Wirtschaft

Absatzkrise schlägt voll durch "Jobs bei VW sind langfristig in Gefahr"

Sinkende Verkaufszahlen in Brasilien, sogar ein Einbruch in Osteuropa, dazu erneut ein Rückgang in China: VW, die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns, steckt in einer Absatzkrise. Die werde sich noch verschärfen, sagt Auto-Experte Helmut Becker. Die Folgen bekommt dann nicht nur der Konzern zu spüren.

Helmut Becker schreibt für n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt. Becker war 24 Jahre Chefvolkswirt bei BMW und leitet das "Institut für Wirtschaftsanalyse und Kommunikation (IWK)". Er berät Unternehmen in automobilspezifischen Fragen.

Helmut Becker schreibt als anerkannter Autoexperte und Volkswirt für teleboerse.de und n-tv.de eine monatliche Kolumne rund um den Automarkt.

n-tv.de: Herr Becker, die Marke Volkswagen meldet erneut deutliche Absatzrückgänge: Allein in Russland fielen die Verkäufe um mehr als 44 Prozent. Dazu kommt China mit fast minus 8 Prozent. Wird sich dieser Negativtrend fortsetzen?

Helmut Becker: Vorerst ja, allerdings nur in den Zuwachsraten im Vorjahresvergleich. Das Niveau selbst dürfte die Talsohle erreicht haben, natürlich aber nicht in China!

Wie muss der Konzern reagieren?

Ich glaube, er hat schon reagiert - von der Modellpalette her wie personell. Nur so schnell wachsen die Bäume eben nicht in den Himmel. Das braucht Zeit. In der Betriebswirtschaft ist eben nicht alles schnell machbar.

Der Gesamtkonzern kann das Absatzminus der Kernmarke nicht mehr auffangen: Von Januar bis Juli setzte er ein Prozent weniger Autos ab. Muss der VW-Konzern seine Absatz-, Umsatz- und Gewinnziele anpassen?

Unbedingt ja! Die nächsten Monate werden noch schlechter wegen China verlaufen, wo bekanntlich jeder dritte VW verkauft wird. China schlägt voll durch, nicht nur bei VW!

Sind dann Arbeitsplätze in Gefahr?

Langfristig gesehen ja, weil VW seine Kostenstrukturen bereinigen muss. Kurzfristige Absatzschwankungen, auch Einbrüche, kann man aber auffangen.

Wie sieht es im Rennen mit Toyota um die Weltmarktführerschaft aus?

Wenn der Lahme mit dem Einbeinigen kämpft, bleibt das Rennen offen! (lacht) Beide sind definitiv angeschlagen: Toyotas größte Fabrik in China, in der mit 400.000 Einheiten die Hälfte aller Toyota-Autos für den chinesischen Markt hergestellt werden, liegt in Tianjin, direkt neben dem Explosionsort. Sie bleibt vorerst geschlossen. Da gehen täglich 2000 produzierte Autos verloren. Und VW erleidet Absatzeinbußen sowohl in China als auch in den USA und Russland. Wer letztlich die Nase vorn hat, ist deshalb schwer zu sagen.

Mit Helmut Becker sprach Thomas Badtke

Quelle: n-tv.de