Wirtschaft

Details zum 62-Milliarden-Deal Linde und Praxair bei Fusion einig

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Der Name Linde soll erhalten bleiben.

REUTERS

Der deutsche Industriegase-Spezialist Linde und sein US-Konkurrent Praxair einigen sich auf wesentliche Eckpunkte für ihre geplante Fusion. So sollen beide Unternehmen exakt gleich bewertet werden. An der Börse sorgt dieses Vorgehen für Unmut.

Der Gaseanbieter Linde drückt bei dem geplanten Zusammenschluss mit dem US-Konzern Praxair aufs Tempo. Knapp zwei Wochen nach der Ankündigung, die Fusionsgespräche mit dem US-Wettbewerber wieder aufzunehmen, gaben die beiden Unternehmen nun erste Eckdaten zur geplanten Fusion bekannt. Das geplante Geschäft habe einen Wert von 65 Milliarden Dollar (62 Milliarden Euro). Vorstandschef soll der bisherige Praxair-Chef Steve Angel werden, er leite die Geschäfte aus den USA. Aufsichtsratschef werde der bisherige Linde-Chefkontrolleur Wolfgang Reitzle werden, teilte das Münchner Unternehmen mit.

Zudem soll die Obergesellschaft der gemeinsamen Gruppe eine börsennotierte, neu gegründete Holdinggesellschaft namens "Linde" werden. Die neue Holdinggesellschaft wird den Linde-Aktionären anbieten, ihre Aktien in Papiere der Holdinggesellschaft zu tauschen. Der Transaktion und dem Umtauschangebot liegt ein Bewertungsverhältnis von 50 zu 50 Prozent von Linde und Praxair zugrunde. Die Linde-Aktionäre sollen 1,540 Aktien der neuen Holdinggesellschaft pro Linde-Aktie erhalten. Die Praxair-Aktionäre sollen eine Aktie an der neuen Holdinggesellschaft pro Praxair-Aktie erhalten.

Zentralfunktionen würden zwischen den USA und München aufgeteilt. Die neue Konzernholding werde an den Börsen in Frankfurt und New York gelistet und den Namen Linde behalten. Aus dem Zusammenschluss seien jährliche Synergien von etwa einer Milliarde Dollar zu erwarten.

"Details sind eher ernüchternd"

Für die 8000 deutschen Linde-Beschäftigten hat Linde mit Betriebsrat und Gewerkschaften bereits eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2021 für den Fall einer Fusion vereinbart. Der erste Anlauf zu einem Zusammenschluss von Linde und Praxair war im September gescheitert, weil man sich bei der Wahl des Firmensitzes und der Struktur des fusionierten Unternehmens nicht einig geworden war. Anfang Dezember hatten die beiden Unternehmen aber einen neuen Anlauf für einen "Zusammenschlusses unter Gleichen" gestartet.

Im Handel hieß es, die Details zur Fusion enthielten keine guten Nachrichten. Die Linde-Aktie reagierte bislang mit einem kurzen Kurs-Spike auf knapp ein Prozent, fiel danach aber wieder auf minus 0,8 Prozent zurück. "Der Spike kam nur vom Computerhandel, die Details sind eher ernüchternd", sagte ein Händler. Vor allem das Umtauschverhältnis von 50 zu 50 spiegele nicht die Unternehmensgrößen und die abgedeckten Märkte wieder. Dies sei ein politisches Umtauschverhältnis, um ein "Merger of Equals vorzuspiegeln". Dies zeige auch die Wahl eines "neutralen" Mitgliedslands des EWG als Sitz der Holding.

Für die Linde-Aktie gebe es beim aktuellen Kurs von über 163 Euro kaum noch Raum nach oben. Auch ein zweiter Händler sieht keinen Platz für die Aktie nach oben, hält das Verhältnis jedoch für fair, da die Marktkapitalisierung von Praxair mittlerweile über der von Linde liege. Praxair liegen vorbörslich rund 0,6 Prozent höher.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa/DJ/AFP

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