Wirtschaft

Neue Horror-Zahlen aus Australien Verbraucherschützer drohen Volkswagen

fb8808bddca488d10b936395bcdfb66e.jpg

Ein Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft: Blick auf das VW-Stammwerk in Wolfsburg.

(Foto: AP)

Der Himmel über dem deutschen Autobau verdüstert sich: Nach den USA zeichnen sich nun auch in Australien hohe Geldstrafen ab. Die Rede ist von umgerechnet bis zu 692.000 Euro - pro betroffenem Fahrzeug.

Volkswagen drohen im Abgas-Skandal auch in Australien möglicherweise Millionenstrafen. Zum einen könnten Verbraucher mit falschen Angaben über die Umweltfreundlichkeit der Wagen getäuscht worden sein, teilte die Verbraucherschutzbehörde Australian Competition and Consumer Commission (ACCC) mit. Zum anderen verstoße der Einbau manipulierter Software gegen australische Gesetze.

VW Vorzüge
VW Vorzüge 145,92

Die Behörde warte noch auf Angaben von VW, hieß es, ob Autos mit dieser Software nach Australien geliefert wurden. Audi hatte dies bereits eingeräumt, allerdings sei die Software in den Audi-Fahrzeugen nicht aktiv gewesen.

"Wir sind sehr besorgt über die potenziellen Verbraucher- und Wettbewerbsnachteile", teilte ACCC-Chef Rod Sims mit. Jeder Verstoß gegen die Gesetze könne eine Strafe von bis zu 1,1 Millionen australischen Dollar (692.000 Euro) nach sich ziehen, erklärte ein Sprecher der Behörde der Nachrichtenagentur dpa.

Der heikle Aspekt aus der Sicht von VW: Diese Strafe werde pro verkauftem Auto berechnet, in dem aktive manipulierte Software eingebaut war. Seit 2009 sind in Australien nach Schätzungen rund 50.000 VWs mit Dieselantrieb verkauft worden - wie viele davon mit der fraglichen Abgas-Software im eingeschalteten Zustand unterwegs sind, muss Volkswagen unter den kritischen Augen der australischen Behörden klären.

Rein rechnerisch könnte sich für VW demnach aus dem Abgas-Skandal schlimmstenfalls eine theoretische Gesamtstrafe von 34,6 Milliarden Euro ergeben - und das allein in Australien. Das ist etwas mehr als das Doppelte der theoretischen Gesamtstrafe im US-Markt. Dort stehen bislang Zahlungen von bis zu 18 Milliarden Dollar an - nach aktuellem Umrechnungskurs wären das 16,1 Milliarden Euro.

Reichen die Rückstellungen?

Für etwaige Strafzahlungen und zur Deckung der Kosten für Rückrufaktionen hat die Volkswagen AG kurz nach Bekanntwerden des Skandals 6,5 Milliarden Euro aus dem laufenden Geschäft "ergebniswirksam" zurückgelegt. Ob diese Summe ausreicht, hängt unter anderem davon ab, wie überzeugend die neue Konzernspitze in Wolfsburg in den Augen der Behörden in den USA und Australien bei der Aufklärung und Aufarbeitung des Skandals vorankommt.

Die möglichen Strafzahlungen an Behörden sind nur ein Teil der potenziellen Belastungen für die VW-Bilanz: Unabhängig von den Entscheidungen der Ämter stehen nach wie vor auch zivilrechtliche Schadenersatzforderungen im Raum.

Frankreich leitet Untersuchung ein

Abgesehen von den Entwicklungen in den USA und Australien laufen in weiteren VW-Absatzmärkten intensive Prüfungen. Die französische Verbraucherschutzbehörde leitete zum Beispiel eine eigene Untersuchung des Abgasskandals ein.

Ziel sei es herauszufinden, ob VW sich ähnlicher Praktiken wie in den USA bedient habe, war aus dem Umfeld des Pariser Wirtschaftsministeriums zu vernehmen. Europas größter Automobilkonzern hatte zugegeben, die Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen mit einer Software manipuliert zu haben. Nach Konzernangaben sind weltweit bis zu elf Millionen Fahrzeuge betroffen. In Frankreich sind es nach Angaben von VW knapp 950.000 Autos, in Spanien fast 700.000.

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa/rts

Mehr zum Thema