Wirtschaft

Erst Euphorie, dann Hysterie Oh Gott, der Dax fällt!

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Gewitter sind im Spätsommer nichts ungewöhnliches. Auch nicht an der Börse.

(Foto: dpa)

Die Kurse brechen ein - Panik! Warum eigentlich? Ein Markt, der zuvor 40 Prozent am Stück geklettert war und reichlich Anzeichen der Überhitzung aufwies, korrigiert nun kräftig. Was soll daran schlecht sein?

Stellen Sie sich als Dax-Anleger einmal vor, Sie wären vergangenen Oktober eingestiegen und hätten seither nicht auf den Markt geschaut. Dann stünde ein Buchgewinn von gut 15 Prozent – gar nicht schlecht. Wer auf dem zwischenzeitlichen Top bei knapp 12.400 eingestiegen ist, liegt nun 2.600 Punkte hinten – da mutet die Lage zugegebenermaßen ziemlich katastrophal an. Trotzdem gab es solche Korrekturen schon immer, sie sind notwendig und vor allem war sie diesmal überfällig.

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Das Umfeld hat sich eingetrübt. Nicht nur in Deutschland waren Aktien zu teuer. Die Unberechenbarkeit der chinesischen Börsen und ihr Übergang von Überbewertung in einen Crash belasten den Dax zusätzlich. Desweiteren entweicht die Luft aus den absurden Bewertungen mancher US-Technologieaktie. Wie so oft im Spätsommer findet nun also eine notwendige Bereinigung statt.

Dazu gibt es die üblichen Reaktionen. Viele, die noch im Frühjahr alles Mögliche nach oben lobten, können ihre Ziele nun gar nicht schnell genug einsammeln und nach unten korrigieren. Die Deutsche Bank geht voran und senkt erwartungsgemäß und streng der zyklischen Logik folgend die Dax-Kursziele für Ende 2015 auf 11.300 von 12.000 und für Ende 2016 auf 12.100 statt 12.600 Punkte. Im Juni noch hatte sie die Ziele erhöht, obwohl Risiken aus China und die Blase bei US-Technologieaktien längst absehbar gewesen sind.

Zu hoch getitelt

Dazu wurde der Dax im April bei 12.000 Zählern flankiert von Titelblättern der Börsenmagazine, die titelten "Dax 20.000" oder "Aktien werden immer steigen". Da erhöhten eben die Banken ihre Kursziele, sobald die Marke von 12.000 Zählern überschritten war und stuften zugleich zyklische Aktien noch mal richtig nach oben.

Jetzt gibt es den Dax 2.700 Punkte günstiger, er liegt am Montag im Tief bei 9.760 Zählern. Die Risiken liegen anders als im April offen und nicht verdeckt auf dem Tisch, eine BMW gibt es 35 Prozent günstiger, eine Infineon nicht für 12 sondern für neun Euro, eine BASF statt für knapp 100 wieder für 70 Euro. Und nun soll alles schlecht sein?

Nein, denn die Dividendenrenditen sind mit den gesunkenen Kursen wieder ein klares Argument, liegen sie doch weit über dem, was am Zinsmarkt zu holen ist. Dazu wird die Zinserhöhung in den USA im September wohl ausbleiben, auch da dürfen die Analysten einmal mehr ihre Prognose "einsammeln".

Lust auf Allianz oder BMW?

Wenn Sie in den letzten Jahren darüber nachgedacht haben, BMW, VW oder Daimler, Bayer, Allianz oder BASF zu erwerben, dann ist jetzt und in den kommenden Wochen ein gutes Zeitfenster.

Denn jetzt sind viele Investoren nervös, kommen die Banken mit Prognosesenkungen um die Ecke. Wer in ruhigen Zeiten kauft, kauft erst in Ruhe, gerät dann aber in Unruhe. Wer jetzt bald zulangt, kauft mit mulmigem Gefühl, hat aber womöglich später bessere Kurslaune. Lassen Sie sich nicht verrückt machen, nutzen Sie Volatilität, ZEW-Index, Bankanalysten und Titelblätter als Kontraindikationen - damit fahren Sie gut. Denn der alte Spruch könnte am Aktienmarkt jetzt wieder zum Tragen kommen: Börsengewinne sind Schmerzensgeld – erst kommen die Schmerzen, dann das Geld.

Disclaimer

Dieser Beitrag stellt keinerlei Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Aktien dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: ntv.de

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