Wirtschaft

Kaum Sorge um Einkommen Verbraucher legen Corona-Angst ab

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Die Deutschen shoppen wieder.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Corona-Epidemie trifft Deutschland weniger hart als zeitweise befürchtet. Das gilt auch fürs Portemonnaie. Die Zahl der Haushalte, die mit weniger Einkommen rechnen und Anschaffungen verschieben, ist seit dem Höhepunkt der Krise stark gesunken. Das nutzt aber nur einem Teil der Wirtschaft.

Die große Mehrheit der Menschen in Deutschland spürt die Corona-Krise bislang nicht im eigenen Portemonnaie und fürchtet das auch nicht. Laut dem Haushaltskrisenbarometer des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung Safe an der Universität Frankfurt erwarteten nur noch 8 Prozent der Befragten, dass ihr Haushaltseinkommen in den kommenden sechs Monaten sinken wird. Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise in Deutschland Anfang April waren es mit 17 Prozent noch gut doppelt so viele.

Seit April befragt Safe regelmäßig rund 7500 Haushalte nach den Auswirkungen der Krise und den Erwartungen. In den Ergebnissen zeigt sich, wie die Sorge vor Einnahmeverlusten kontinuierlich zurückgeht. Inzwischen rechnen sogar 17 Prozent der Haushalte damit, dass ihr Einkommen im kommenden halben Jahr steigen wird. Gleichzeitig steigt die Konsumbereitschaft wieder spürbar: Anfang April hatten noch 46 Prozent der Befragten angegeben, größere Anschaffungen wegen der Corona-Epidemie aufzuschieben oder ganz zu streichen. Nun sagen das nur noch 33 Prozent. Dabei wurden die Teilnehmer nach Anschaffungen für mehr als 250 Euro, ausgenommen Autos, gefragt.

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Die zum Ankurbeln der Wirtschaft im Rahmen des Konjunkturpakets beschlossene Senkung der Mehrwertsteuer ist dabei offensichtlich nicht ausschlaggebend für die steigende Konsumbereitschaft. Auf die Frage, ob sich die Steuersenkung auf ihre Pläne auswirke, antworteten nur drei Prozent der Befragten, dass sie deshalb zusätzliche Anschaffungen planten. Sechs Prozent gaben an, sie zögen Anschaffungen vor. Die große Mehrheit will dagegen nichts an ihren Plänen ändern.

Weniger Angst um Gesundheit

Nicht nur finanziell, auch gesundheitlich machen sich erheblich weniger Befragte Sorgen wegen der Corona-Epidemie als noch vor drei Monaten. Nur noch 36 Prozent haben Angst um die eigene Gesundheit. Anfang April bejahten noch 49 Prozent die Frage danach. Damals gaben auch noch 79 Prozent an, die Öffentlichkeit zu meiden. Laut der jüngsten Umfrage, die Ende Juni durchgeführt wurde, tun dies nur noch 39 Prozent.

Das Ergebnis des Haushaltskrisenbarometers unterstreicht die zuletzt hoffnungsvoll stimmenden Zahlen vom deutschen Handel, der die Krise offenbar schneller überwindet als befürchtet. Im Mai war der Umsatz im deutschen Einzelhandel nach dem Einbruch durch den Lockdown im April um fast 14 Prozent gestiegen und lag damit sogar im Vorjahresvergleich im Plus.

Die Lage der deutschen Wirtschaft insgesamt ist jedoch zwiespältig. Während der stabile Konsum Hoffnung macht, steckt die exportabhängige Industrie weiter tief in der Krise. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, erhielten die Unternehmen des verarbeitenden Gewerbes - also etwa im Maschinenbau oder in der Autoindustrie - im Mai 2020 gut zehn Prozent mehr Aufträge als noch im April. Trotz des hohen Anstiegs im Vormonat liegt der Auftragseingang damit immer noch fast 30 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

Quelle: ntv.de, mbo