Wirtschaft

Warnung an Unis vor China-Aktien USA eröffnen neue Front im Wirtschaftskrieg

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Mit gut 40 Milliarden Dollar verfügt Harvard über das größte Stiftungskapital aller US-Unis.

Nach Strafzöllen, Sanktionen gegen den Technologieriesen Huawei und dem Verbot populärer Apps bläst die Regierung von US-Präsident Trump zu einem weiteren Angriff auf China. Sie will chinesische Unternehmen von US-Börsen verbannen. Diese Drohung könnte sich allerdings als wirkungslos erweisen.

Es klingt wie ein gut gemeinter Rat an die Verwalter gemeinnütziger Stiftungen, doch in dem Brief des US-Staatssekretärs für Wirtschaftswachstum, Energie und Umwelt an die Leitung der US-Universitäten und Colleges steckt vor allem eine weitere Kampfansage an Unternehmen aus China. "Es wäre klug, wenn die Leitung von US-Universitätsstiftungen Aktien von Firmen der Volksrepublik China abstoßen würden", schreibt Staatssekretär Keith Krach. Denn es sei damit zu rechnen, dass neue Börsenregeln dazu führen, dass chinesische Firmen bis Ende kommenden Jahres vollständig vom amerikanischen Aktienmarkt ausgeschlossen würden, heißt es weiter in dem Schreiben, über das Bloomberg berichtet.

Nach den jüngst verschärften Sanktionen gegen den Technologieriesen Huawei, den erzwungenen Verkauf der chinesischen Socialmedia-App Tiktok in den USA und Maßnahmen gegen weitere Firmen sowie den bereits seit Jahren andauernden Zollkrieg hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump eine weitere Front in ihrem Kampf gegen Chinas Wirtschaftsmacht eröffnet: Sie will chinesische Konzerne den Zugang zum US-Kapitalmarkt, dem mit Abstand wichtigsten der Welt, abschneiden. Insbesondere für die aufstrebenden Technologiekonzerne waren die US-Börsen in den vergangenen Jahren eine wichtige Finanzierungsquelle. Alibaba, dessen Wechat-App Trump aus den USA verbannen will, nahm 2014 in New York bei dem bis dato größten Börsengang aller Zeiten mehr als 20 Milliarden Dollar ein.

Die US-Universitäten und Colleges mit ihrem Stiftungskapital von rund 600 Milliarden Dollar gehören zu den wichtigsten Investoren, die in den vergangenen Jahren auf der Suche nach Rendite große Summen in chinesische Aktien gesteckt haben, die an amerikanischen Börsen gehandelt werden. Außer direkten Aktienkäufen haben viele Uni-Stiftungen auch in Schwellenländer-Fonds investiert, die auch chinesische Unternehmen umfassen. Dieses Kapital für die von ihnen zunehmend als feindlich betrachteten Konzerne sind Trump und seinen Leuten ein Dorn im Auge.

Anlegerschutz oder nationale Sicherheit?

Die Stiftungen hätten eine "moralische Verpflichtung" sicherzustellen, dass ihre Investments "sauber" seien, erklärt Staatssekretär Krach in einem Interview. Regierungsvertreter haben wiederholt mutmaßliche Verbindungen hervorgehoben von chinesischen Konzernen zu Behörden und Sicherheitskräften der Volksrepublik, die in Menschenrechtsverletzungen verwickelt seien. In der Vergangenheit hatte bereits US-Außenminister Mike Pompeo beklagt, dass Pensionsfonds der US-Bundesstaaten Geld in chinesischen Aktien anlege. So habe etwa Kaliforniens Pensionsfonds, einer der größten der Welt, in Unternehmen investiert, die die chinesische Armee ausrüsteten und so das Leben von US-Soldaten gefährdeten. Um welche Firmen es dabei konkret gehe, sagte Pompeo allerdings nicht. Derartige Investitionen beeinträchtigen laut dem Außenminister die Fähigkeiten der US-Regierung, "lebenswichtige Funktionen für die nationale Sicherheit" zu erfüllen.

In der Warnung an die Uni-Stiftungen angeführten neuen Börsenvorschriften geht es formell ausschließlich um die Sicherheit der Anleger. Vor allem ein Skandal um die manipulierte Bilanz der chinesischen Café-Kette Luckin und der damit einhergehende Absturz der Aktie war Anlass für die von einem Expertengremium ausgearbeitete Verschärfung. Unter anderem sollen chinesische Unternehmen ihre Bücher künftig zusätzlich von einem US-Bilanzprüfer unter die Lupe nehmen lassen, damit sie weiter an US-Börsen gehandelt werden dürfen. Krachs Brief macht nun klar, dass die US-Regierung nicht davon ausgeht, dass die chinesischen Konzerne diese Anforderungen erfüllen und dass Investoren wie Uni-Stiftungen und Pensionsfonds die Aktien in jedem Fall abstoßen.

Für die chinesischen Unternehmen stellt ein möglicher Ausschluss von den US-Börsen allerdings keine so große Bedrohung mehr dar wie noch vor wenigen Jahren. Wie zur Demonstration der Stärke des chinesischen Kapitalmarktes hat die Alibaba-Finanztochter Ant gerade ihren Antrag auf einen Börsengang in Schanghai und Hongkong eingereicht. Berichten zufolge will Ant dabei das Emissionsergebnis des Mutterkonzerns von 2014 sogar noch mal um einige Milliarden Dollar übertreffen.

Quelle: ntv.de, mbo