Wirtschaft

Wachstumsstrategie geht nicht auf Twitter-Chef weiß nicht weiter

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(Foto: REUTERS)

Das Management des einst gehypten Kurznachrichtendienstes gesteht ein, dass Twitter in der Krise steckt. Seit einem Monat ist wieder der Firmengründer selbst am Ruder. Überraschend offen gesteht er ganz grundsätzliche Probleme mit seinem Produkt ein.

Twitter kommt auf der Jagd nach neuen Kunden weiter nur mühsam voran. Im vergangenen Quartal fiel der Nutzerzuwachs so schwach aus wie seit dem Börsengang des US-Unternehmens im Jahr 2013 nicht mehr. Anleger reagierten enttäuscht und trennten sich von der Twitter-Aktie, die im nachbörslichen Handel in  um mehr als elf Prozent einbrach. In den Hintergrund traten ansonsten starke Vierteljahreszahlen, die über den Analystenerwartungen lagen.

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Investoren hoffen darauf, dass dem Kurznachrichtendienst die Initialzündung gelingt. Doch die Firma hinkt anderen Internet-Netzwerken wie Facebook, Instagram und Snapchat hinterher, die ihre Kundenzahlen deutlich stärker steigern konnten. Ende Juni warf Twitter-Chef Dick Costolo das Handtuch.

Seine Probleme hat Interimsnachfolger Jack Dorsey geerbt: Im Zeitraum April bis Juni zählte Twitter 304 Millionen aktive Nutzer - nur zwei Millionen mehr als im vorangegangenen Vierteljahr. "Menschen in aller Welt kennen Twitter, aber es ist nicht klar, warum sie Twitter nutzen sollten", sagte Dorsey in einer Telefonkonferenz mit Analysten. "Das ist inakzeptabel, und wir sind damit nicht glücklich."

"Produkt ist weiterhin zu schwer zu nutzen"

Finanzchef Anthony Noto räumte Probleme ein, ein neues Publikum für die 140-Zeichen-Nachrichten zu gewinnen. "Ganz einfach: Das Produkt ist weiterhin zu schwer zu nutzen", sagte Noto. "Wir werden voraussichtlich kein bedeutendes nachhaltiges Nutzerwachstum haben, bevor wir den Massenmarkt erreichen."

Ken Sena vom Analysehaus Evercore ISI begrüßte die Offenheit des Managements. "Sie haben den Investoren ein Gefühl für die Herausforderung gegeben", sagte Sena. Dies lasse hoffen, dass Twitter die Schwierigkeiten nun auch entschlossen angehe, ergänzte Debra Aho Williamson vom Marktforscher Emarketer.

Im abgelaufenen Quartal schoss der Umsatz um 61 Prozent in die Höhe auf 502 Millionen Dollar. Er fiel wie der Gewinn je Aktie vor Sonderposten höher aus als von Experten vorausgesagt. Der Nettoverlust schrumpfte geringfügig auf 137 Millionen Dollar. Fürs Gesamtjahr gab Twitter eine etwas optimistischere Umsatzprognose ab. Demnach wird nun eine Spanne von 2,2 bis 2,27 (bislang: 2,17 bis 2,27) Milliarden Dollar erwartet.

Quelle: n-tv.de, mbo/rts

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