Wirtschaft

"Das wird ein Gemetzel" Uniper droht mieser Börsenstart

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Eon setzt auf Ökostrom.

(Foto: picture alliance / dpa)

Das sieht nicht gut aus: Eon bringt seine neue Kraftwerkstochter an die Börse und muss sich auf deutliche Kursverluste einstellen. Denn viele der Neu-Aktionäre dürften die Papiere aus ihren Depots werfen.

Die neu geformte Eon Kraftwerkstochter Uniper geht am Morgen an die Börse – und das Debüt dürfte alles andere als eine Party werden. Denn etliche Eon-Aktionäre werden die ihnen zugeteilten Uniper-Papiere so schnell wie möglich loswerden wollen und damit den Kurs gehörig unter Druck setzen. "Wir werden am ersten Tag weiche Hände sehen, die Uniper rasch verkaufen, ganz klar", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

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Analysten zufolge leidet Uniper unter dem Image einer Resterampe. Die Mutter Eon will sich künftig auf das lukrative Ökostromgeschäft konzentrieren. Und wenn Eon sich von der alten Energie wie Kohle und Gas trennt, warum sollen Anleger darauf setzen?

Bei dem Börsengang von Uniper handelt es sich nicht um eine klassische Erstnotiz, bei der Aktien von neuen Anlegern gezeichnet werden. Stattdessen bekamen die Eon-Aktionäre über das Wochenende automatisch für je zehn Eon-Papiere eine Uniper-Aktie in ihr Depot gebucht. Mit diesen Papieren können sie dann von Montag an handeln. Eon gibt 53,35 Prozent von Uniper an seine Aktionäre ab, den Rest behält der Konzern zunächst.

Das bedeutet, dass dem Mutterkonzern Eon weitere Abschreibungen auf seinen Uniper-Anteil drohen. In Zahlen ausgedrückt: Analysten halten einen Börsenwert zwischen vier rund 5,5 Milliarden Euro für realistisch. Eon hat dagegen einen Buchwert von zwölf Milliarden Euro festgelegt. Bereits Mitte August hatte Eon den Wert der Beteiligung um rund drei Milliarden Euro nach unten korrigiert.

"Das macht das Management ziemlich nervös", zitiert die Nachrichtenagentur Reuters eine mit dem Börsengang vertraute Person. "Wird man genug Käufer für die großen Aktienpakete finden, die auf den Markt geworfen werden?"

Uniper lockt mit Dividende

Hinzu kommt: Rund ein Viertel der neuen Uniper-Aktien landen bei Fonds, die nur den Aktienindex Dax abbilden – und deshalb Eon-Papiere besitzen. Am ersten Tag wird Uniper noch im Dax gehandelt, praktisch als 31. Konzern. Danach fällt der Wert aus dem Börsenindex raus - mit der Folge, dass Indexfonds, die den Dax abbilden, sich von ihren Uniper-Aktien trennen müssen. Aktionärsschützer Thomas Hechtfischer erwartet starken Verkaufsdruck: "Das wird erst mal ein Gemetzel." Fünf bis sechs Wochen gebe es wohl Kurssprünge, bis sich der Kurs beruhige. Uniper strebt an, möglichst bald in den MDax der mittelgroßen Unternehmen aufgenommen zu werden.

Nach der Ansicht von Fonds-Manager Thomas Deser von Union Investment könnten Investoren mit Uniper aber auch ein Schnäppchen machen. "Eine Reihe von Fondsmanagern lauern auf einen Kursverfall, um günstig einzusteigen", sagt er. Ob Union Investment seine rund 62 Millionen Uniper-Aktien mittelfristig halten werde, hänge vom Kursniveau ab.

Das Unternehmen steht für die konventionellen Kraftwerke im Konzern und das Gasgeschäft. Beide Bereiche laufen seit Jahren nicht mehr rund. Punkten will Uniper mit einer großzügigen Dividendenpolitik. Entscheidend soll dabei der Cashflow sein - also das, was der Konzern jedes Jahr tatsächlich einnimmt. Davon sollen mindestens 75 Prozent an die Aktionäre fließen. Analysten loben das als Alleinstellungsmerkmal von Uniper. Für das erste Jahr gibt es das Versprechen, 200 Millionen Euro auszuschütten - das sind 55 Cent je Aktie.

Doch Ausschüttungen müssen zunächst verdient werden. "Unser Geschäft ist die Versorgungssicherheit", sagt Uniper-Chef Klaus Schäfer. Er ist - wie viele deutsche Energiemanager - überzeugt, dass konventionelle Großkraftwerke noch lange gebraucht werden, um das schwankende Angebot von Sonnen- und Windstrom auszugleichen.

Quelle: ntv.de, jga/rts/dpa