Wirtschaft

Dämpfer für Elektro-Träume Norwegische Reederei verbietet Transport von E-Autos

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Die "Felicity Ace" liegt samt tausenden Luxuskarossen in 3000 Meter Tiefe auf dem Meeresgrund. Angeblich fingen die Batterien einer unbekannten Anzahl von Elektrofahrzeugen an Bord Feuer.

(Foto: picture alliance / AA)

Ausgerechnet in dem Land, das E-Mobilität vorangetrieben hat wie kein anderes, werden E-Autos nun von einer Reederei verbannt. Havila untersagt den Transport aus Sicherheitsgründen - wegen möglicher Brände von Elektro-, Hybrid- oder Wasserstoffautos.

Eigentlich sollte die Zukunft ja elektrisch sein, aber die Zweifel mehren sich. Höhere Stromkosten wegen der Energiekrise, Inflation, die Kürzung von Elektro-Subventionen und eine fehlende Infrastruktur mit Ladesäulen dämpfen die Begeisterung über die Elektro-Revolution. Auch der Produktionsstau bei den Unternehmen wegen Materialmangels hat mancher Fantasie den Stecker gezogen. In Norwegen erfährt der Hype um E-Fahrzeuge nun einen weiteren Rückschlag.

Ausgerechnet in dem Land, das als Vorreiter in der Elektromobilität in Europa gilt, sind auf den "Postschiffen" der Reederei Havila Kystruten, die vor der Küste fahren, keine Elektroautos mehr erlaubt. Havila ist der kleinere Konkurrent der bekannteren Hurtigruten-Linie und die erste Reederei, die den Transport von "Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffautos an Bord" verbietet, wie das "Manager Magazin" berichtet.

Der entsprechende Hinweis findet sich auf der Internetseite von Havila: "Wir lassen Autos nur für die gesamte Strecke von Bergen nach Kirkenes oder von Kirkenes nach Bergen zu, nicht von einzelnen Häfen. Das Auto darf nicht länger als 5,2 Meter, maximal 2,25 Meter breit und maximal 2,1 Meter hoch sein. Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffautos sind an Bord des Schiffes verboten."

Zur Begründung führt Havila-Chef Brent Martini gegenüber dem Schifffahrt-Nachrichtendienst "Trade Winds" Sicherheitsbedenken an. Ein möglicher Brand eines Elektro-, Hybrid- und Wasserstoffautos würde einen aufwendigen Rettungseinsatz bedeuten und sei deshalb für die Mannschaft nicht zu bewältigen. Bei Privatfahrzeugen mit einem herkömmlichen, fossilem Antrieb, sei die Brandgefahr nicht gegeben.

Bei fossilem Antrieb keine Brandgefahr

Anlass für die Entscheidung dürfte der spektakuläre Brand auf dem Autotransportschiff "Felicity Ace" vor knapp einem Jahr gewesen sein. Das Schiff hatte Tausende Luxusautos an Bord, einige elektrisch mit Lithium-Ionen-Batterien. Das Schiff trieb zunächst manövrierunfähig vor der Küste der portugiesischen Azoreninseln. Dann sank es samt aller Porsches, Audis und Bentleys an Bord. Heute liegt es in 3000 Meter Tiefe auf dem Meeresboden. Die 22 Besatzungsmitglieder wurden evakuiert. Nach Angaben des Kapitäns hatten Lithium-Ionen-Batterien in den Elektrofahrzeugen das Feuer verursacht. Weil die nötige Spezialausrüstung fehlte, konnte es nicht gelöscht werden können, hieß es.

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Die International Maritime Organisation (IMO) reagierte mit weltweit schärferen Brandschutzvorschriften. Neue Frachter sollen künftig standardmäßig mit Wärmemeldern und Videoüberwachung ausgestattet und alte nachgerüstet werden. Die Schiffe haben zwar selbst große Batteriepacks an Bord – allerdings in feuerfesten Extra-Räumen. Für batteriebetriebene Fahrzeuge an Bord scheint das keine Lösung zu sein.

Die Schiffe der Havila- und Hurtigruten-Flotte sind nicht nur bei Touristen, sondern auch bei den Einheimischen ein gängiges Fortbewegungsmittel - Autos werden gerne mitgenommen. Der Transport ist für norwegische Staatsbürger preisgünstig und spart viel Zeit, weil der Wasserweg die direktere Verbindung zwischen den Orten entlang der zerklüfteten Küste ist. Norwegen hat die E-Revolution in den vergangenen Jahren mit hohen Vergünstigungen vorangetrieben. Das Land kann sich die hohen Förderungen deshalb leisten, weil die Öl-Vorkommen vor der Küste viel Geld in die Staatskasse spülen. 80 Prozent der Neuwagen waren zuletzt E-Autos. Für die Norweger wird das Verbot eine Umstellung bedeuten.

Quelle: ntv.de, ddi

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