Wirtschaft

Zwischen Rotem und Totem Meer Pläne für Mega-Kanal werden konkret

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Blick auf das Tote Meer: 700 Millionen Kubikmeter Wasser verliert das Gewässer nach Einschätzungen von Forschern.

Die Idee stammt aus dem 19. Jahrhundert, nun nimmt sie Formen an: Jordanien hat die Ausschreibung für einen gigantischen Kanal zwischen dem Roten und dem Toten Meer gestartet.

Jordanien hat die Ausschreibung für den Bau eines Kanals vom Roten zum Toten Meer gestartet. Bis Ende März könnten sich Unternehmen und Konsortien um den gewaltigen Auftrag bewerben, teilte das Ministerium für Wasser und Bewässerung in Amman mit. In einer ersten Phase soll die Infrastruktur geschaffen werden, um 300 Millionen Kubikmeter Wasser jährlich aus dem Golf von Akaba im Roten Meer im Süden Jordaniens zu pumpen.

Zur ersten Bauphase gehört auch eine Entsalzungsanlage mit einer Kapazität von 65 bis 85 Millionen Kubikmeter pro Jahr. Die Kosten für beide Projekte schätzte das Ministerium auf 900 Millionen Dollar (851 Millionen Euro).

Das Tote Meer stirbt

Ein Teil des Wassers aus dem Roten Meer soll in das von Austrocknung bedrohte Tote Meer fließen; ein anderer Teil würde entsalzt und Israel und den Palästinensern zugutekommen. Auch Jordanien braucht dringend Wasser: Das Land besteht zu 92 Prozent aus Wüste und die Bevölkerung wächst, auch wegen der vielen Flüchtlinge aus Syrien.

Das Tote Meer trocknet seit den 1960er-Jahren langsam aus, weil die Anrainer Israel, Jordanien und Syrien immer mehr Wasser aus dem Fluss Jordan entnahmen, der wichtigsten Quelle für das Tote Meer. Der Plan, das Tote Meer mit Wasser aus dem Rotem Meer aufzufüllen, ist schon Jahrzehnte alt. Im Dezember 2013 einigten sich Jordanien, Israel und die Palästinensische Autonomiebehörde dann auf ein Abkommen zur Rettung des Toten Meers und einer Verteilung des Wassers in der Region.

Umweltschützer: Kanal ist keine Rettung

Der Wasserspiegel des Toten Meeres sinkt derzeit um rund einen Meter pro Jahr. 2013 lag sein Wasserspiegel 427,13 Meter unter dem Meeresspiegel.

Die Pläne, das Rote Meer mittels eines Kanals mit dem Toten Meer zu verbinden sind alt: Bereits im 19. Jahrhundert findet die Idee Erwähnung - damals aber in erster Linie in Verbindung mit Stromerzeugung. Auch mögliche Pipelines zwischen den Gewässern waren immer wieder im Gespräch. Letztlich einigten sich Israel und Jordanien im Dezember 2013 auf ein Abkommen zur Rettung des Toten Meeres.

Umweltschützer kritisieren die Pläne. Nach ihrer Ansicht werde die bei der Entsalzung entstehende Lake ins Tote Meer gepumpt und könne dieses schädigen. Darüber hinaus geben sie zu bedenken, dass auch ein Kanal die Austrocknung nicht stoppen werde. Forscher berechneten, dass das Tote Meer jährlich 700 Millionen Kubikmeter Wasser verliert. Das ist mehr als die doppelte Menge dessen, was der geplante Kanal einleiten könnte.

Quelle: ntv.de, bdk/AFP