Wirtschaft

Brexit spült Vermögen in die EU JPMorgan verlagert Milliarden nach Frankfurt

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JPMorgan ist bei Weitem nicht die einzige Bank, die Mitarbeiter und Vermögenswerte aufs EU-Festland bringt.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Chancen auf einen halbwegs geregelten Brexit zum Jahresende sinken beinahe täglich. Nach der Akquise eines Bürogebäudes in Paris kündigt die US-Bank JPMorgan deshalb auch noch die Verschiebung von rund 200 Milliarden Euro an Vermögenswerten in das deutsche Finanzzentrum an.

Die US-Bank JPMorgan verlagert wegen des Brexits einem Agenturbericht zufolge Vermögenswerte von rund 200 Milliarden Euro nach Frankfurt. Damit könnte die Bank an der Bilanzsumme gemessen zum sechstgrößten Geldhaus in Deutschland aufsteigen, berichtete Bloomberg. Bis zum Jahresende solle die Übertragung der Portfolien in die Frankfurter JPMorgan-Niederlassung technisch abgeschlossen sein. Eine Sprecherin von JPMorgan in Frankfurt wollte sich nicht dazu äußern.

JP Morgan Chase
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Großbritannien ist nach dem EU-Austritt gerade in einer Übergangsphase. Bis zum Jahresende sollen die künftigen Beziehungen zur Europäischen Union verhandelt werden, inklusive Freihandelsabkommen. Das halten viele Experten für unrealistisch, weil beide Seiten in ihren Positionen noch weit auseinander sind. Zuletzt hatte Großbritanniens Premierminister Boris Johnson außerdem ein umstrittenes Binnenmarktgesetz auf den Weg gebracht, das den gültigen Brexit-Deal mit der EU in Teilen aushebeln würde.

Weniger als vier Monate vor Ablauf der Übergangsfrist verstärken deshalb internationale Banken ihre Geschäftstätigkeit in der Europäischen Union, um sicherzustellen, dass sie weiter ihre europäischen Kunden bedienen können. Mit dem Brexit fallen die Rechte der Banken in London weg, überall in der EU ohne spezielle Lizenzen Geschäfte zu machen. Der Chef von JPMorgan, Jamie Dimon, hatte bereits Anfang 2019 angekündigt, mehrere hundert Jobs aus London auf den Kontinent zu verlagern.

Vor dem Hintergrund der jüngsten Vorstöße des britischen Premiers teilte die Bank letzte Woche etwa 200 Mitarbeitern in London mit, dass sie in kontinentaleuropäische Städte wie Paris, Frankfurt, Mailand und Madrid umziehen würden, berichtete Bloomberg. In Paris etwa kaufte sie ein neues Gebäude mit Platz für 450 Angestellte. Derzeit arbeiten dort bereits rund 260 Beschäftigte der Bank. Der Kauf füge sich ein in die "Strategie", die europäischen Kunden "ohne Bruch" auch weiterhin von europäischen Großstädten aus zu bedienen, so JPMorgan.

Demnach habe die Bank ihre Niederlassungen in europäischen Zentren wie Paris, Amsterdam und Kopenhagen der Aufsicht der Frankfurter Tochtergesellschaft, der J.P. Morgan AG, unterstellt. Aber auch andere Banken verlagerten ihre Aktivitäten in Deutschlands Finanzzentrum, so etwa Citigroup Inc., UBS Group AG und Standard Chartered Plc. Einer Studie der Landesbank Hessen-Thüringen kam zu Beginn des Jahres zu dem Ergebnis, 30 Banken hätten sich für den Standort am Main entschieden, dadurch könnten bis zum kommenden Jahr 3500 neue Jobs entstehen.

Quelle: ntv.de, lwe/rts/AFP