Commerzbank in Sorge

Die Finanzprobleme beim niederländischen Gebäudeausrüster Imtech treffen auch die Commerzbank. Die zweitgrößte deutsche Bank sei mit einem hohen zweistelligen Millionenbetrag bei Imtech und deren insolventer Deutschland-Tochter engagiert, hieß es aus Insiderkreisen.

Der Deutschland-Tochter, die am Donnerstag Insolvenzantrag gestellt hat, habe die Bank überwiegend Aval-Kredite ausgereicht, für die sie noch nicht in Anspruch genommen worden sei. Auf dem Papier zähle die Bank aber nach ersten Erkenntnissen zu den größten Gläubigern von Imtech Deutschland, sagte einer der Insider. Die Commerzbank wollte sich zu dem Betrag nicht äußern.

Daneben war sie im Herbst 2014 auf Imtech-Aktien für gut 70 Millionen Euro sitzengeblieben, die eigentlich im Zuge einer 600 Millionen Euro schweren Kapitalerhöhung bei Investoren platziert werden sollten. Fast die Hälfte davon mussten aber vier Banken übernehmen, die für die Emission garantiert hatten. Im Gegenzug habe die Bank ihr Kreditengagement bei Imtech zurückgefahren, sagte ein Insider. Heute ist das Aktienpaket der Commerzbank weniger als zehn Millionen Euro wert.

Schlüsselfirma für Brandschutzanlage

Am Flughafen ist Imtech auch am Bau der Brandschutz-Anlage des Flughafens beteiligt, einer der Kernprobleme am Krisenprojekt. Dies hat schon eine Reihe von Verschiebungen hinter sich. Im Jahr 2012 waren bereits Einladungen zur Eröffnung verschickt. Zuletzt wurde dann 2017 als Starttermin angepeilt.

Gesellschafter und Eigentümer des Projekts sind die Länder Berlin und Brandenburg (je 37 Prozent) sowie der Bund (26 Prozent). Durch die bisherigen Verzögerungen wird der Bau mit mindestens 5,4 Milliarden Euro mehr als doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Seine vorgesehene Kapazität wird allerdings schon 2017 nicht ausreichen, um den Flugverkehr der Hauptstadt abzuwickeln. Bereits jetzt laufen daher weitere Ausbauplanungen.

Quelle: n-tv.de, sla/fma/dpa/AFP/rts

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