Wirtschaft

Meme-Aktie stürzt ab Milliardär glücklich, Kleinanleger sauer

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Die Geschäfte bei Bed Bad & Beyond laufen nicht gut.

(Foto: imago images/Levine-Roberts)

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Der rasante Kursanstieg der Aktie des Wohnungsausstatters Bed Bath & Beyond endet jäh. Der Milliardär, der den Hype angeheizt hatte, zieht sich rechtzeitig zurück und macht ordentlich Kasse. Ein Heer von Hobby-Tradern versenkt dagegen viel Geld.

So richtig beliebt dürfte Ryan Cohen bei Börsen-Zockern nicht mehr sein. Der Investor wurde von einer Fan-Gemeinde gefeiert, nachdem er beim angeschlagenen Wohnungsausstatter Bed Bath & Beyond eingestiegen und im Sommer ein Hype um die Aktie entstanden war. Der Kurs raste in schwindelerregende Höhen - bis Cohen mitteilte, er habe alle seine Aktien verkauft. Damit war die Party plötzlich zu Ende, der Kurs rauschte in den Keller.

Bed Bath & Beyond
Bed Bath & Beyond 3,17

Das war blöd für eine Armee an Kleinanlegern, die sich angefeuert hatten, durch Aktienkäufe den Kurs immer weiter nach oben zu treiben. Das ging ein paar Wochen lang gut. Anfang Juli kostete eine Aktie von Bed Bath & Beyond noch 4,38 Dollar, in der vergangenen Woche schoss der Kurs auf 30 Dollar, bevor er auf rund 11 Dollar abstürzte.

Ein wesentlicher Grund für den jüngsten Kursanstieg: Cohens Anlagevehikel RC Ventures hatte am Dienstag inmitten der Rallye der Börsenaufsicht SEC mitgeteilt, es habe die Beteiligung an Bed Bath & Beyond seit seinem Einstieg im Januar auf knapp zwölf Prozent erhöht. Außerdem habe Cohen so genannte Call-Optionen auf die Aktie gekauft. Er sicherte sich mit diesen Wetten das Recht, bis zum Januar kommenden Jahres Aktien für bis zu 80 Dollar zu kaufen. Das löste in den einschlägigen Foren Jubel aus, der Kurs stieg kräftig an.

Noch am selben Tag teilte Cohens Firma allerdings mit, dass sie plane, sich in den kommenden 90 Tagen von allen Aktien des Einzelhändlers zu trennen. Im Handelsverlauf bröckelte der Kurs zwar ab, aber am Mittwoch ging es wieder kräftig nach oben. Bis auf 30 Dollar kletterte der Kurs, brach dann bis zum Handelsschluss aber auf knapp 23 Dollar ein.

Am Donnerstag setzte sich der Absturz fort. Die schlechte Laune einiger Hobby-Zocker dürfte noch schlechter geworden sein, als Cohens Investmentvehikel mitteile, es habe am Dienstag und Mittwoch sämtliche Aktien und Call-Optionen verkauft. Berechnungen des US-Finanzportals Bloomberg zufolge hat Cohen mit den Deals rund 68 Millionen Dollar verdient.

Schlechte Quartalszahlen

Daran zeigen sich die immensen Risiken so genannter Meme-Aktien. Denn irgendwann ist jeder Hype vorbei. Das Prinzip: In Internet-Foren verabreden sich Hobby-Trader, um durch gemeinsame Käufe von Aktien den Kurs nach oben zu prügeln. Ihre Schlagkraft erhöhen die Zocker, wenn sie auf spezielle Aktien setzen: Papiere, bei denen Hedgefonds auf fallende Kurse wetten. Das Ziel ist, diese Spekulanten zu zwingen, massenhaft genau diese Aktien zu kaufen, um drohende Verluste zu begrenzen - und damit den Preis weiter in die Höhe zu treiben.

Das hat gelegentlich durchaus Erfolg - aber nur so lange, bis der Hype vorbei ist. Das bekannteste Beispiel ist der Kursanstieg der Gamestop-Aktie. Im Kampf gegen den Reddit-Flashmob erlitten einige Hedgefonds schwere Verluste.

Auch bei Gamestop hatte Cohen mit seinem Einstieg einen Hype ausgelöst. An dem Videospielhändler ist der Investor allerdings weiterhin beteiligt, er ist auch der Vorstandsvorsitzende. Sein Engagement bei Gamestop machte ihn bei vielen jungen Spekulanten beliebt, die in ihm einen Verbündeten im Kampf gegen das Wall-Street-Establishment sahen. Cohen hatte 2011 den Haustierbedarf-Händlers Chewy gegründet. 2017 verkaufte er die Firma für 3,3 Milliarden Dollar.

Cohens Investment in Bed Bath & Beyond hatte in diesem Jahr mehrfach einen Run auf die Aktie ausgelöst. Ironischerweise begann der jüngste, nachdem die Firma äußerst miese Zahlen veröffentlicht und für das zweite Quartal einen Verlust von netto 225 Millionen Dollar ausgewiesen hatte. Das Unternehmen verbrennt viel Geld: Zum Halbjahr hatte es noch 108 Millionen Dollar Barmittel - ein Jahr zuvor waren es noch 1,1 Milliarden. Um die Liquiditätsprobleme zu lösen, heuerte die Firma externe Berater an. Bis Ende des Monats soll es erste Ergebnisse geben.

Quelle: ntv.de

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