Wirtschaft
Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis (r.) im Gespräch mit seinem spanischen Amtskollegen Luis de Guindas Jurado.
Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis (r.) im Gespräch mit seinem spanischen Amtskollegen Luis de Guindas Jurado.(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 21. Mai 2015

Gespräche in Riga aufgezeichnet: Hat Varoufakis sich verplappert?

Der griechische Finanzminister Varoufakis gibt gerne Interviews. Nicht selten gehen die Selbstdarstellungsversuche aber nach hinten los. Möglicherweise jetzt wieder. Im Interview soll er zugegeben haben, die Aussagen seiner Kollegen in Riga aufgezeichnet zu haben.

Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat irgendwie Pech mit der Presse. Der Polit-Star sucht immer wieder das Rampenlicht - allein im März hat er angeblich 40 Interviews gegeben. Aber gelungene Selbstdarstellung ist was anderes. Nicht selten gehen seine Auftritte nach hinten los. Denkwürdig ist die "verunglückte" Homestory in der französischen Illustrierten "Paris Match", die ihm nicht Ruhm, sondern Spott und Häme eintrug. Die Fotos vom protzigen Leben des obersten Kassenwarts des Euro-Pleitestaats Griechenland im teuersten Wohnviertel Athens an der Akropolis waren völlig unangemessen für jemanden, der das Volk kurz zuvor noch zu einem "einfachen Leben" angehalten hatte.

Jetzt scheint Varoufakis seine Glaubwürdigkeit erneut selbst zu demontieren. Im Interview mit der "New York Times"-Journalistin Suzy Hanes räumte er angeblich ein, die schwierigen Gespräche mit seinen Kollegen beim Gipfeltreffen im lettischen Riga mitgeschnitten zu haben. Auch ohne diese Aussage hat der 54-jährige Exzentriker einen schweren Stand im Kreis seiner Euro-Kollegen. Das Geständnis, vertrauliche Gespräche aufgezeichnet zu haben, könnte es für ihn noch schwerer machen.

"Mit jeder Faser meines Körpers"

Medien hatten über das schwierige Treffen in Riga Ende April ausführlich berichtet. Es soll hoch hergegangen sein. Varoufakis soll als "Spieler", "Amateur" und "Zeitverschwender" beschimpft und "ins Abseits gedrängt" worden sein. Darauf angesprochen, habe er die Vorwürfe heftig dementiert, schreibt die "New York Times"-Autorin in ihrem langen Porträt. Sie zitiert Varoufakis mit den Worten: "All diese Berichte, dass man mich beschimpft habe als Zeitverschwender und all das - lassen Sie mich sagen, dass ich dies mit jeder Faser meines Körpers bestreite."

Nur am Rande schreibt die Autorin darüber, dass Varoufakis an dieser Stelle erwähnte, eine Aufnahme von diesen Gesprächen zu haben. Wörtlich schreibt sie: "Er sagt, er habe das Treffen mitgeschnitten, könne die Aufnahme aber wegen Regeln zur Vertraulichkeit nicht veröffentlichen." Die Passage steht in Klammern. Unklar ist, ob sie damit andeuten wollte, dass dieses Detail unter dem Siegel der Verschwiegenheit erwähnt wurde, ob es ihm herausgerutscht ist oder ob es überhaupt nicht erwähnenswert ist, weil routinemäßig Tonaufnahmen von Treffen angefertigt werden - möglicherweise nicht nur von Varoufakis. Das alles bleibt offen.

Der Vizepräsident des griechischen Parlamentes, Alexis Mitropoulos, kommentierte den Bericht am Donnerstag im griechischen Fernsehen mit den Worten: "Es wäre inakzeptabel, falls er es gemacht hat."

Varoufakis hat den Bericht am Vorabend weder bestätigt noch dementiert. Vor Journalisten soll er am Vorabend gesagt haben: "Mein Respekt für die Vertraulichkeit meiner Gespräche mit meinen Partnern, mit meinen Kollegen, mit den Institutionen, ist beispielhaft und ich glaube, dass das von jedem anerkannt und verstanden wird." Der griechische Finanzchef galt schon vor "Riga-Gate" als angezählt. Möglicherweise sind seine Tage nun wirklich gezählt. Erst kürzlich pfiff Premier Alexis Tsipras seinen umstrittenen Finanzchef bei den Verhandlungen mit den Gläubigern in die zweite Reihe zurück. Die Gespräche werden jetzt von Vize-Außenminister Euclid Tsakalotos koordiniert. Griechische Medien sprechen bereits von einem "Varoufexit".

Quelle: n-tv.de

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