Wirtschaft

Erwartungen satt übertroffen Nachfrage überrascht deutsche Industrie

79e1d760e70398f5edb67cfa1db0d3c6.jpg

"Made in Germany" ist eine schwächelnde Marke auf vielen Märkten in Übersee geworden.

(Foto: dpa)

Die deutschen Industrieunternehmen freuen sich über eine hohe Anzahl eingehender Aufträge. Vor allem der Binnenmarkt treibt die Entwicklung an. Andernorts schwächelt die Nachfrage.

Die deutsche Industrie hat im August wegen der starken Nachfrage aus dem Inland und der Euro-Zone überraschend viele Aufträge eingesammelt. Die Firmen zogen 1,0 Prozent mehr Bestellungen an Land als im Vormonat. Ökonomen hatten lediglich mit einem Anstieg von 0,2 Prozent gerechnet, nach einem Plus von 0,3 Prozent im Juli.

"Die Auftragseingänge blieben im laufenden Jahr verhalten, zogen zuletzt aber etwas an", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium. "Insgesamt sprechen die jüngsten Daten für eine leichte Belebung der Industriekonjunktur im weiteren Jahresverlauf."

Garant dafür war zuletzt die anziehende Nachfrage auf dem Heimatmarkt. Die Inlandsaufträge erhöhten sich im August um 2,6 Prozent. Dagegen schrumpfte die Nachfrage aus dem Ausland, und zwar um 0,2 Prozent. Die Aufträge aus der Euro-Zone wuchsen dabei um 4,1 Prozent, während die aus dem Rest der Welt um 2,8 Prozent fielen. Die Auftragseingänge für Investitionsgüter stiegen um 0,3 Prozent, für Vorleistungsgüter um 1,7 Prozent und für Konsumgüter um 2,9 Prozent.

Ökonomen rechnen angesichts der schwachen Weltwirtschaft aber nicht mit großen Sprüngen. "Eine Schwalbe macht noch keinen Aufschwung", sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. "Die Auftragseingänge entwickeln sich derzeit beeindruckend unspektakulär", betonte Konjunkturexpertin Sophia Krietenbrink vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hob wegen des robusten Konsums dennoch seine Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr an - von 1,7 auf 1,9 Prozent.

"Brexit" lässt Nachfrage schwächeln

In Übersee schwächeln viele wichtige Exportmärkte, von Brasilien bis Russland. Viele Experten gehen zudem davon aus, dass nach dem Anti-EU-Votum in Großbritannien die Nachfrage nach Waren "Made in Germany" auf diesem wichtigen Absatzmarkt spürbar nachlassen dürfte. So wertete das britische Pfund kräftig ab, was deutsche Güter dort teurer macht.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums wurden die Ergebnisse durch eine untypische Konstellation der Ferientage beeinflusst. Im aussagekräftigeren Vergleich der Monate Juli und August mit dem zweiten Quartal ergab sich ein Anstieg des Auftragsvolumens um 0,6 (ohne Großaufträge: 0,3) Prozent. Besonders im Bereich der Investitionsgüter hätten sich die Auftragseingänge positiv entwickelt.

Die Auftragsdaten dürften Erwartungen stützen, dass die Industrieproduktion im August ebenfalls kräftig gestiegen ist. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte erwarten bisher einen Anstieg um 0,8 Prozent. Destatis wird die Daten am Freitag um 8.00 Uhr veröffentlichen.

Quelle: n-tv.de, bdk/rts/DJ