Wirtschaft

Ex-Steueroase wittert Zukunftsmarkt Luxemburg steigt in Weltraum-Bergbau ein

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Künftig könnten Rohstoffe von Asteroiden für Weltraummissionen genutzt werden.

(Foto: Deep Space Industries)

Ein kleines Land wagt den Schritt ins All: Luxemburg möchte Zentrum für den Abbau von Rohstoffen im Weltraum werden. In spätestens fünf Jahren sollen erste Missionen zu Asteroiden starten. Das Großherzogtum sieht darin ein gigantisches Potenzial.

Mit Luxemburg verbinden viele eher eine provinzielle Beschaulichkeit: Die einst bedeutende Stahlindustrie des eine halbe Million Einwohner zählenden Staates hat ihre besten Zeiten hinter sich. Und auch das Dasein als Steuerparadies steht mit der Abschaffung des Bankgeheimnisses vor dem Ende. Doch das kleine Volk in der Mitte Westeuropas setzt sich neue Ziele - hehre Ziele. Der Weltraum und seine Ressourcen sollen die Grundlage für einen künftigen Wirtschaftsboom sein. Das Großherzogtum plant nichts weniger, als zum europäischen Zentrum für den Bergbau im Weltraum zu werden.

Bergbau im Weltraum? Die "Berge" sind in diesem Fall durchs All schwebende Gesteinsbrocken - sogenannte Asteroiden. Eine große Anzahl von ihnen findet man im Asteroidengürtel, in dem vermutlich mehrere Millionen größerer und kleinerer Objekte ihre Kreise um die Sonne ziehen. Dieser liegt mehr als 150 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Nach Ansicht von Experten schlummern auf den Brocken Milliardenwerte: Sie weisen eine sehr hohe Konzentration von Edelmetallen wie Platin und Seltenen Erden auf, die in vielen Schlüsseltechnologien zu finden sind. Viele dieser Rohstoffe sind auf der Erde immer schwerer abzubauen.

Rohstoffabbau soll lange Weltraummissionen ermöglichen

Mit der Initiative "Space Resources" will Luxemburg nun die gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden klären. Und Forscher und Firmen ins Land locken, um dafür notwendige Technologien zu entwickeln. Zwei wichtige Partner hat das Land bereits gewinnen können: Die US-Unternehmen Deep Space Industries (DSI) und Planetary Resources haben gerade ihre Europa-Niederlassungen in Luxemburg eröffnet. Erste Missionen zu Asteroiden sollen innerhalb der kommenden fünf Jahre statffinden.

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Das kleine Test-Raumschiff Prospector-X soll den Anfang machen und Basistechnologien für die Erforschung von Asteroiden testen. Gebaut wird es in den USA und in Luxemburg.

(Foto: Deep Space Industries)

Ein Transport von sehr wertvollen Materialien wie Platinmetallen zur Erde spielt bei den Plänen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Zunächst soll der Abbau von Rohstoffen auf Asteroiden die mühsame und kostspielige Aufgabe ersetzen, Material von der Erde ins All bringen zu müssen. Benötigt werden auch künftig Satelliten aller Art für diverse Aufgaben - etwa für Wetterbeobachtung oder Kommunikation. Der Transport von einer Tonne Material ins All kostet derzeit aber immer noch mehrere Millionen US-Dollar. Eine Weltraumindustrie könnte den Bau dieser Satelliten kostengünstig "vor Ort" umsetzen.

Zudem setzt man darauf, auf lange Sicht mit der Gewinnung von Wasser auf Asteroiden komplexe und lange andauernde Weltraummissionen von Menschen zu ermöglichen. Gelingt es etwa, das auf bestimmten Asteroiden vorhandene Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufzuspalten, seien Weltraum-Tankstellen denkbar, die Missionen beispielsweise zum Mars ermöglichen. Am wertvollsten seien Wasser, Eisen und Nickel im Weltraum.

Weltraumtourismus und Anbau von Nahrung im All möglich

Andere Edelmetalle könnten den Bau von Geräten, aber auch von Raumfahrzeugen oder Unterkünften im Weltall ermöglichen. Zudem können Materialien für die Herstellung von Solaranlagen gewonnen werden, die Energie im All bereitstellen oder diese sogar zurück zur Erde senden könnten. Auch der Bau von neuen Raumstationen für Forschung und Weltraumtourismus sind denkbar. Die Planer ziehen zudem die auf den Asteroiden zahlreich vorhandenen Silikate und Mineralien als Grundlage für den Anbau von Nutzpflanzen im Weltraum in Erwägung.

Allerdings sind die Luxemburger nicht die Ersten, die diese Idee haben. Schon viele andere Wissenschaftler befassen sich mit dem Thema. Beispielsweise die US-Weltraumbehörde Nasa, die europäische Weltraumagentur Esa, japanische und französische Institutionen sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). In den USA gibt es zwei private Unternehmen, DSI und Planetary Resources, die am Asteroiden-Bergbau arbeiten. Luxemburg verfügt seinerseits aber auch über Expertise: Der Staat beherbergt den weltweit führenden Satellitenbetreiber SES, der in Europa wegen seiner Astra-Satelliten bekannt ist. SES wurde 1985 gegründet, als viele Leute den Fernsehempfang via Satellit noch für Spinnerei hielten.

Allerdings gibt es noch einige offene Fragen. Etwa die, wem die Rohstoffe im Weltraum eigentlich gehören. Die luxemburgische Regierung ist überzeugt, dass Ressourcen im All gemäß dem Weltraumvertrag von 1967 genutzt werden dürfen. Luxemburg will nun als erstes europäisches Land eine nationale Gesetzgebung zum Weltraum-Bergbau auf den Weg bringen, um Investoren Sicherheit zu geben.

Quelle: n-tv.de, kst/dpa

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